In Kolumbien kam es Anfang der Woche zu einem schweren Erdbeben. Tausende Menschen werden noch vermisst, das gesamte Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzusehen. UNICEF ist bereits vor Ort und unterstützt traumatisierte Kinder.
Schon wieder ein Erdbeben, schon wieder auf dem südamerikanischen Kontinent. Im Westen Kolumbiens zerstörte am Montag ein Erdbeben der Stärke 7,4 Häuser, Straßen und Schulen. Nach Angaben der "Tagesschau" sind bisher 240 Menschen ums Leben gekommen, mehr als 3.000 werden noch vermisst.
Es ist das schwerste Erdbeben der letzten zehn Jahre und erinnert in seiner Heftigkeit an die Beben vor einigen Wochen in Venezuela, bei denen mehr als 6.300 Menschen starben.
Vor allem für Kinder und Frauen ist die Lage nach dem Erdbeben prekär. "Kinder sind nach einer Katastrophe dieses Ausmaßes zahlreichen Risiken ausgesetzt", sagt Tanya Chapuisat, UNICEF-Leiterin in Kolumbien auf Anfrage der Redaktion.
Es seien vor allem Gemeinden betroffen, die ohnehin schon von Armut, Ungleichheit, bewaffneten Konflikten und Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind. Durch das Erdbeben, sagt Chapuisat, erhöhe sich das Risiko für Gewalt, Missbrauch und die Rekrutierung durch bewaffnete Gruppen.
Psychologische Betreuung von Kindern nach Erdbeben
Das Miterleben des Bebens war für viele Kinder erschreckend und hat Spuren hinterlassen. "Kinder, die ein Erdbeben erleben, können unter Angst, Unruhe, Stress und emotionaler Belastung leiden, insbesondere wenn sie Familienangehörige, ihr Zuhause, ihre Schule oder ihr Sicherheitsgefühl verloren haben."
Das Kinderhilfswerk ist bereits vor Ort im Einsatz und stellt Hilfsgüter in Form von Hygieneartikeln, Versorgungssets für Mütter und Wassertanks für 25.000 Menschen zur Verfügung, berichtet Chapuisat. Außerdem arbeite UNICEF eng mit dem kolumbianischen Institut für Familienfürsorge zusammen, um eine psychologische Betreuung für betroffene Kinder zu gewährleisten.
Die ersten Tage nach dem Erdbeben
Noch immer suchen Helfende nach Überlebenden und das teilweise mit bloßen Händen. Doch die Hoffnung auf Rettung schwindet mit jeder weiteren Stunde. Nach einem Erdbeben sind die ersten 72 Stunden entscheidend, um Menschen noch lebend aus den Trümmern zu befreien.
Kolumbiens Präsident erklärt wirtschaftlichen Notstand
Vor allem die Schäden an der Infrastruktur bergen für die Menschen in den betroffenen Gebieten weitere Schwierigkeiten; denn ohne sauberes Wasser, ein intaktes Stromnetz, eine funktionierende Gesundheitsversorgung und die Sicherheit ihrer Häuser sind sie kaum geschützt vor sich ausbreitenden Krankheiten, Regen oder Hitze. Hinzu kommt der schwere Staub, der dort in der Luft hängt, wo Gebäude eingestürzt sind und den Helfenden und Überlebenden das Atmen erschwert.
UNICEF hat eine klare Priorität: Dort Hilfe zu leisten, wo der Bedarf am größten ist. Dafür will sich das Kinderhilfswerk ein klares Bild der Auswirkungen verschaffen – "insbesondere in den schwer erreichbaren Gebieten wie Chocó und Buenaventura".
Empfehlungen der Redaktion
Auch sollen Kinder so schnell wie möglich wieder die Möglichkeit haben, zur Schule zu gehen. "Berichten zufolge wurden mehr als 1.000 Schulen beschädigt oder zerstört, was das Recht der Kinder auf Bildung beeinträchtigt und Schutzrisiken erhöht, darunter auch die Gefahr, Gewalt ausgesetzt zu sein." Deswegen arbeitet UNICEF eng mit dem kolumbianischen Bildungsministerium zusammen.
Verwendete Quellen
- Antworten von Tanya Chapuisat, UNICEF-Leiterin Kolumbien auf schriftliche Anfrage der Redaktion
- tagesschau.de: Kolumbien ruft nach Erdbeben Notstand aus