Die Todesstrafe hat eine lange Geschichte - auch in Deutschland. Die letzte Hinrichtung auf deutschem Boden gab es 1981 in der DDR. Bis heute steht die Todesstrafe noch als Strafe für "besonders schwere Verbrechen" in der Verfassung des Landes Hessen. Dabei ist sie laut Grundgesetz längst abgeschafft.

Es klingt kurios: Die Todesstrafe ist in Deutschland verboten. Trotzdem steht sie bis heute in der Verfassung des Landes Hessen.

Dort heißt es im Artikel 21, dass "besonders schwere Verbrechen" mit der Todesstrafe geahndet werden können. Was hat es damit auf sich? Könnte man heute in Hessen tatsächlich noch zu einer Hinrichtung verurteilt werden?

Zum Glück nicht: Das regelt der Artikel 102 des deutschen Grundgesetzes, in dem es schlicht heißt: "Die Todesstrafe ist abgeschafft." Das Bundesrecht steht dabei über dem Landesrecht. Außerdem sieht auch das Strafgesetzbuch die Todesstrafe nicht mehr vor.

Wie aber kommt es dann, dass sie noch in der hessischen Verfassung steht? Das liegt daran, dass sie die erste Landesverfassung ist, die 1946 nach dem Krieg verabschiedet worden ist.

Ein Flugzeugabsturz vor 25 Jahren hatte lange, schwerwiegende Folgen.

Zuvor war die Todesstrafe in Deutschland gängig gewesen und war so wieder in die neue Verfassung aufgenommen worden. Dieser Artikel wurde bislang nicht reformiert.

Die Todesstrafe hat eine lange Geschichte

Die Todesstrafe in Deutschland reiht sich in eine lange Tradition ein, denn sie hat sehr alte Geschichte. Ursprünglich geht sie auf das Prinzip der Blutrache zurück, mit dem früher Stammesfehden ausgetragen wurden.

Die Todesstrafe war ein Versuch der Obrigkeit, die Blutrache rechtlich zu regeln, da diese Fehden häufig ausarteten. Zudem war die Todesstrafe ein Symbol: Wer ein Urteil über Leben und Tod sprechen konnte, demonstrierte damit seine Macht.

Der früheste schriftliche Beleg für die Todesstrafe findet sich in der ältesten heute bekannten Rechtssammlung, dem Codex Ur-Nammu.

Er entstand um das Jahr 2100 vor Christi in Mesopotamien. Er sah vor, Kapitalverbrechen wie Mord, Raub, Vergewaltigung und Ehebruch mit dem Tod zu bestrafen.

Im Mittelalter hatten Hinrichtungen den Charakter von Volksfesten

Auch die Griechen und die Römer setzten die Todesstrafe ein. Später im christlichen Mittelalter war sie anfangs nicht sehr verbreitet. Das änderte sich aber ab dem 13. Jahrhundert, als religiöse Motive eine Rolle spielten und Hexen, Heiden und Ketzer verfolgt wurden.

Margot Honecker - böse bis in den Tod. Die mächtigste Frau der DDR.

Auch die Reformation im 16. Jahrhundert und der beginnende Humanismus hatten nur wenig Einfluss auf die Todesstrafe. Im Gegenteil bekamen Hinrichtungen immer mehr den Charakter von Volksfesten und zogen viele Menschen an.

Die Todesstrafe drohte nun auch bei weit geringeren Vergehen wie zum Beispiel Taschendiebstahl.

Zur Zeit der Französischen Revolution nahm die Zahl der Hinrichtungen noch weiter zu. Die Guillotine wurde eingeführt - sie sollte dafür sorgen, die Verurteilten nicht "unnötig" leiden zu lassen. Zuvor waren auch Hinrichtungen mit Methoden wie Vierteilen und Rädern üblich gewesen.

Im Nationalsozialismus wurde die Todesstrafe häufig vollstreckt

Im 19. Jahrhundert sprachen sich dann immer mehr Menschen für die Abschaffung der Todesstrafe aus. Sie wurde immer seltener vollzogen - und wenn, dann oft nicht mehr öffentlich, sondern in Gefängnissen.

In der Weimarer Republik stand sie noch in der Verfassung, wurde aber nur selten umgesetzt. Das änderte sich drastisch im Nationalsozialismus: Vor allem nach gescheiterten Attentaten auf Adolf Hitler im Jahr 1942 wurden Menschen für immer geringere Vergehen zum Tode verurteilt.

Ab dem Jahr 1944 war dies bereits bei einem Verstoß gegen das "gesunde Volksempfinden" möglich. Experten gehen davon aus, dass im Dritten Reich die Todesstrafe an rund 12.000 Menschen vollstreckt worden ist.

Nach Kriegsende bis 1949 wurde die Todesstrafe in Deutschland nur in seltenen Fällen verhängt. Vollzogen wurde sie meist von der alliierten Militärgerichtsbarkeit.

In der Regel ging es dabei um verurteilte Nazis aus dem Dritten Reich. Das Grundgesetz, das 1949 eingeführt wurde, schloss mit dem Artikel 102 die Todesstrafe aus.

In der BRD und der DDR gab es unterschiedliche Regelungen

Der letzte Straftäter wurde auf westdeutschem Boden am 18. Februar 1949 hingerichtet. Es handelte sich dabei um den verurteilten Mörder Richard Schuh.

Der Hamburger Trümmermörder ist bis heute nicht identifiziert.

Allerdings wurden noch im Juni 1951 gegen den Protest der Bundesregierung die letzten deutschen Kriegsverbrecher im amerikanischen Militärgefängnis in Landsberg erhängt. Für West-Berlin galt zudem bis 1990 eine Sonderregelung, die die Todesstrafe erlaubte - sie wurde aber nie verhängt.

Etwas anders war die Situation in der DDR, die ebenfalls 1949 gegründet wurde. Dort führte die Sowjetunion die Todesstrafe im Jahr 1950 wieder ein. Sie galt für Kapitelverbrechen, aber auch für politische Handlungen wie Spionage und Geheimnisverrat.

Ab 1970 wurde die Todesstrafe dort nur noch selten verhängt. Der letzte Zivilist, der auf dem Boden der DDR exekutiert wurde, war am 15. September 1972 der Kindermörder Erwin Hagedorn.

Die letzte Hinrichtung auf deutschem Boden fand 1981 in der DDR statt

Die letzte Hinrichtung in der DDR fand gut zehn Jahre später am 26. Juni 1981 statt. Dabei wurde der Hauptmann Werner Teske (Ministerium für Staatssicherheit) getötet.

Ihm wurde Spionage vorgeworfen. Am 17. Juli 1987 verkündete der Staatsrat der DDR, die Todesstrafe abzuschaffen.

Womöglich hing dies mit einem geplanten Besuch Erich Honeckers bei Helmut Kohl in Bonn zusammen: Honecker wollte wohl zeigen, dass sich die DDR an völkerrechtliche Vereinbarungen hielt, und die internationale Anerkennung der DDR als einem souveränen Staat vorantreiben.

Dieser Zusammenhang gilt unter Historikern aber als umstritten.

Seit Gründung der DDR wurden dort nach heutigem Wissen 231 Todesurteile ausgesprochen, wovon 166 vollstreckt wurden.

Bei fünf weiteren ist unklar, ob die Todesstrafe vollstreckt wurde. Bis heute ist nicht klar, wie viele Hinrichtungen es in der DDR tatsächlich gegeben hat, da diese als Staatsgeheimnis galten.

Womöglich bringen restaurierte Stasi-Akten dazu in Zukunft noch mehr Aufklärung.

1957 kam es in der Atomanlage Windscale, die heute den Namen Sellafield trägt, beinahe zu einer Katastrophe. Nach einem Brand in einem Reaktor gelangten riesige Mengen radioaktiver Stoffe in die Luft, ein Super-GAU wie später in Tschernobyl konnte gerade noch verhindert werden.