Eine neu entdeckte Spinne ist eine Meisterin der Tarnung. Je nach Körperhaltung kann sie wie ein frisches, grünes Blatt aussehen oder wie ein verwelktes, braunes.

Der slowenische Biologe Matjaž Kuntner hat in den Regenwäldern der chinesischen Provinz Yunnan ein einzigartiges Tier entdeckt. Die bislang unbekannte Spinnenart der Gattung Poltys beherrscht erstaunliche Verwandlungskünste.

Während ihrer Expedition in den Wäldern von Südchina stießen der Wissenschaftler und sein Team auf ein Spinnennetz, in dem eine auffällige Ansammlung von Blättern hing, berichtet der "New Scientist". Verwundert stellten sie fest, "dass eines dieser Blätter gar kein Blatt war", zitiert das Wissenschaftsportal den Forscher.

Bei dem vermeintlichen Pflanzenteil handelte es sich um eine Spinne. Ihr Rücken sieht aus wie ein frisches, grünes Blatt. Zieht sie ihre Beine zusammen, ähnelt ihre Vorderansicht einem verdorrten, braunen Blatt. Sie hat sogar eine auffällige Verlängerung des Hinterleibs, die an einen Blattstiel erinnert. Die meisterhafte Mimese des Tiers nennen die Wissenschaftler um Kuntner "die ultimative Blatt-Imitation".

Im Tierreich gibt es viele Verwandlungskünstler, die sich im Laufe der Evolution immer besser an ihre Umgebung angepasst haben. Spinnen sind jedoch eher weniger für solche Tarnungstricks bekannt. Das macht die Entdeckung der Wissenschaftler so außergewöhnlich.

Besonders ist an der Spinne auch, dass sie sich nicht nur durch ihr Erscheinungsbild vor Feinden schützt. Die Forscher haben auch ein interessantes Verhalten des Tieres beobachtet: Die Spinne hing nicht wie ein einzelnes Blatt in ihrem großen Netz, sondern umgab sich mit echtem Laub.

Kuntner geht davon aus, dass die Spinne Blätter vom Boden einsammelt und sie in ihr Netz trägt, das sie in einer Höhe von 2,5 Metern in den Bäumen erbaut hat. Das Laub dient dem Tier als zusätzlicher Schutz, vermutet der Wissenschaftler.

Die Klassifikation der neu entdeckten Spinne fällt den Biologen schwer, weil sie keine weiteren Exemplare finden konnten. Sie nehmen an, dass es sich um eine äußerst seltene Art handelt.

(ada)