• Die Entwicklung von Impfstoffen hat seit dem 18. Jahrhundert die Medizin revolutioniert.
  • Viele gefährliche Krankheiten wie Pocken, Polio oder Diphtherie konnten zurückgedrängt oder ganz ausgerottet werden.
  • UNICEF setzt sich seit Jahrzehnten mit gezielten Impfkampagnen in Schwellen- und Entwicklungsländern dafür ein, dass Infektionskrankheiten weltweit besiegt werden.

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COVID-19 bestimmt seit mehr als einem Jahr den Alltag der Menschen auf der ganzen Welt. Die rasche Entwicklung der Impfstoffe und die weltweiten Impfprogramme stellen eine baldige Beruhigung der Lage in Aussicht.

Zahlreiche andere hoch ansteckende und gefährliche Infektionskrankheiten, die in Deutschland dank regelmäßiger Impftermine kaum für Schlagzeilen sorgen, bedrohen in anderen Teilen der Welt noch immer die Gesundheit von Millionen Mädchen und Jungen. Acht dieser Krankheiten stellen wir Ihnen hier vor.

1. Tetanus (Wundstarrkrampf)

Tetanus, auch Wundstarrkrampf genannt, ist eine sehr gefährliche und schmerzhafte bakterielle Infektion. Das Tetanus-Bakterium ist weltweit verbreitet und gelangt über verunreinigten Wunden in den Körper und damit in den Blutkreislauf. Bereits ein kleiner Kratzer reicht aus.

Impfung Venezuela
Ein Mädchen wird in Venezuela geimpft.

Einmal infiziert, lösen die Erreger starke Krämpfe und Muskelsteifheit aus. Trotz moderner Intensivmedizin verläuft Tetanus auch heute noch bei vielen tödlich: Rund jeder zehnte Tetanus-Patient stirbt.

Menschen jeden Alters sind anfällig für Tetanus. Bei Neugeborenen und ihren Müttern tritt die Krankheit jedoch besonders häufig auf und kann schwer verlaufen. Sie können sich mit Tetanus anstecken, wenn die Nabelschnur nicht richtig gepflegt oder unhygienisch geschnitten wurde und Erreger über die Nabelwunde in den Körper gelangen.

Die meisten Säuglinge, die an Tetanus erkranken, überleben die Erkrankung nicht – und das sogar bei frühzeitiger Behandlung. Weltweit sterben jährlich mehr als 30.000 Neugeborene an Tetanus.

Tetanus in Deutschland

In Deutschland sind Tetanus-Erkrankungen dank hoher Impfraten extrem selten geworden. Die erste Tetanus-Impfung bekommen Babys in Deutschland laut Empfehlung der STIKO (Ständige Impfkommission) möglichst ab der achten Lebenswoche.

Gegen Tetanus wird in Form einer Mehrfach-Impfung geimpft, das heißt man verabreicht mit einer Impfung unterschiedliche Impfstoffe gegen mehrere Infektionskrankheiten. Es folgen im Laufe des ersten Lebensjahres zwei weitere Tetanus-Impfdosen. Etwa alle zehn Jahre muss die Tetanus-Impfung wieder aufgefrischt werden.

2. Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten ist weltweit eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern und wird per Tröpfcheninfektion übertragen – durch Husten, Niesen oder auch beim Sprechen. Die Krankheit ist hoch ansteckend und kann sich daher schnell in Familien, Kindertagesstätten und Schulen ausbreiten.

Die Keuchhusten-Erreger befallen die Schleimhäute der oberen Atemwege und verursachen starke, krampfartige Hustenanfälle. Das "Keuchen" kommt von dem Geräusch einer infizierten Person, wenn sie versucht, genug Sauerstoff in ihre Lunge zu ziehen.

Untersuchung Keuchhusten
Halyna in der Ukraine sieht zu, wie eine Kinderärztin ihr fünf Monate altes Baby vor einer Keuchhusten-Impfung untersucht.

Besonders gefährlich ist Keuchhusten für Kinder – vor allem für Säuglinge, die noch zu jung sind für ihre erste Impfung und bei denen es am häufigsten zu Komplikationen kommt. Erst bei komplett geimpften Personen entfaltet der Impfstoff seine volle Wirkung. Aber auch wer einmal vollständig geimpft war, kann im Laufe seines Lebens erkranken. Deshalb sind regelmäßige Auffrischungen gegen Keuchhusten unverzichtbar.

Keuchhusten in Deutschland

Keuchhusten kommt bei uns nicht mehr oft vor und gilt daher nicht mehr als klassische Kinderkrankheit. Dennoch bleibt er eine Bedrohung, denn in jedem Jahr werden in Deutschland mehrere Tausend Fälle gemeldet.

Wie Tetanus gehört auch Keuchhusten zu den Krankheiten, gegen die in Deutschland standardmäßig geimpft wird. Die erste Impfdosis erhalten Babys möglichst im Alter von zwei Monaten. Nach insgesamt drei Impfungen ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Im Vorschul- und Jugendalter erhalten Kinder ihre Auffrischimpfungen.

3. Hepatitis B

Die Infektionskrankheit Hepatitis B ist weltweit stark verbreitet. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass mindestens 257 Millionen Menschen weltweit chronisch mit Hepatitis B infiziert sind. Von ihnen wissen aber nur rund zehn Prozent, dass sie überhaupt erkrankt sind. Hunderttausende Hepatitis-B-Infizierte sterben jährlich an den Folgen ihrer Erkrankung.

Mehrfachimpfung
Der zweijährige Gabriel wurde gerade in Venezuela gegen Hepatitis B geimpft.

Hepatitis B wird durch infizierte Körperflüssigkeiten wie Blut oder Speichel übertragen, hauptsächlich auf sexuellem Weg. Wenn sich eine Schwangere mit Hepatitis B infiziert hat, kann sie die Infektion während der Schwangerschaft oder Geburt auf ihr Kind übertragen.

Die Krankheit verläuft oft über Monate und wird in vielen Fällen chronisch: Jedes neunte Kind, das sich mit Hepatitis B ansteckt, entwickelt eine chronische Infektion. Dieser Verlauf ist sehr gefährlich und kann zu Leberzirrhose und Krebs führen. Für zahlreiche Kinder endet die Infektion sogar tödlich.

Hepatitis B in Deutschland

Allein in Deutschland sind schätzungsweise 300.000 bis 650.000 Menschen chronisch mit Hepatitis B infiziert. Zwischen hundert und tausenden Menschen stecken sich jährlich deutschlandweit mit Hepatitis B an.

Daher wird man in Deutschland schon als Säugling standardmäßig gegen Hepatitis B geimpft. Denn gerade bei Säuglingen und Kleinkindern ist das Risiko für eine chronische und schwere Verlaufsform von Hepatitis B besonders hoch.

4. Polio

Poliomyelitis (kurz Polio) ist eine hoch ansteckende akute Infektionskrankheit, die tödlich enden oder aber zu schweren Behinderungen führen kann. Das Polio-Virus breitet sich vorwiegend per Schmierinfektion von Person zu Person aus.

Es kann in das Gehirn und das Rückenmark einer infizierten Person eindringen und führt zu unterschiedlichen Krankheitsverläufen. Typisch sind vor allem die bleibenden Lähmungen, die der Polio-Erreger hervorrufen kann.

Polio in Afghanistan
Mohebullah aus Afghanistan ist 16. Als Kind hatte er sich mit Polio infiziert. Seit er ein Jahr alt ist, ist er schwer gelähmt.

Weltweit ist die Zahl der Fälle um 99 Prozent zurückgegangen, nachdem der Polio-Impfstoff in den 50er Jahren entwickelt worden war. In einigen wenigen Ländern kommt es aber noch immer zu Polio-Infektionen. Insbesondere in Afghanistan und Pakistan ist das hoch ansteckende Polio-Virus nach wie vor aktiv.

In diesen Ländern verbreitete sich das sogenannte Wildvirus zuletzt sogar wieder stärker. Der Grund: Durch die COVID-19-Pandemie konnten manche Impfprogramme nicht mehr fortgesetzt werden, sodass in diesen Ländern die Impfquote nicht so hoch war wie in den Jahren zuvor.

Polio in Deutschland

In Deutschland werden Kinder im Rahmen der 6-fach-Impfung schon als Säuglinge gegen Polio geimpft. Für die Polio-Impfung wird ein Kombinationsimpfstoff verwendet. Säuglinge erhalten ihn erstmals im Alter von acht Wochen, die zweite und dritte Dosis ebenfalls noch im ersten Lebensjahr.

Nach diesen drei Impfdosen haben sie eine vollständige Grundimmunisierung. Im Vorschulalter und als Jugendliche brauchen sie Auffrischimpfungen – danach haben sie einen langanhaltenden Impfschutz, der alle zehn Jahre erneuert werden sollte.

5. Masern

Sie gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten überhaupt. Bei leichteren Verläufen führen Masern zu Ausschlag und grippeähnlichen Symptomen. Schwere Fälle verursachen gefährliche Komplikationen wie etwa Gehirnentzündungen. Diese enden bei manchen Erkrankten tödlich oder lassen eine Lähmung oder geistige Behinderung zurück.

Masernimpfung Kind
Ein Kind wird in Somaliland gegen Masern geimpft. Gerade bei Masern zeichnete sich schon vor der Corona-Pandemie ein Besorgnis erregender Trend ab.

In den letzten Jahren starben wieder mehr Menschen an den Masern als zuvor: Von 2016 bis 2019 gab es einen Anstieg von 50 Prozent. Allein im Jahr 2019 wurden offiziell über 207.500 Masern-Todesopfer weltweit gemeldet.

Sie sind dort besonders verbreitet, wo Impfstoffe schwer zugänglich sind. Das Virus breitet sich rasend schnell aus: Der R-Wert liegt zwischen 12 und 17. Masern sind zudem so ansteckend, dass die Viren noch bis zu zwei Stunden nach Verlassen eines Raumes über die Luft weitergegeben werden können.

Masern in Deutschland

Sie galten in Deutschland schon fast als ausgerottet. Doch in den letzten Jahren erkrankten aufgrund einer zu niedrigen Impfquote jährlich mehrere hundert Menschen an Masern.

Seit dem Frühjahr 2020 gibt es deshalb in Deutschland eine Masern-Impfpflicht. Sie gilt für alle Kinder, die einen Kindergarten oder eine Schule besuchen, sowie für das dort arbeitende Personal.

6. Mumps

Mumps, umgangssprachlich auch Ziegenpeter genannt, ist eine Virusinfektion, die die Speicheldrüsen befällt. Die Viren werden meist per Tröpfcheninfektion übertragen, etwa durch Husten oder Niesen.

Impfen Uganda
Ein Mädchen in Uganda hält stolz seinen Impfausweis hoch, nachdem es gegen Masern, Mumps und Röteln geimpft wurde.

Bei einem Großteil der Kleinkinder verläuft die Mumps-Infektion harmlos und ohne Krankheitsanzeichen – doch auch symptomlos erkrankte Kinder können andere anstecken und so die Infektion übertragen.

Die typischen Symptome bei leichten Verläufen ähneln der Grippe – beispielsweise Fieber, Husten und Kopfschmerzen. Noch bekannter ist Mumps aber dafür, dass die Krankheit durch eine Entzündung der Ohrspeicheldrüsen bei manchen Patienten zu den charakteristischen enorm geschwollenen Wangen führt.

Bei rund jedem zehnten Erkrankten verursacht Mumps eine gefährliche Hirnhautentzündung. Für Jungen, die sich in der Pubertät mit Mumps infizieren, kann die Krankheit außerdem zu einer Hodenentzündung führen, die ihre Fruchtbarkeit einschränken kann. Entzündungen von Brustdrüsen oder Eierstöcken können bei Mädchen und Frauen die Folge einer Infektion sein.

Mumps in Deutschland

Früher waren Mumpsinfektionen in Deutschland durchaus häufig, doch aufgrund der mittlerweile hohen Durchimpfung ist die Erkrankung deutlich seltener geworden: Mehrere Hundert Infektionen wurden zuletzt jährlich in Deutschland gemeldet.

Um sich zu schützen, wird allen Kindern und Jugendlichen in Deutschland eine zweimalige Impfung empfohlen. Sie wird üblicherweise als Kombinationsimpfung durchgeführt, die gleichzeitig auch Impfstoffe gegen Masern, Röteln und oft auch Windpocken enthält.

7. Röteln

Auch Röteln verbreiten sich durch Husten und Niesen. Die Virusinfektion ist bekannt für ihren typischen roten Hautausschlag, der etwa zwei Wochen nach der Ansteckung auftritt und rund drei Tage anhält.

Schwangerschaft Röteln
Röteln sind für ungeborene Babys unglaublich gefährlich. Deshalb ist es wichtig, dass Mädchen und Frauen vollständig geimpft sind, bevor sie schwanger werden.

Für etwa die Hälfte der infizierten Menschen verlaufen die Röteln komplikationsfrei. Extrem gefährlich sind Röteln aber vor allem für Schwangere und ihre ungeborenen Babys. Eine Infektion kann bei einer ungeimpften Schwangeren leicht eine Fehlgeburt auslösen oder zu einer schweren Schädigung des Ungeborenen führen. Mit Röteln infizierte Babys kommen oft blind, gehörlos, geistig behindert, mit einem entzündeten Organ oder einem Herzfehler auf die Welt.

Um niemanden zu gefährden, sollten alle Kinder gegen Röteln geimpft werden. Auch Frauen mit unvollständigem Impfschutz oder unklarem Impfstatus müssen frühzeitig noch einmal geimpft werden – und zwar vor einer Schwangerschaft.

Röten in Deutschland

Deutschland ist eins der vielen Länder, das seit Jahren Röteln-Imfpstoffe in seinem nationalen Impfprogramm verwendet. Die gemeldeten Fälle sind deshalb bei uns – wie auch weltweit – stark zurückgegangen.

Doch noch immer gibt es einzelne Fälle von Röteln-Infektionen, weil manche Schwangere nur unzureichenden Impfschutz haben. Laut Robert Koch-Institut lag die Zahl der jährlichen Infektionen in den letzten Jahren im zweistelligen Bereich.

8. Diphtherie

Diphtherie ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die Rachenschleimhäute und Haut befallen kann. Für viele klingt sie wie eine Krankheit aus alten Zeiten, die längst ausgerottet sein müsste. Doch Diphtherie ist nur in den Regionen tatsächlich verschwunden, wo die Impfquote hoch genug ist. Ohne Impfungen aber würde Diphtherie schnell wieder zurückkehren, auch nach Deutschland.

Mauretanien, Impfungen
Mütter warten mit ihren Kindern in einer Gesundheitsstation in Mauretanien auf Impfungen. Trotz der COVID-19-Pandemie werden die Impfkampagnen von UNICEF fortgesetzt.

Der Erreger der Diphtherie ist ein Bakterium, das per Tröpfcheninfektion übertragen wird. Wenn der Rachen davon befallen ist, bilden sich Beläge, die die Atemwege verschließen und schlimmstenfalls zum Tod durch Ersticken führen. Das Bakterium kann außerdem Organschäden verursachen. Zwischen fünf und zehn Prozent der Diphtherie-Erkrankten sterben auch heute noch an der Infektionskrankheit.

Diphtherie in Deutschland

In westlichen Ländern wie Deutschland kommt es nur noch in Einzelfällen zu Infektionen. Die STIKO empfiehlt in Deutschland allen Babys und Kleinkindern die Grundimmunisierung gegen Diphtherie: Man erreicht sie mit drei Teilimpfungen, die im Rahmen einer 6-fach-Impfung mit anderen Impfstoffen kombiniert werden. Los geht es im Alter von etwa zwei Monaten mit der ersten Impfdosis. (Susanne Nandelstädt / sst)

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Im 18. Jahrhundert haben Ärzte in Europa damit begonnen, die ersten Impfstoffe herzustellen. So kam es dazu. (Foto: iStock: insta_photos)