Schiffsmotoren, Radar, Mobilfunk, GPS und Satellitenkameras – kann man in unserem Jahrhundert auf Reisen überhaupt noch verloren gehen wie die Romanfigur Robinson Crusoe? Man kann, wie diese realen Fällen beweisen.

Die Weltmeere sind riesig, und dort braucht es noch immer Glück, Geschick und einen starken Willen, um alleine zu überleben. Sie haben es geschafft.

Die Hai-Fischer aus Mexiko

Die Strömungen vor Mexikos Küste scheinen direkt zu den Marshall-Inseln zu führen, nordöstlich von Australien. 2006 waren dort drei mexikanische Fischer mit ihrem Neun-Meter-Außenborder angelandet, die zehn Monate lang hilflos übers Meer getrieben waren.

2014 folgte der Salvadorianer Jose Salvador Alvarenga: Er war ebenfalls vor Mexikos Westküste zum Hai-Fischen aufgebrochen und in einen Sturm geraten. Ebenfalls ernährte er sich im kleinen Boot von rohem Fisch und Seevögeln, Seeschildkrötenblut und Regenwasser.

Sein Mitfahrer hatte nach rund vier Monaten aufgegeben und starb – Alvarenga selbst erschien 13 Monate nach Abfahrt abgemagert, nackt und nur mit einem Messer am Strand des Ebon-Atolls. So unglaubwürdig schien seine Geschichte, dass er der Hochstapelei und des Kannibalismus bezichtigt wurde.

Doch er bestand einen Lügendetektor-Test, viele Details wurden bestätigt und mehrere Studien belegen, dass Wind und Strömungen im Pazifik die Reise möglich machten.

Der künftige Präsident

Hätte John F. Kennedy im Jahr 1943 keine Kokosnüsse gefunden, wäre die US-amerikanische Geschichte anders verlaufen. Mit 26 Jahren war er war im Zweiten Weltkrieg als Kommandant eines Patrouillenschiffs mit neuester Funk- und Navigationstechnik an der Front gegen Japan unterwegs.

Doch ein einziger Feindestreffer genügte und die Crew fand sich zwischen Trümmern im Meerwasser wieder. Zehn überlebten, schwammen bei Tagesanbruch los und erreichten nach fünf Stunden ein winziges Eiland.

Das hatte aber weder Wasser noch Nahrung zu bieten, so dass die Männer bald wieder zurück ins Meer mussten, zum größeren Olasana Island. Sechs Tage lang stillten sie Hunger und Durst mit den vielen Kokosnüssen dort, bis ein Suchtrupp sie rettete. Heute heißt die kleine Insel "Kennedy Island".

Die verlassene Näherin

Mitten im Eis, auf dem unbewohnten Wrangel Island im Norden Sibiriens, saß vor 95 Jahren eine schüchterne, zierliche Frau fest. Ada Blackjack, eine kanadische Inupiat-Inuit, war 1921 als Köchin und Näherin angeheuert worden, um eine kleine kanadische Expedition auf das abgelegene russische Eiland zu begleiten.

Sie brauchte das Geld für ihren tuberkulosekranken Sohn. Doch durch schlechtes Wetter, Planung und Versorgung war die Gruppe bald kurz vor dem Verhungern. Drei der Männer brachen m Januar 1923 auf, um hunderte Kilometer übers zugefrorene Meer Hilfe zu holen. Sie sind verschollen.

Ada sollte den vierten, Skorbut-kranken Forscher pflegen, der aber im April verstarb. Bis dahin hatte sie das Fangen von Robben, Polarfüchsen und Seevögeln gelernt und überlebte, bis im August Rettung kam.

Schnell kamen Gerüchte auf, sie habe die anderen getötet und verspeist – wofür es aber keine Anzeichen gab. Adas Sohn kam schließlich in Seattle in Tuberkulose-Behandlung.

Die echte "Familie Robinson"

Eine kleine Segelyacht mitten im Meer, hunderte Kilometer vor Galapagos – die Orcas müssen sie für einen Wal gehalten haben. Einige Rammstöße später war die "Lucette" leck geschlagen. Vater, Mutter, drei Kinder von 9 bis 17 Jahren und ein Mitsegler retteten sich gerade noch in die aufblasbare Rettungsinsel.

Achtzehn Monate zuvor, im Januar 1971, waren die Robertsons in England an Bord gegangen, um die Welt zu umsegeln. Jetzt trieben sie abseits der Schifffahrtsstraßen übers Meer. Mit Trinkwasser für zehn Tage, Keksen, Bonbons, Orangen und einem Sack Zwiebeln.

Die Rettungsinsel hatte Löcher, ständig musste sie aufgeblasen werden und lief voll Salzwasser. Bis das Gummi nach 17 Tagen aufgab. Alle stiegen in das trockene, aber noch kleinere Rettungsdinghi um.

Zum Glück wusste die Mutter als Krankenschwester, ihre Gruppe mit Schildkrötenblut und Regenwasser gerade knapp vor dem Verdursten zu retten. Nach 37 Tagen entdeckte ein japanischer Fischtrawler das Boot. In Panama setzten die Robertsons erstmals wieder einen Fuß an Land.

Das Vorbild

Robinson Crusoe hat übrigens ein reales Vorbild: Der Schotte Alexander Selkirk war Segelmeister bei einem Piraten, von dem er sich 1704 lieber aussetzen ließ, als weiter auf dem verrottenden Schiff zu bleiben.

Auf der Insel Aguas Buenas weit vor Chiles Küste musste er allerdings viel länger ausharren als erwartet – erst nach vier Jahren nahm ihn ein vorbeikommender englischer Segler auf. Selkirks Geschichte machte Daniel Defoe zu einem Klassiker der Weltliteratur.

Erst kürzlich entdeckte ein Archäologenteam Spuren des Einsiedlers: Auf der Insel, inzwischen in "Isla Robinsón Crusoe" umgetauft, fanden sie technische Geräte wie einen Navigationszirkel, die tatsächlich Selkirk gehört haben dürften.