Der Krieg im Iran hat weitreichende Folgen. Nicht nur Länder, die im unmittelbaren Umfeld der Kriegsparteien stehen, sind betroffen. In Somalia oder im Sudan spüren Menschen die Auswirkungen direkt – doch bleibt ihr Leid oft im Verborgenen.
Die Preise steigen und steigen, überall auf der Welt. Durch die Blockade der Straße von Hormus ist Autofahren für viele inzwischen zu einem Luxus geworden. An heimischen Tankstellen leuchten Rekordpreise von den Tafeln.
Auch die Sorge vor Engpässen bei lebenswichtigen Medikamenten macht sich hierzulande breit, viele werden über die Straße von Hormus transportiert. Großbritannien hat bereits verkündet, dass einige Medikamente teilweise nur noch für wenige Wochen vorrätig seien.
Wenn diese Dinge uns im sonst sehr behüteten Europa bedrohen, ist kaum vorstellbar wie es in Ländern aussieht, die von Krieg und schweren Krisen gebeutelt sind.
Den Menschen im Sudan rennt die Zeit davon
Im Sudan herrscht seit drei Jahren ein unerbittlicher Krieg, der bereits zahlreiche Opfer gefordert hat. Besonders dramatisch ist die Ernährungslage: UNICEF schätzt, dass 2026 rund 4,2 Millionen Kinder im Land mangelernährt sein werden.
Eigentlich braucht der Sudan dringend Unterstützung. Doch die humanitären Hilfsgüter, unter anderem therapeutischer Nahrung, verspäten sich durch die Lieferengpässe derzeit um mehrere Wochen. Für manche Kinder im Sudan wird dies ein Todesurteil sein.
Das International Rescue Commitee (IRC) berichtet, dass derzeit Arzneimittel im Wert von über 112.000 Euro, die für die Behandlung von Menschen im Sudan gedacht sind, aufgrund von Transportunterbrechungen in Dubai blockiert sind. "Treibstoff ist eine zentrale Grundlage für humanitäre Hilfe", schreibt das IRC.
Dürre und Krieg machen Somalia zu schaffen
Auch in Somalia spitzt sich die Situation immer weiter zu. Das Land am Horn von Afrika erlebt zurzeit eine schwere Dürre, Lebensmittel sind knapp und in kurzer Zeit sehr teuer geworden. UNICEF schätzt, dass rund zwei Millionen Kinder im Land von Mangelernährung bedroht sind. Durch die Krise im Nahen Osten haben sich in einigen Regionen die Wasserkosten bereits mehr als verdoppelt, so UNICEF.
Somalia sei stark von Importen abhängig, heißt es in einer Pressemitteilung. Wenn der Transport von Lebensmitteln, Medikamenten, Treibstoff und Wasser teurer wird, trifft das zuallererst die Ärmsten.
Die Menschen müssen zu lang auf Hilfe warten
Nicht nur die Sperrung der Straße von Hormus ist ein Problem. Viele Zulieferer meiden auch die Meeresstraße von Bab al-Mandab. Diese verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und könnte für den Iran ein weiterer Druckpunkt werden.
Das derzeitige iranische Regime erklärte bereits, dass die verbündete Huthi-Miliz aus dem Jemen die Meerstraße ins Visier nehmen könnte. Einer der Militär-Führer der Terrormiliz verkündete Ende März man habe "den Finger am Abzug".
Für die Schifffahrtsunternehmer bedeutet das, dass sie den gesamten afrikanischen Kontinent umrunden müssen. So berichtet das WFP auf dem Portal Think Global Health, einer ihrer Zulieferer habe die Route über das Kap der Guten Hoffnung genommen, um dann durch den Suez Kanal in den Sudan zu gelangen. Dadurch brauchen sie aber drei Wochen länger, die Verlängerung kostet zusätzlich Geld und Ressourcen.
Die Lösung aller Probleme?
Eine Waffenruhe oder die Öffnung der Straße von Hormus würden das Problem nicht schnell genug lösen.
"Planbarkeit und Verlässlichkeit" seien die beiden Faktoren, die ein globales Lieferkettensystem brauche, sagt Martin Frick, Leiter des Berliner Büros des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, dem "Handelsblatt". Selbst jetzt veranlasste Entlastungen würden zu spät einsetzen, der Schaden sei schon angerichtet.
Krieg könnte eine Rekord-Hungerkrise auslösen
Ein Grund dafür ist eine gefährliche Kettenreaktion. Zahlreiche Länder des Globalen Südens benötigen Erdgas für die Herstellung von Stickstoffdüngern. Ohne Gaslieferungen werden Düngemittel- und somit Lebensmittelpreise weiter steigen, heißt es in einer Analyse des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Diese Last trügen Länder in Subsahara-Afrika und Südasien, wo die Verluste 10- bis 20-mal höher seien als beispielsweise in den USA.
Gleichzeitig treffe die Schließung der Straße von Hormus die Zeit, in der normalerweise Saatgut gesät werde. Ohne den Dünger, so heißt es in der Analyse, komme es zu Ernteausfällen für die gesamte Saison – eine Katastrophe für Menschen, die von der Landwirtschaft abhängig sind.
Empfehlungen der Redaktion
Selbst wenn die Straße von Hormus jetzt geöffnet würde, wäre es für viele schon zu spät. Das World Food Programme warnt, dass durch den Iran-Krieg 45 Millionen Menschen zusätzlich in eine Hungerkrise gedrängt werden könnten. Dadurch könnte ein neues Rekordniveau entstehen.
Verwendete Quellen:
- handelsblatt.de: Trotz Waffenruhe – Iran-Krieg könnte neue Hungerkrise auslösen
- unicef.de: Mangelernährung in Somalia nimmt zu: UNICEF-Exekutivdirektorin ruft zu Unterstützung auf
- reuters.com: Yemen's Houthis say 'fingers on the trigger' as US-Israeli war on Iran widens
- thinkglobalhealth.org: How the Iran War Is Straining Humanitarian Aid, in Three Charts
- rescue.org: IRC warnt: Der Irankrieg unterbricht die Lieferketten für Treibstoff und Hilfsgüter und gefährdet lebenswichtige Einsätze auf dem afrikanischen Kontinent
- wfp.org: WFP projects food insecurity could reach record levels as a result of Middle East escalation