Nach fast zweieinhalb Jahren ohne Unterricht startet UNICEF im Gazastreifen ein riesiges Schulprogramm. Zelte, Hilfspakete und Toiletten sollen Hoffnung für Kinder und Jugendliche bieten.

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF baut im Gazastreifen sein größtes jemals realisiertes Schulprogramm auf. Fast die Hälfte der 700.000 Kinder und Jugendlichen im Schulalter soll im Laufe des Jahres Platz in neuen Lernzentren bekommen, wie UNICEF-Sprecher James Elder sagt.

Der Unterricht wird in Zelten, reparierten Schulen und Hallen stattfinden. Elder findet bezüglich des neuen Projekts klare Worte: "Dies ist nicht etwas 'Wünschenswertes' – es ist eine dringende Notwendigkeit."

Durch den beinahe zweieinhalb Jahre anhaltenden Krieg sind laut Elder mehr als 90 Prozent der Schulen in Gaza zerstört oder beschädigt worden. Somit könnten derzeit 60 Prozent aller schulpflichtigen Kinder nicht an einer Form von Präsenzunterricht teilnehmen.

Bildung hat hohen Stellenwert in Gaza

"Bildung war über Generationen hinweg eine Quelle des Stolzes, der Widerstandsfähigkeit und des Fortschritts", sagt Elder. Vor dem Krieg war die Alphabetisierungsrate der Bevölkerung im Gazastreifen eine der höchsten weltweit - 2024 lag sie bei 98 Prozent.

Dieses Bildungserbe sieht Elder bedroht: "Schulen, Universitäten und Bibliotheken wurden zerstört und jahrelange Fortschritte zunichtegemacht." Für zukünftige Generationen ist dies eine große Einschränkung. Denn diejenigen, die in Zukunft das Land als Ingenieure, Ärztinnen oder Lehrer wieder aufbauen sollen, können so selbst nicht ausgebildet werden.

"Das Programm ist eine Brücke – kein Ersatz – zum vollständigen Wiederaufbau der Schulen", betont Elder, "damit jedes Kind wieder eine formale Bildung und eine echte Zukunft im Klassenzimmer erhält."

Pakete mit Schulmaterial auf dem Weg

Dem will UNICEF nun entgegenwirken. Im Laufe der Woche würden Tausende Pakete mit Stiften, Büchern, Linealen sowie Bällen und Netzen für Freizeitaktivitäten geliefert. Insgesamt sollen 336.000 Kinder aufgenommen werden. 100 Notschulen würden bereits unterstützt, weitere sollen folgen.

Sie werden zusammen mit dem palästinensischen Bildungsministerium und humanitären Organisationen eingerichtet. Andere Kinder werden an Schulen des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) betreut.

Schule ist nicht nur Bildungseinrichtung

In den Notschulen gibt es neben Unterricht und Spiel auch Mahlzeiten und psychologische Unterstützung. Zudem würden hier "lebenswichtige Informationen" vermittelt und den Kindern würde ein strukturierter Alltag an einem Ort geboten, der noch immer vielerorts zerstört ist.

"Lernen in Gaza ist lebensrettend", betont Elder. Oft seien diese Einrichtungen der einzige Platz mit Toiletten und angemessenen Waschmöglichkeiten für die Kinder, die teils mit ihren Familien noch notdürftig in Zelten leben.

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Das Programm koste pro Kind im Jahr 280 Dollar (rund 235 Euro), sagte Elder. UNICEF fehlen 86 Millionen Dollar, um das Programm umzusetzen. (dpa/bearbeitet von cm)

Verwendete Quellen