"Mama, warum sterben eigentlich manchmal auch Kinder?", hat mich mein Sohn gefragt, als er selbst noch im Kindergartenalter war. Eine berechtigte Frage, denn genau genommen sterben Kinder nicht nur manchmal, sondern tagtäglich tausendfach. Und in den meisten Fällen hätte diese unfassbare Tragödie vermieden werden können. Die gute Nachricht: Heute überleben mehr Kinder denn je.

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Was genau bedeutet eigentlich Kindersterblichkeit, wie hoch ist sie, welche Länder sind besonders betroffen und was kann man tun, damit jedes Mädchen und jeder Junge eine Chance auf Überleben hat? Hier haben wir die wichtigsten Statistiken und Infos für Sie zusammengestellt.

Aktuelle Statistik zur weltweiten Kindersterblichkeit

Fast alle zwei Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind unter fünf Jahren. Das sind durchschnittlich 15.000 Kleinkinder jeden Tag oder 5,3 Millionen Mädchen und Jungen unter fünf jedes Jahr. Zusätzlich sind im vergangenen Jahr etwa 900.000 Kinder im Alter zwischen fünf und 14 Jahren gestorben – insgesamt also 6,2 Millionen Kinder unter 15 Jahren. So lautet die aktuelle Schätzung der Vereinten Nationen, die sich auf die neuesten verfügbaren Daten stützt.

Zum Vergleich: In Deutschland leben rund elf Millionen Kinder unter 15 Jahren – 6,2 Millionen Mädchen und Jungen wären also über die Hälfte aller Kinder unter 15 hier.

Definition Kindersterblichkeit und Kindersterblichkeitsrate

Die traurige Wahrheit ist, dass für viele Kinder das Leben endet, bevor es richtig begonnen hat.

Viele Babys werden nie krabbeln oder laufen lernen, erste Zähnchen bekommen oder ihren ersten Geburtstag feiern. Als Säuglingssterblichkeit (englisch: infant mortality) bezeichnet man alle Todesfälle von Kindern unter einem Jahr. Nach aktueller Schätzung sterben jährlich vier Millionen Babys vor ihrem ersten Geburtstag.

Die Neugeborenensterblichkeit (neonatal mortality) ist die jährliche Anzahl der Todesfälle von Kindern innerhalb des ersten Lebensmonats, also während der ersten 28 Tage nach der Geburt. 2018 haben 2,5 Millionen Neugeborene diese besonders kritische Phase nicht überlebt.

Während es gute Fortschritte dabei gibt, die Überlebens-Chancen von älteren Kindern zu verbessern, kommt der Kampf für das Überleben von Babys nur langsam voran. Dadurch nimmt unter den Kindern, die viel zu früh ihr Leben verlieren, der Anteil der Babys zu.

Trend: Weltweite Kindersterblichkeit sinkt seit Jahren

Die gute Nachricht ist, wie oben schon angedeutet, dass heute deutlich mehr Kinder überleben als noch vor einigen Jahren. Die Kindersterblichkeit hat sich seit 1990 mehr als halbiert, von 12,5 Millionen Kindern unter fünf (1990) auf 5,3 Millionen Kinder unter fünf (2018). Über 80 Ländern, darunter auch vielen ärmeren Ländern, ist es gelungen, die Kindersterblichkeitsrate in ihrem Land seit 1990 um zwei Drittel zu senken. Dazu gehören zum Beispiel Äthiopien, Eritrea, Malawi, Mosambik, Nepal, Niger, Ruanda, Uganda und Tansania.

Dazu beigetragen haben bessere Gesundheitssysteme, Nahrung, bessere Trinkwasser- und Sanitärversorgung und ebenso einfache wie wirksame vorbeugende Maßnahmen, zum Beispiel Moskitonetze zum Schutz vor Malaria und Impfungen zum Schutz vor gefährlichen Krankheiten wie Polio, Tetanus oder Masern.

Kindersterblichkeit: Welche Länder sind am stärksten betroffen?

Die Überlebens-Chancen von Kindern sind sehr ungleich und hängen stark davon ab, in welcher Weltregion ein Kind geboren wird. Zusammen genommen ereignen sich 80 Prozent aller Todesfälle von Kleinkindern in Subsahara-Afrika und Südasien.

Statistisch gesehen stehen die Überlebens-Chancen für ein Kind in Subsahara-Afrika am schlechtesten. Von 1.000 Kindern, die lebend geboren werden, sterben im weltweiten Durchschnitt 39 Mädchen und Jungen vor ihrem fünften Geburtstag, aber 78 von 1.000 Kindern in Subsahara-Afrika und 41 von 1.000 im südlichen Asien.

Zum Vergleich: In Deutschland sind es vier von 1.000 Kindern.

Alle Länder, die eine Kindersterblichkeitsrate von über 100 haben – wo also durchschnittlich nicht einmal jedes zehnte Kind überlebt – liegen in Subsahara-Afrika. Dazu gehören Guinea, Nigeria, Sierra Leone, Somalia, Tschad und die Zentralafrikanische Republik. Auch Mali und Südsudan liegen nur knapp unter der 100-Marke.

Was sind die häufigsten Todesursachen von Kindern?

Für Babys und Kleinkinder gehören Infektionskrankheiten immer noch zu den häufigsten Todesursachen: Lungenentzündung (15 Prozent), Durchfallerkrankungen (acht Prozent) und Malaria (fünf Prozent) sind zusammen für fast ein Drittel der Todesfälle verantwortlich. Besonders gefährlich sind außerdem Frühgeburten und Komplikationen bei der Geburt, wenn es keine gute medizinische Versorgung gibt.

Mangelernährte Kinder, vor allem schwer akut mangelernährte Kinder, sind besonders gefährdet, weil ihr Körper so geschwächt ist, dass er den Krankheiten nichts entgegen setzen kann. In fast der Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren ist Mangelernährung für den Tod mit verantwortlich.

Bei Kindern zwischen fünf und 14 Jahren spielen Infektionskrankheiten eine geringe Rolle, dafür nehmen Verletzungen und Unfälle – vor allem Verkehrsunfälle oder Ertrinken – als Todesursache zu.

Kinder haben ein Recht auf Überleben

Jedes Kind, überall auf der Welt, hat ein Recht auf Überleben und gesundes Aufwachsen. So steht es in der UN-Kinderrechtskonvention, die in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag feiert.

Mit den sogenannten "Nachhaltigen Entwicklungszielen" (englisch: Sustainable Development Goals, kurz SDGs) hat sich die Weltgemeinschaft ehrgeizige Ziele gesteckt, damit wir zukünftig in einer gerechteren, besseren Welt friedlich zusammen leben. Dazu gehört auch, dass künftig kein Neugeborenes und kein Kind mehr an vermeidbaren Ursachen sterben soll.

Konkret heißt es im Entwicklungsziel Nummer 3.2, dass bis zum Jahr 2030 die Neugeborenensterblichkeit in jedem Land der Erde auf maximal 12 pro 1.000 Lebendgeburten und die Kindersterblichkeit der Unter-Fünfjährigen auf maximal 25 pro 1.000 Lebendgeburten gesenkt werden soll – besser noch natürlich darunter.

Das Kindersterblichkeits-Ziel wurde 2018 bereits in 121 Ländern erreicht und bei rund 20 weiteren sieht es so aus, dass sie es bis 2030 schaffen. Aber wenn der aktuelle Trend anhält, dann muss der Fortschritt in 53 Ländern noch deutlich beschleunigt werden.

Wenn alles so weitergeht wie jetzt, werden zwischen 2019 und 2030 weitere 52 Millionen Kinder unter fünf Jahren ihr Leben verlieren. Deshalb müssen wir jetzt etwas tun!

Was man tun kann gegen Kindersterblichkeit – und für das Überleben

Und was kann man tun, um Kinder zu retten und ihr Überleben zu sichern? Wie erwähnt, es wurde schon viel erreicht. Wir wissen also, was hilft, und können auf den Erfolgen aufbauen.

Eigentlich ist es ganz einfach.

Kinder brauchen einen guten Schutz, von Anfang an – und das heißt schon vor der Geburt. Wenn Mädchen und Frauen vor ungewollten oder zu frühen Schwangerschaften geschützt sind und wenn sie bei einer Schwangerschaft gesund, gut ernährt und von erfahrenen Helferinnen und Helfern betreut sind, sind das die besten Voraussetzungen für ihr späteres Kind.

Gesundheitssysteme müssen so ausgestaltet sein, dass jede Geburt unter sicheren und hygienischen Umständen stattfindet und das nötige Personal, medizinische Ausstattung und Medikamente zur Verfügung stehen.

Jedes Kind sollte selbstverständlich sauberes Trinkwasser, sanitäre Anlagen, ausreichend gesunde Nahrungsmittel sowie umfassenden Impfschutz haben und behandelt werden, wenn es einmal krank ist.

Wir alle können etwas tun, um einen Beitrag zur Senkung der Kindersterblichkeit zu leisten. Wenn es unser Kind, unser Enkel oder das Kind von Freunden oder Nachbarn wäre, würden wir doch auch nicht zögern zu helfen, oder?

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Verwendete Quelle

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