Illustrationen gibt es viele. Aber eine reale Abbildung eines schwarzen Loches existiert bislang nicht. Nun starten Forscher einen neuen Versuch.

Mit einem weltumspannenden Netzwerk von Teleskopen wollen Forscher von diesem Dienstag an erstmals ein Bild von einem Schwarzen Loch machen. Das "Event Horizon"-Teleskop-Netzwerk soll bis zum 14. April wiederholt auf zwei Schwarze Löcher gerichtet werden. Teilnehmende Teleskope stehen unter anderem am Südpol, in Chile, Spanien und den USA.

Ein Versuch im vergangenen Jahr war gescheitert, in diesem Jahr sind aber neue leistungsstarke Teleskope mit am Start.

Video zeigt noch nie gesehenes Verhalten des kleinen Räubers.

Ein Ziel ist das rund 26.000 Lichtjahre entfernte, etwa 4,5 Millionen Sonnenmassen schwere Schwarze Loch im Zentrum unserer Galaxie, der Milchstraße. Bei gutem Wetter könnte ein Bild entstehen, das einen schwarzen Kreis mit einem hellen Ring zeigt. Der Ring stellt Gas und Staub dar, die von dem Loch extrem beschleunigt und schließlich verschlungen werden.

Bis das Bild veröffentlicht werden könnte, vergehen allerdings Monate, da die Datenauswertung sehr aufwendig ist.

Bild aus Daten rekonstruieren

Das 30-Meter-Teleskop des Instituts für Radioastronomie im Millimeterbereich (IRAM) in der spanischen Sierra Nevada, einer von der Max-Planck-Gesellschaft mitfinanzierten Einrichtung, nimmt als einzige Station in Europa an der Beobachtungskampagne teil.

Schwarze Löcher haben eine so große und extrem komprimierte Masse, dass selbst Licht ihnen nicht zu entkommen vermag. Sie bleiben darum schwarz und es ist kaum möglich, sie direkt zu beobachten.

Die Forscher zielen auf den sogenannten Ereignishorizont ab, die Grenze um ein Schwarzes Loch, über die hinaus Licht und Materie unausweichlich aufgesaugt werden. In dem Moment, in dem Materie diese Grenze überquert, gibt sie der Theorie zufolge intensive Strahlung ab, die sich registrieren lassen könnte. Aus diesen Daten sollte sich ein Bild rekonstruieren lassen.

Trotzdem schöne Aufnahmen

Mit dem "Event Horizon Telescope" (EHT) werde ein Teleskop simuliert, das dem Umfang der Erde entspreche, hieß es vom beteiligten Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn. "Je größer das Teleskop, desto feinere Details lassen sich beobachten."

Die maximale Winkelauflösung des weltumspannenden Radioteleskops liegt demnach bei 26 Mikro-Bogensekunden. "Das entspricht der Größe eines Golfballs auf dem Mond oder der Breite eines menschlichen Haares, gesehen aus 500 Kilometern Entfernung!"

Selbst wenn es auch diesmal nicht klappen sollte mit einer schönen Aufnahme, können die Forscher weiter hoffen: Vom Jahr 2018 an werde ein weiteres Observatorium in das EHT-Projekt einsteigen, hieß es vom Bonner Max-Planck-Institut: NOEMA, ein Observatorium in den französischen Alpen. "Mit seinen zehn hochempfindlichen Antennen wird NOEMA das leistungsfähigste Teleskop des Verbunds auf der nördlichen Hemisphäre sein."  © dpa