UNICEF bereitet die größte Impfkampagne aller Zeiten vor, um die Corona-Impfung auch Menschen in den ärmsten Ländern zugänglich zu machen. Gemeinsam mit seinen Partnern organisiert UNICEF die Lieferung von COVID-19-Impfstoffen in 92 Länder. Das ist eine enorme Herausforderung: Denn beim Transport vom Hersteller bis in die Krankenhäuser, Gesundheits- und Impfzentren müssen die Vakzine gleichmäßig gekühlt werden.

UNICEF-Pate werden

Schon bis Ende 2020 hat UNICEF zusammen mit der Impfallianz Gavi und der Weltgesundheitsorganisation etwa 520 Millionen Spritzen in Warenlagern rund um die Welt bereitgestellt. Unter der Voraussetzung, dass genügend COVID-19-Impfstoff zur Verfügung steht, plant die Organisation im Laufe des Jahres 2021 über eine Milliarde Spritzen zu beschaffen. Denn um Menschen gegen das Coronavirus impfen zu können, braucht es nicht nur den Impfstoff selbst. Gesundheitshelfer benötigen auch medizinische Geräte wie die Spritzen, aber auch Container, um Nadeln sicher zu entsorgen.

Um wirksam zu sein, müssen Impfstoffe durchgehend gekühlt werden. Doch in vielen Ländern, in denen UNICEF arbeitet, ist es eine Mammutaufgabe, die Kühlkette zu gewährleisten: vom Hersteller ins Flugzeug an den Zielort, von dort weiter zu den Gesundheitszentren, wo sie verwendet werden. So auch im Südsudan:

Impfen: Eine Herausforderung im Südsudan

Sehr viele Impfstoffe müssen gekühlt gelagert und transportiert werden - auch die neuen COVID-19-Impfstoffe. In Ländern, die eine gut ausgebaute Infrastruktur haben, ist dies unproblematisch möglich. Im Südsudan, flächenmäßig so groß wie Frankreich, ist dies herausfordernder. Denn es gibt nur knapp 200 Kilometer asphaltierte Straße und kein verlässliches Stromnetz. © UNICEF

Kühlkette mit Solarenergie sichern

Samuel Peter klettert auf das Dach eines heruntergekommenen Gebäudes in Akobo, einer Stadt im Osten des Südsudans. Von dieser Höhe aus kann der UNICEF-Elektroingenieur über den Pibor-Fluss bis hin zum Nachbarland Äthiopien schauen, dessen Grenze kurz hinter der Stadt verläuft. Samuel tritt vorsichtig auf die rostigen Metallplatten des Daches und beginnt seine Arbeit: Solarzellen installieren, die die Energie für zwei spezielle Impfstoff-Kühlschränke liefern sollen.

Ein mit Solarstrom betriebener Kühlschrank für Impfstoffe in einem Gesundheitszentrum in Juba, der Hauptstadt des Südsudans.

Im Südsudan steigen die Temperaturen regelmäßig auf über 40 Grad Celsius. Es gibt kein verlässliches Stromnetz im Land. Die Kühlschränke, die Samuel installiert, sind ein unerlässlicher Baustein in der Kühlkette von Impfstoffen.

Diese müssen nahe des Gefrierpunktes – und einige sogar deutlich darunter – gekühlt werden und dabei teilweise mehrere Tausend Kilometer zurücklegen. Schon eine kurze Unterbrechung im Kühlzyklus macht die wertvollen Vakzine unbrauchbar – eine riesige Herausforderung in einem Land, in dem es kaum Elektrizität gibt.

Die Gesundheitshelfer im Südsudan nutzen die Kühlschränke, um Hunderte kleiner Impfdosen aufzubewahren und damit Mütter und Kinder gegen Masern, Polio und Tetanus zu impfen. Und zukünftig auch Gesundheitshelfer und Menschen aus Risikogruppen gegen COVID-19 zu schützen.

Ein ganz besonderer Kühlschrank

Um die Kühlkette vom Gesundheitszentrum auch bis in weit entfernte Dörfer aufrechtzuerhalten, nutzen die Helfer Container aus Styropor, gefüllt mit Kühlakkus. Darin bleiben die Impfstoffe sieben Tage lang kühl. Spezielle Gefrierfunktionen in den Kühlschränken bereiten die silbernen Container auf diese Reisen vor, bei denen die Helfer oft tagelang unterwegs sind, meist zu Fuß, um wirklich alle Familien zu erreichen und Kinderleben zu schützen.

Ein UNICEF-Gesundheitshelfer bereitet sich auf eine Impfkampagne vor und trägt die Kühlcontainer, mit denen Impfstoffe in weit entlegene Dörfer transportiert werden.

"Ich mag meine Arbeit, sie rettet Leben", sagt Samuel. "Wenn wir diese Kühlkette nicht hätten, dann könnten wir die Familien nicht impfen. Dann würden wir noch mehr Krankheiten sehen, die Tausende Menschen töten."

Die Impfstoff-Kühlschränke in die entlegenen Städte des Südsudans zu transportieren, ist eine herausfordernde Aufgabe. Im Land gibt es nur rund 200 Kilometer asphaltierte Straße. In der Regenzeit verwandeln sich Straßen in unpassierbare Schlammpisten.

Der Südsudan ist flächenmäßig so groß wie Frankreich – doch es gibt im Land nur knapp 200 Kilometer asphaltierte Straße. Vor allem in der Regenzeit ist der Transport von Hilfsgütern herausfordernd.

Per Frachtschiff und Lkw in den Südsudan

Die Kühlschränke, die Samuel installiert, sind per Frachtschiff durch den Suez-Kanal gefahren, bevor sie im Hafen von Mombasa in Kenia entladen wurden. Ein Lkw brachte sie dann in den Südsudan – eine nicht ungefährliche Reise in einem Bürgerkriegsland. Seit 2012 sind vier Fahrer und ein Assistent bei der Auslieferung wichtiger UNICEF-Hilfsgüter ums Leben gekommen.

Diese Umstände erschweren es auch UNICEF-Ingenieuren wie Samuel, manche Gegenden im Land zu erreichen. "Es kann manchmal wirklich beschwerlich sein", sagt Samuel. "Zu manchen Orten im Südsudan führen keine Straßen. Also muss ich den Fluss überqueren, durch Äthiopien reisen und dann wieder über die Grenze in den Südsudan fahren."

Doch trotz dieser logistischen Herausforderung haben Samuel und seine Kollegen mehr als 700 Gesundheitszentren mit Impf-Kühlschränken, die mit Solarenergie betrieben werden, ausgestattet – das sind rund die Hälfte aller Gesundheitsstationen im ganzen Land.

Die Stiftung United Internet for UNICEF unterstützt UNICEF bei der Bekämpfung des Corona-Virus.

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