Das Interesse war riesig: Hunderttausende Europäer nahmen an einer EU-weiten Online-Umfrage zur Zeitumstellung teil. In der Nacht zum Freitag ist sie zu Ende gegangen. Was bedeutet das Ergebnis der Abstimmung?

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Die einen freuen sich über lange Sommerabende, andere klagen über den Eingriff in ihren Biorhythmus. Mindestens zweimal im Jahr kocht die Diskussion um die Zeitumstellung in der EU hoch.

Die EU-Kommission hat nun die Europäer gefragt, was sie vom Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit halten. Nach rund sechs Wochen lief die Online-Umfrage in der Nacht zum Freitag aus.

Fragen und Antworten zur EU-Abstimmung über die Zeitumstellung

Die Zeitumstellung ist schon lange umstritten. Zuletzt machte das Europaparlament Druck. Die Abgeordneten forderten die EU-Kommission im Februar dazu auf, Vor- und Nachteile unter die Lupe zu nehmen - und die Regelung gegebenenfalls abzuschaffen.

Auch mehrere EU-Länder äußerten Bedenken. Litauen, Estland und Lettland sprachen sich ebenso für eine Abschaffung aus wie Finnland.

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Warum gab es eine Bürger-Befragung?

Seit Anfang Juli befragt die EU-Kommission Bürger, ob sie künftig ohne Zeitumstellung leben möchten - und wenn ja, ob sie Winter- oder Sommerzeit bevorzugen.

Auf Grundlage der Ergebnisse sowie anderer Studien und Meinungen will die Brüsseler Behörde entscheiden, ob sie einen Vorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung vorlegt.

Wie war das Echo auf die Bürger-Befragung?

Riesig. Allein in den ersten drei Tagen wurden mehr als 500.000 Online-Fragebögen ausgefüllt; zur Hälfte der Laufzeit gab es mehr als eine Million Antworten.

Es wird damit gerechnet, dass sich die Mehrheit der Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung ausspricht - auch weil Anhänger des Status quo meist weniger motiviert sind, sich freiwillig zu beteiligen.

Die EU-Kommission kündigte an, am Freitag nur die Teilnehmerzahl der Umfrage zu veröffentlichen. Das Ergebnis der Abstimmung müsse erst ausgewertet werden, bevor es präsentiert werde.

Haben die EU-Bürger das letzte Wort?

Mitnichten. Die EU-Kommission warnt davor, der Umfrage zu viel Bedeutung beizumessen, oder sie gar als eine Art Referendum zu verstehen. Sie sei nur ein Teil der Bewertung.

Sollte die Behörde unter Berücksichtigung aller Faktoren zu dem Schluss kommen, dass die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte, könnte sie allerdings einen entsprechenden Vorschlag vorlegen.

Dem müssten die EU-Staaten und das Europaparlament dann noch zustimmen.

Sollte die Zeitumstellung in der EU am Ende tatsächlich abgeschafft werden, könnte jedes Land für sich selbst entscheiden, ob es dauerhaft die Sommer- oder Winterzeit haben will.

Was halten die Deutschen von der Zeitumstellung?

Nicht viel. 73 Prozent der Befragten sind einer repräsentativen Studie des Forsa-Instituts dagegen. In der Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit gab rund ein Viertel der Befragten im Frühjahr an, schon einmal gesundheitliche Probleme nach dem Wechsel zwischen Winter- und Sommerzeit gehabt zu haben.

Die Bundesregierung hat sich zu dem Thema bislang nicht eindeutig positioniert.

Wofür plädieren Sie? Soll die Zeitumstellung abgeschafft werden - und wenn ja, welche Zeit soll bleiben? Stimmen Sie ab!

Warum gibt es die Zeitumstellung überhaupt?

Das Tageslicht soll so besser genutzt werden. In Deutschland gab es die Sommerzeit schon mehrfach. Zuletzt wurde sie 1980 wieder eingeführt. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 hatte man die Hoffnung, so Energie sparen zu können.

Ein weiterer Grund war die Anpassung an die Nachbarländer, die diese Regelung schon hatten. Seit 1996 gibt es eine einheitliche EU-weite Regelung.

Seitdem beginnt die Sommerzeit Ende März und hört Ende Oktober auf. In dieser Zeit ist es abends eine Stunde länger hell.

Was sagen Gegner der Zeitumstellung?

Sie argumentieren, dass tatsächlich keine Energie gespart wird. So schalten die Deutschen laut Umweltbundesamt zwar im Sommer wegen der Zeitumstellung abends seltener das Licht an - im Frühjahr und Herbst wird morgens allerdings mehr geheizt.

Mediziner sehen zudem Risiken für die Gesundheit. Empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem Hin und Her haben - samt Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Die EU-Kommission betont jedoch, es lägen noch keine eindeutigen Erkenntnisse "über die Gesamtwirkung auf die Gesundheit" vor.

Kritiker führen auch wirtschaftliche Folgen auf, etwa für Landwirte. Diese Befürchtungen dürften laut EU-Kommission dank neuer Technologie jedoch "weitgehend gegenstandslos geworden sein". (cai/dpa)

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