Für viele gelten sie als Gefahr aus der Finsternis. Vor Milliarden Jahren waren sie aber willkommene Bausteine bei der Entstehung unseres Heimatplaneten. Die Menschheit verdankt Asteroiden vermutlich in der Evolutionsgeschichte ihre heutige Dominanz. Dennoch will man sie jetzt lieber auf Abstand halten und entwickelt mit ersten Erfolgen Abwehrstrategien.

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"Es gibt mehrmals die Woche einen Alarm, dass etwas die Möglichkeit hat, einzuschlagen", sagt der Chef-Koordinator für die Asteroidenabwehr bei der europäischen Raumfahrtbehörde Esa, Richard Moissl, zum Internationalen Asteroidentag am 30. Juni. Aber: "Das Frühwarnsystem ist nicht öffentlich, weil es sehr viele Falschalarmierungen rausgibt." Diese entstünden unter anderem durch Messfehler. Dennoch werden jeder Alarm geprüft.

Asteroiden aus der Dunkelheit und den Weiten des Raumes sind potenzielle Killer für das Leben auf dem blauen Planeten. Sie sind bei der Entstehung unseres Sonnensystems übrig gebliebene Brocken, die noch heute täglich Tonne um Tonne in die Erdatmosphäre rasen und als Sternschnuppen am Nachthimmel verglühen. Ab einigen Metern Größe können sie aber auch immense Schäden anrichten.

Die Bahn eines Asteroiden ist schwer vorhersehbar

Unlängst gab es eine Warnung zum Asteroiden "2023 DW" mit einem Durchmesser von rund 50 Metern mit einer Einschlagswahrscheinlichkeit im Jahr 2046. Am Anfang gibt es laut Moissl, der mit seinem Team in Frascati bei Rom arbeitet, immer große Unsicherheiten, wie sich die Bahn eines solchen Brockens entwickelt. Im Fall von "2023 DW" ein Fehlalarm. "Der wird an einem Valentinstag, am 14. Februar 2046, in knapp 4,3 Millionen Kilometern vorbeifliegen."

Möglicherweise sogar mit bloßem Auge kann man der Esa zufolge an einem Freitag, den 13., den Asteroiden "Apophis" beobachten. Der Brocken mit einem Durchmesser von mehr als 300 Metern wird demnach am 13. April 2029 in weniger als 35.000 Kilometern Entfernung an der Erde vorbeifliegen. Der Mond ist mehr als zehn Mal soweit entfernt.

Einen ähnlichen Umfang dürfte auch ein vermuteter Asteroid über Sibirien gehabt haben. Am 30. Juni 1908 fegt - wahrscheinlich - die Druckwelle einer Asteroidenexplosion Millionen Bäume in Tunguska auf einer Fläche fast so groß wie das Saarland um. Mit Blick auf dieses Ereignis rufen die Vereinten Nationen später den Asteroidentag aus. "Das, was über Tunguska passiert ist, wäre das über bewohntem Gebiet passiert, hätte es wohl viele Opfer gegeben", sagt Moissl.

Bereits kleine Asteroiden können enormen Schaden anrichten

Wie sich schon ein kleinerer Brocken auswirken kann, zeigt ein Ereignis vor zehn Jahren: Im Februar 2013 explodiert ein etwa 20 Meter großer Asteroid über der Millionenstadt Tscheljabinsk. Durch die Druckwelle werden rund 1.500 Menschen verletzt, meist von splitterndem Fensterglas. Tausende Gebäude wurden beschädigt. Zum Vergleich: Der als Dino-Killer bekannte Asteroid vor gut 60 Millionen Jahren hatte einen Durchmesser von etwa zwölf Kilometern.

Dem Asteroidenexperten Detlef Koschny von der Technischen Universität München zufolge kommt es auch immer darauf an, wie sich die Himmelskörper zusammensetzen. Bei einem porösen Asteroiden um die 50 Meter müsse man von einer Druckwelle wie in Tunguska ausgehen. Bei einem Eisenobjekt könne es einen Krater von mehr als einem Kilometer Durchmesser geben, wie in Arizona. "Das stelle ich mir dramatisch vor, da möchte ich nicht in der Nähe sein, auch nicht in 300 bis 400 Kilometern Entfernung."

"Zurzeit sind so ungefähr 1,3 Millionen Asteroiden bekannt", sagt Moissl. Gut 32.000 davon seien sogenannte erdnahe Objekte, von denen über 1.000 wegen einer Einschlagsmöglichkeit auf einer Risikoliste geführt würden. Grund zur Besorgnis besteht Koschny zufolge derzeit aber nicht. Aktuell gebe es keine direkte Bedrohung. "Wir können also beruhigt schlafen gehen."

Koschny zufolge geht man derzeit davon aus, dass zusammengerechnet noch ungefähr eine Erdmasse an solchen Brocken bei der Entstehung des Sonnensystems übriggeblieben ist. "Das war vor 4,5 Milliarden Jahren deutlich schlimmer. Da wäre man nicht ohne Schutz nach draußen gegangen."

Gefahr durch Asteroiden kann durch Sonden abgewendet werden

Beim Schutz sind die Weltraumbehörden im vergangenen Jahr einen deutlichen Schritt vorangekommen. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa schoss die Sonde "Dart" in einen Brocken des Doppel-Asteroiden Dimorphos und veränderte seine Laufbahn. Mit so einem kinetischen Impakt könnten künftig auch Gefahren für die Erde aus dem All abgewendet werden. "'Dart' war extrem wertvoll", sagt Moissl. ""Dart" ist ein historischer Schritt gewesen, weil wir jetzt wissen, wir können das, wir haben die Technologie und die funktioniert auch." 2024 soll nun noch die Esa-Mission "Hera" starten, um dort Daten zu sammeln.

Moissl und Koschny zufolge sind aber weitere Anstrengungen nötig. "Eine ganz wichtige Sache, an der Nasa und Esa auch schon arbeiten, ist ein weltraumbasiertes Teleskop", sagt Koschny. Der Asteroid über Tscheljabinsk kam für die Experten aus dem Nichts. Mit einem solchen Teleskop hätte man ihn möglicherweise entdecken und die Menschen warnen können. Ansonsten sollte man nach Auffassung von Koschny weitere Ablenkungsmanöver mit anderen Technologien üben.

"Asteroiden sind nicht nur die Bösen, die uns bedrohen", sagt Koschny auch. Mit ihnen seien Bausteine für das Leben wie Wasser oder Kohlenstoffketten zur Erde gekommen. Zudem habe der sogenannte Dino-Killer vor gut 60 Millionen Jahren den Säugetieren und so letztendlich in der Evolution auch dem Menschen die Möglichkeit gegeben, sich weiterzuentwickeln. (dpa/tar)

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