Die Mittelschicht in Deutschland schrumpft - oder doch nicht?
Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Uni Bremen im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung legt zumindest den Schluss nahe, dass immer weniger Menschen in Deutschland Teil der Mittelschicht sind. Bei den Reallöhnen, dem Haushaltseinkommen und beim Vermögen hätten die Mitglieder der Mittelschicht in den letzten Jahren so hohe Abstriche machen müssen, dass immer mehr Menschen aus ihr herausfallen, so die Autoren der Studie. Auch eine gute Ausbildung sei kein Garant mehr für Wohlstand und die entsprechende gesellschaftliche Teilhabe.
Seit dem Jahr 1997 seien 5,5 Millionen Menschen aus der Mittelschicht herausgefallen, heißt es in der Studie. Der prozentuale Anteil der Mittelschicht sei von 65 Prozent auf 58 Prozent gesunken. Die Forscher von DIW und Uni Bremen zählen Menschen zur Mittelschicht, die zwischen 70 und 150 Prozent des durchschnittlichen Einkommens verdienen. Der Mittelwert betrug 2010 für einen Einpersonen-Haushalt 19.400 Euro. Zur Mittelschicht gehören demnach Singles mit einem Netto-Monatseinkommen von 1.130 bis 2.420 Euro. Mittelschicht-Familien mit zwei Kindern verfügen danach über einem Budget von 2.370 bis 5.080 Euro.
Rückkehr in die Mittelschicht fällt schwer
Besonders auffällig sei, dass der Anteil von Menschen, die weniger als 70 Prozent des Durchschnitts verdienen, im gleichen Zeitraum um 4 Millionen gestiegen sei, während es am oberen Rand der Mittelschicht nur wenig Veränderungen gab. Für das Schrumpfen der Einkommens-Mittelschicht werden drei Ursachen ausgemacht: die Zunahme von Ein-Personen-Haushalten, die Steuerreform sowie die Arbeitsmarktreformen. Die meisten Menschen, die die Mittelschicht nach unten verlassen, arbeiten in prekären Beschäftigungsverhältnissen oder im Niedriglohnsektor. Sie finden sich also in der Unterschicht wieder. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel befürchtet gar, dass die Mittelschicht zwischen wachsendem Reichtum einerseits und neuer Armut andererseits "zerrieben" werde.
Ob die Mittelschicht wirklich erodiert, ist unter Wirtschaftswissenschaftlern jedoch umstritten. Eine Studie der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zeichnet ein gänzlich anderes Bild und kommt zu dem Ergebnis, dass die Mittelschicht nicht schrumpfe. Besonders im Osten würden sich heute mehr Menschen zur Mittelschicht zählen als direkt nach der Wiedervereinigung. Auch würden immer mehr Bundesbürger sich aufgrund anderer Faktoren als Einkommen - etwa des gestiegenen Bildungsniveaus - als Teil der Mittelschicht fühlen. Auch das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft widersprach den Ergebnissen von DIW und Uni Bremen entschieden: "Die deutsche Mittelschicht ist stabil." Aktuell sei sie in etwa so groß wie kurz nach der Wiedervereinigung - und Angst vor dem Abstieg sei meist unbegründet.
In einem Punkt sind sich die Forscher jedoch einig: Immer mehr Menschen am unteren Rand der Mittelschicht sind dem Risiko ausgesetzt, in der sozialen Rangfolge weiter abzurutschen. Auch die Autoren der KAS-Studie sehen in diesem Teil der Mittelschicht verbreitet "Zukunftsunsicherheit und Verlustängste", was verständlich sei angesichts der Nähe zu unteren Einkommensschichten. Ein Problem, dass offenbar auch der Bundesregierung bewusst ist, auch wenn sie es nicht zugeben möchte: Wie sonst ist zu erklären, dass kritische Passagen zur zunehmenden Spaltung der Gesellschaft aus dem Entwurf zum aktuellen Armuts- und Reichtumsberichts komplett getilgt wurden?
1695 Meinungen zu "Die Ängste der Mittelschicht"
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strathmann
Samstag, 18.05.2013, 16:49 Uhr Die Ängste der Mittelschicht sind begründet, nicht zuletzt, weil die Politik des billigen aber dennolch knappen Geldes sie benachteiligt gegenüber den Konzernen- das wiederum führt dazu, dass immer mehr Mittelstandsunternehmen von den Großen gefressen werden und die Mitte unten angekommen ist. -
alternative2013
Montag, 13.05.2013, 15:57 Uhr Ich habe einen Ausweg.... diese Diskussionen bringen nichts mehr, unsere neue Weltordnung kommt auf uns zu mit Meilenstiefel...das Geldmonopol regiert die Welt.... willst Du da raus, verdiene so viel wie möglich...wenn Du dieses begreifst... dann melde Dich bei mir... -
0808
Freitag, 05.04.2013, 10:12 Uhr immer tilgt die wahrheit. sehen tut sie auch so jeder. -
hope2010
Donnerstag, 20.12.2012, 14:45 Uhr Die Mittelschicht gibt es in Deutschland eh kaum noch, dafür haben SPD , CDU und FDP schon gesorgt.Ich hatte mal einen gutbezahlten Job im Vertrieb,war lange in der Firma.Dann wurde die Firmensparte wegrationalisiert und nun darf ich für viel weniger Geld das gleiche machen.Danke dafür, an die netten Damen und Herren Politiker!!! -
Politverdrossener
Dienstag, 18.12.2012, 17:04 Uhr Man merkts doch selber, dafür brauchen wir nich ständig solche berichte. Mir gehen schon nur das billigste(nicht immer) kaufen und kaum aus, und trotzdem bleibt am Monatsende nicht viel oder z.t gar nichts übrig. Und das Obwohl wir Vollzeit arbeiten gehen. Von 1300brutto sollte man nicht allzuviel erwarten. Naja, hauptsache Gesund und vieleicht aller 2 jahre ein Auslandsurlaub. -
sommerfiled
Dienstag, 18.12.2012, 14:46 Uhr Frau Merkel hat uns in ihrer Amtszeit so richtig in den Dreck geritten, überschuldeter Staat bis zum geht nicht mehr, unsere Steuern verballert, is ja nicht so wichtig, was in Deutschland abgeht, hauptsache wir können im Ausland helfen.....aber gern doch oder Frau Merkel??????? -
buchi
Montag, 17.12.2012, 14:10 Uhr Der karren ist sowieso in dreck gefahren und die frage ist,wie kommt man da raus?Die jetzige regierung und auch die spd haben den scheiss verursacht,aber denen gehts blendend,oder vielmehr leute die kohle haben,können das nicht nachvollziehen,aber manche sind zu schweinen erzogen worden
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