Die Situation im Bürgerkriegsland Jemen verschärft sich weiter. Hunderttausende Kinder sind so stark mangelernährt, dass ihr Leben in Gefahr ist. Insgesamt sind 14 Millionen Menschen von einer Hungersnot bedroht – mehr als die Hälfte der Bevölkerung. UN-Nothilfe-Koordinator findet deutliche Worte.

Im Bürgerkriegsland Jemen sind laut UN-Kinderhilfswerk UNICEF 400.000 Kinder unter fünf Jahren lebensbedrohlich mangelernährt. Fast jedes Kind im Jemen – über elf Millionen – ist auf humanitäre Hilfe angewiesen.

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Der Nothilfe-Koordinator der Vereinten Nationen, Marc Lowcock, hat am Mittwoch (24. Oktober) vor dem UN-Sicherheitsrat vor einer weiteren Verschärfung der humanitären Situation im Jemen gewarnt.

Schlimmer als alles, was bisher bekannt ist

14 Millionen Menschen sind laut UNO von einer bevorstehenden Hungersnot bedroht. "Es gibt jetzt die klare und aktuelle Gefahr einer unmittelbar bevorstehenden und großen Hungersnot, die den Jemen in den Abgrund stürzen könnte: Viel größer als alles, was irgendein humanitärer Mitarbeiter in seinem ganzen Arbeitsleben je gesehen hat", sagte Lowcock.

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Noch wurde offiziell keine Hungersnot erklärt, weil genaue Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung erst für Mitte November erwartet werden.

Doch schon jetzt sprechen die Vereinten Nationen von der Situation im Jemen als einer der schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit.

Auswirkungen des Kriegs auf Kinder im Jemen

Der Bürgerkrieg hat verheerende Auswirkungen auf Kinder. Zwischen 2015 und 2017 wurden 1.839 Kinder getötet und über 2.000 Kinder von bewaffneten Gruppen rekrutiert.

Das sind nur die Fälle, die von den Vereinten Nationen überprüft werden konnten – die tatsächliche Zahl ist aller Voraussicht nach höher.

Auch die Zahl der Kinderehen hat in Folge der Not deutlich zugenommen: Zwei Drittel der Mädchen waren 2017 bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet, im Vergleich zu 52 Prozent im Vorjahr.

Gesundheitssystem ist zusammengebrochen

Das Gesundheitssystem ist nahezu zusammengebrochen. Nur noch die Hälfte der Krankenhäuser und Gesundheitsstationen sind funktionsfähig, und diese haben häufig kaum Personal, Ausrüstung und Medikamente zur Verfügung.

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Seit April 2017 herrscht eine Cholera-Epidemie im Land. Seitdem wurden über 1,1 Millionen Verdachtsfälle registriert. In einem Viertel der Verdachtsfälle von Cholera und wässrigem Durchfall waren Kinder unter fünf Jahren betroffen. Insbesondere für durch Mangelernährung bereits geschwächte Kinder sind Krankheiten wie Cholera lebensbedrohlich.

Frieden ist die einzige Option

"Der einzige Ausweg aus dem Alptraum im Jemen ist, Frieden durch eine umfassende politische Lösung herzustellen", sagte die UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore in New York.

"UNICEF ruft erneut alle Konfliktparteien und alle, die Einfluss auf sie haben, dazu auf, ihrer rechtlichen Verpflichtung nachzukommen und alle Angriffe auf zivile Infrastruktur zu stoppen – einschließlich des Hafens von Hudaidah – sowie sicheren, bedingungslosen und nachhaltigen Zugang zu allen Kindern in Not im Jemen zu garantieren."

UNICEF ist vor Ort im Jemen im Einsatz und arbeitet rund um die Uhr daran, die Kinder und Familien mit dem Nötigsten zu versorgen. Allein von Januar bis Juli 2018 wurden 244.000 Kinder unter fünf Jahren mit schwerer akuter Mangelernährung versorgt.

Rund 1,5 Millionen der ärmsten Familien – neun Millionen Menschen – profitieren von finanzieller Unterstützung, damit sie ihre Kinder versorgen können.

Während einer Feuerpause konnten Anfang Oktober über 306.000 Menschen (darunter 164.000 Kinder) mit Unterstützung von UNICEF und WHO gegen Cholera geimpft werden.

(Der Text in der Originalversion erschien zuerst auf unicef.de)
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Jemens Lebensader im Visier

Der Angriff auf den zentralen Hafen im Jemen hat begonnen. Die Hafenstadt Hudaida ist die Lebensader des Landes. 70 bis 80 Prozent aller Hilfsgüter und Lebensmittel erreichen die 22 Millionen Menschen über dieses Nadelöhr.