Ist Astrologe ein richtiger Beruf? Wie entsteht ein Horoskop?

Für die einen ist es Humbug, für die anderen sogar eine Wissenschaft. Aber können uns Horoskope wirklich die Zukunft vorhersagen? Und ist Astrologe ein richtiger Beruf?

Zunächst einmal die wichtigste Frage: Astrologie oder Astronomie? Immer wieder kommt es zu Verwechslungen. Während die AstroNOMIE Himmelskörper mit naturwissenschaftlichen Methoden beobachtet, deutet die AstroLOGIE die Sterne und zieht daraus Antworten auf Lebensfragen.
Tatsächlich ging die Astrologie aber aus der Astronomie hervor. Große Astrologen der Frühzeit wie Hipparchos (circa 190 bis 125 v. Chr.) oder Claudius Ptolemäus (circa 100 bis 160 n. Chr.), der als der geistige Vater der Horoskope gilt, waren meist auch Astronomen. Und umgekehrt betrieben bekannte Astronomen der Neuzeit wie Nikolaus Kopernikus (Bild) und Johannes Kepler zusätzlich astrologische Studien.
Die Grundidee der Astrologie ist die Annahme, dass es einen Zusammenhang zwischen Bewegungen und Positionen von Himmelskörpern auf der einen und irdischen Ereignissen auf der anderen Seite gibt. Dabei sind Astrologen der Überzeugung, dass zukünftige Ereignisse im Leben von Menschen oder der Menschheit vorhergesagt werden können, wenn man nur die Zusammenhänge (er)kennt.
Frühe Hinweise auf die Astrologie gibt es bereits etwa zu der Zeit um 2.500 v. Chr. in Mesopotamien. Die Sterndeutungen bezogen sich zunächst allerdings auf Fragen wie den besten Zeitpunkt für Rituale oder den idealen Platz für ein Bauvorhaben. Erst in der Blütezeit des griechisch-ägyptischen Alexandria um etwa 500 v. Chr. entstand das Interesse an der Vorhersage von Einzelschicksalen.
Als im Römischen Reich das Christentum zur Staatsreligion erhoben wurde, ging es der Astrologie an den Kragen. Kaiser Justinian drohte Astrologen sogar mit Todesstrafe. Erst im Mittelalter wuchs die Bedeutung der Bestimmung des Schicksals durch Sterndeutung wieder. Bis zum 17. Jahrhundert war die Astrologie dann sogar eine anerkannte Wissenschaft.
Da sich die Astrologie den Kriterien der wissenschaftlichen Rationalität entzog, distanzierten sich Anfang des 18. Jahrhunderts die Aufklärer mehr und mehr davon. Gebildete Kreise erklärten sie für Humbug und "Pseudo-Wissenschaft". Erst in den späten 1960er-Jahren erlebte die Astrologie dank der New-Age-Bewegung eine Renaissance.
Aber wie entstehen eigentlich Horoskope? Kritiker behaupten, sie seien frei erfunden. Das mag vielleicht für das eine oder andere Horoskop in Klatsch-Magazinen auch zutreffen. Doch Astrologen ziehen für die Erstellung eines Horoskop immerhin drei Bausteine zu Rate: die Tierkreiszeichen, die sogenannten "Häuser" und die Planeten.
Der Tierkreis unterteilt die Bahn der Sonne in zwölf Zeitabschnitte, die unseren individuellen Sternzeichen entsprechen. Die Häuser teilen die Ekliptik der Sonne in zwölf Abschnitte und sind relevant für den Zeitpunkt und Ort, für den ein Horoskop berechnet wird - zum Beispiel im Haus der Freundschaft oder im Haus der Ehe. Zu den Planeten der Astrologie zählen - im Gegensatz zur modernen Astronomie - auch Sonne und Mond.
Grundsätzlich ist Astrologe oder Astrologin keine rechtlich geschützte Berufsbezeichnung. Theoretisch darf sich also jeder auch so nennen. Das allein ist aber noch kein Hinweis dafür, dass es sich bei diesem Beruf um Humbug handelt. Auch Berufsbezeichnungen wie Journalist, Fotodesigner, Vermögensberater, Jurist oder Forscher sind nicht geschützt.
Für wie seriös man das alles hält, kann jeder selbst entscheiden. Aber etwa 97 Prozent der Deutschen kennen ihr Sternzeichen und sein oder ihr Horoskop liest immerhin mehr als jede/r Dritte regelmäßig.