Wie digital ist Deutschland?

Mehr Smartphones, mehr "Silver Surfer", mehr Online-Konsumenten und jetzt auch der Digitalpakt an Schulen: In Deutschland tut sich viel beim Thema Digitalisierung. Doch wie gut beherrschen wir unsere Online-Aktivitäten wirklich, wo gibt es Defizite? Der aktuelle Digital-Index 2018/ 2019 zeichnet ein sehr facettenreiches Bild...
Die erfreuliche Botschaft vorweg: Der Digitalisierungsgrad in Deutschland ist wie im Vorjahr auch auf einem stabilen Niveau und konnte sich sogar noch weiter steigern. Auf einer Skala von 0 bis 100 befinden sich die Deutschen laut jüngst veröffentlichtem Digital-Index 2018/ 2019 inzwischen bei 55 Punkten. Immer mehr Menschen gehen souverän mit der Digitalisierung um und zeigen mehr Kompetenzen in diesem Bereich, wenden etwa Computeranwendungen routinierter und sicherer an.

Dennoch besteht kein Grund zum Jubeln: Noch immer sind laut der Studie ca. 16 Prozent der 14- bis 69-jährigen Deutschen offline und stehen damit im "digitalen Abseits".

D21-Digital-Index als Lagebericht zur digitalen Gesellschaft

Um einen besseren Überblick über die Entwicklungen und Tendenzen der digitalen Gesellschaft in Deutschland zu bekommen, bietet der Digital-Index seit 2013 einen detaillierten Lagebericht. Immer geht es dabei um die vier Hauptsäulen: Zugang zum Internet, Nutzungsverhalten, digitale Kompetenz und Offenheit gegenüber digitalen Neuerungen bzw. Anwendungen. Zusammengenommen bilden diese vier Säulen – mit unterschiedlicher Gewichtung – den Digital-Index.

Natürlich fließen bei der großangelegten Studie mit 250.000 Befragten über 14-Jährigen in jedem Jahr auch aktuelle gesellschaftspolitische Themen mit ein: Im Rahmen der aktuellen Studie waren das vor allem die Themen Smart Home, E-Health und Digitales Arbeiten. Aber auch das Stadt-Land-Gefälle bei der Digitalisierung findet in der Befragung stets aufs Neue Berücksichtigung.

Internetnutzung nimmt zu

Trotz der eingangs erwähnten, immer noch beträchtlichen Anzahl an Offlinern steht fest: Immer mehr Deutsche sind online – vornehmlich via WLAN zu Hause (84 Prozent). Doch die mobile Internetnutzung steigt deutlich stärker und liegt mit 68 Prozent ganze vier Punkte über Vorjahresniveau. Die größten Wachstumspotenziale gibt es laut Studie bei den Sektoren Online-Shopping und Online-Payment. Diese Aktivitäten erledigen die Deutschen nach wie vor lieber am heimischen Rechner.

50 plus macht mobil

Ein wesentlicher Grund für die verstärkte mobile Internetnutzung ist sicherlich der Vormarsch der mobilen Endgeräte. Neben der Hauptnutzergruppe der Twens, also der 20-29-Jährigen, holen auch die anderen Altersgruppen auf – vor allem die Generation 50 plus legt überdurchschnittlich zu. Aber auch neue Technologien wie 5G sowie der steigende Verbreitungsgrad von Streaming-Diensten für Videos und Messengern wie WhatsApp dürften diese Entwicklung befeuern: So gab jeder fünfte über 65-Jährige an, besagten Messenger-Dienst für den sozialen Austausch zu nutzen.

Berufstätige Männer sind "Power User"

Klingt nach Klischee, ist aber Realität: Berufstätige Männer mittleren Alters mit hohem Bildungsstand und urbanem Wohnort nutzen das mobile Internet am häufigsten. Alter, Geschlecht, Wohnort und Bildungsstand und soziale Lebensverhältnisse bedingen die Intensität der Internetnutzung maßgeblich.

Im Westen mehr Nutzer

Was die regionale Verteilung angeht, so finden sich die meisten Internetnutzer in den alten Bundesländern. Ausnahme sind hier die Berliner, die mit den drei westdeutschen Spitzenreitern Baden-Württemberg, Hamburg und Schleswig-Holstein mithalten können.

Bei der mobilen Internetnutzung hingegen holen die neuen Bundesländer – allen voran Berlin mit 11 Prozentpunkten und Mecklenburg-Vorpommern mit 10 Prozent – gegenüber dem Vorjahr kräftig auf. Damit liegen sie nur noch knapp unter Bundesdurchschnitt.

Mehr digitale Vorreiter – weniger Abseitsstehende

Ein erfreulicher Trend ist die weiter wachsende Gruppe der digitalen Vorreiter. Diese zeichnet sich vor allem durch Offenheit sowie Experimentier- und Nutzungsfreude gegenüber neuen digitalen Innovationen aus.

Die Gruppe der digital Mithaltenden – jener Nutzer, die als konservative Gelegenheitsnutzer und vorsichtige Pragmatiker bezeichnet werden – blieb weitestgehend konstant. Es handelt sich dabei übrigens um die größte Gruppe.

Der Anteil der digital Abseitsstehenden fiel auf 21 Prozent. Digital Abseitsstehende sind laut Studie jene, die der digitalen Entwicklung eher reserviert gegenüberstehen und in puncto Kompetenz am wenigsten Fähigkeiten aufweisen.

Gehypt, aber kaum genutzt

Groß beworben, tatsächlich aber wenig verwendet: Fitnessarmbänder und Smartwatches fristen weiterhin ein Nischendasein. Und auch Sprachassistenten finden bisher kaum Verwendung. Liegt das etwa am allgemein gesteigerten Bewusstsein der Deutschen in puncto Sicherheit und Datenschutz? Diese Antwort bleibt der Digital-Index schuldig.

Smartes Implantat und Smart Home: Warum nicht?

Ein Implantat, das im Notfall ein Medikament freisetzt und so Leben rettet? Ein intelligenter Kühlschrank, der dem Nutzer meldet, welches Lebensmittel zur Neige geht? Im Bereich künstliche Intelligenz im Haushalt ist zumindest die Bereitschaft zur Nutzung relativ hoch. E-Health und Smart Home bergen also durchaus Nutzungspotenzial.

Digitale Kompetenz steigt insgesamt, aber…

Auch wenn immer mehr Deutsche immer besser mit digitalen Anwendungen umgehen können: Viele scheinen bei Kenntnissen von Begriffen aus der digitalen Welt – salopp gesagt – an Selbstüberschätzung zu leiden. Cloud, Smart Meter oder Internet der Dinge ist zwar vielen geläufig, richtig erklären können es aber die wenigsten.
 
Wir haben Ihr Interesse geweckt für den aktuellen Digital-Index? Hier erfahren Sie mehr und können sich die Studie herunterladen.

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