Die Sex Pistols, Prinz Charles und Loriot haben etwas gemeinsam: Sie sind Namenspatronen für Tierarten. Wissenschaftler wollen damit ihre Idole ehren. Beim Anblick mancher Tiere scheint die Ehre etwas zweifelhaft, unterhaltsam sind die Benennungen aber immer.

Dem britischen Naturforscher und Tierfilmer David Attenborough wurde eine große Ehre zuteil, eine seltene Schneckenart trägt nun seinen Namen. Das Tier Attenborougharion rubicundus lebt in einem kleinen Regenwaldgebiet der australischen Insel Tasmanien.

Das Australian Museum in Sydney möchte mit dem berühmten Namenspatron die Aufmerksamkeit auf das kleine Tier lenken. "Es gibt kein größeres Kompliment, das ein Museum oder ein Naturwissenschaftler machen kann, als eine Gruppe nach einer Person zu benennen", sagte Attenborough bei einem Besuch des Museums.

In der Vergangenheit waren bereits einige Lebewesen nach Attenborough benannt worden. So trägt beispielsweise ein indonesischer Käfer den Namen Trigonopterus attenboroughi.

Eine Motte namens Trump

Auch Donald Trump (70) hat einen neuen Namensvetter: "Neopalpa donaldtrumpi" nannte der kanadische Insektenforscher Vazrick Nazari seine neu entdeckte Mottenart.

Gelblich-weiße Schuppen auf dem Kopf der Motte erinnerten den Biologen an Trumps Frisur und brachten ihn auf die Idee, die Motte nach dem designierten Präsidenten zu benennen, schreibt Nazari im Fachmagazin "ZooKeys".

Der Forscher entdeckte die neue Art durch einen Vergleich gesammelter Exemplare des Bohart Museums of Entomology in Kalifornien. In "ZooKeys" schreibt der Forscher, dass man "Neopalpa donaldtrumpi" erst für die 1998 erstmals beschriebene Art "Neopalpa neonata" hielt. Mit Hilfe einer DNA-Untersuchung konnte Nazari jedoch eine eigene Mottenart nachweisen, die in Kalifornien und Mexiko zu Hause ist.

Die Diva unter den Bremsen

Die Sängerin Beyoncé wurde 2011 in den Reigen der prominenten Namenspatronen aufgenommen, als der australische Wissenschaftler Bryan Lessard eine interessante Gemeinsamkeit zwischen einer seltenen Pferdebremse und der Künstlerin entdeckte: Die Rückansicht des Insekts habe ihn sofort an Beyoncés wohlgeformten Po erinnert und die dichten, goldenen Haare auf dem Unterleib des Tieres an eines ihrer goldenen Kostüme, sagte der Forscher der Nachrichtenagentur dpa. Außerdem sei das Tier die absolute Diva unter den Pferdebremsen. So war für Beyoncé-Fan Lessard glasklar: Diese Art nenne ich Scaptia (Plinthina) beyonceae.

Reggae-Parasit

Gnathia marleyi nannte der US-Biologe Paul Sikkel einen kleinen Parasiten, den er in der Ostkaribik aufgespürt hatte. Auch wenn das wenig schmeichelhaft erscheint, tat der Forscher das doch aus "Respekt und Bewunderung" für den 1981 verstorbenen Sänger Bob Marley. Der winzige Krebs befällt während der drei Larvenstadien Fische. Im ausgewachsenen Stadium nimmt er wahrscheinlich keine Nahrung mehr auf, sondern zehrt von den in der Jugend angesammelten Reserven.

Spinnen à la Nina Hagen

David Bowie, Nina Hagen, Udo Lindenberg und mehrere andere Prominente hingegen dürfen sich freuen, dass furchteinflößende Riesenkrabbenspinnen nach ihnen benannt sind. Der Frankfurter Spinnenforscher Peter Jäger kreierte 2008 Namen wie Heteropoda ninahagen, Heteropoda davidbowie und Heteropoda udolindenberg. Der Forscher wählte die ausgefallenen Namen, um auf diese Weise Aufmerksamkeit für die gefährdete Artenvielfalt zu erregen.

Auch die Sex Pistols durften schon als Namensgeber herhalten: Seit 1997 kennt die Welt Trilobiten der Gattung Arcticalymene: Sie heißen unter anderem A. cooki, A. jonesi, A. matlocki, A. rotteni und A. viciousi. Trilobiten sind ausgestorbene Gliedertiere, die im Meer wohnten.

Loriots posthume Würdigung

Der Humorist Vicco von Bülow alias Loriot hatte zu Lebzeiten die fiktive Steinlaus (Petrophaga lorioti) ersonnen. Posthum gibt es seit Juli 2012 auch ein reales Tier, das seinen Namen trägt: die Spinne Otacilia loriot. "Sie ist so unauffällig wie das, was Loriot in seinen Sketchen beschrieben hat", sagte Spinnenforscher Jäger der dpa.

Er sei ein großer Bewunderer von Loriot, der immer das Komische im normalen, alltäglichen Leben gesucht habe, wird Jäger in der Mitteilung des Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt zitiert. "Da fand ich es passend, eine Spinne nach ihm zu benennen, die auf den ersten Blick keine Besonderheiten zeigt."

Eine echte Ehre für John Cleese

Der Komiker und Schauspieler John Cleese kann sich darüber freuen, dass ein Lemur 2005 seinen Namen bekam. Die Wissenschaftler Thalmann und Geissmann vom Anthropologischen Institut der Uni Zürich tauften einen Wollmaki auf den Namen Avahi cleesei.

Wollmakis sind eine Gattung innerhalb der Lemuren. In der Wissenschaftszeitschrift "New Scientist" schrieb Cleese, dass er Lemuren vergöttere. Das dürfte nicht nur dahingesagt sein, denn er hat sogar einen Dokumentarfilm über die putzigen Geschöpfe gedreht.

Chaplins Fliege

Campsicnemius charliechaplini ist eine Fliege, die die seltsame Angewohnheit hat, in einer krumbeinigen Haltung zu sterben. Das erinnerte Entdecker Neal Evenhuis an Charlie Chaplins charakteristische Beinhaltung. Chaplins Zeitgenossen "Dick und Doof" (Stan Laurel und Oliver Hardy) gingen ebenfalls nicht leer aus. Sie sind Namensgeber für zwei Zikadenarten (Baeturia laureli und Baeturia hardyi).

Die Exemplare einer bestimmten Art sind auch ohne Kuss royal: Sie heißen Hyloscirtus princecharlesi. Die Umweltorganisation "Amphibian Ark" engagierte sich dafür, dass die seltenen Tiere aus Ecuador im Juli 2012 nach dem britischen Thronfolger benannt werden durften.

So sollte ihm für sein Engagement beim Schutz des tropischen Regenwaldes gedankt werden. Prinz Charles nahm die Ehrung mit reichlich Humor entgegen: "Ich bin sehr gerührt", zitiert ihn die dpa. "Ich habe einen Knoten im Hals, das muss wohl ein Frosch sein." Forscher Luis A. Coloma und Kollegen hatten die Tiere im Jahr 2008 entdeckt.

Käfer mit Titanic-Bezug

Auch nach anderen bekannten Briten sind Tiere benannt, beispielsweise nach Schauspielerin Kate Winslet. 2002 beschrieb Terry Erwin von der Smithsonian Institution in Washington, D.C. in der Fachzeitschrift "Zootaxa" 29 neue Arten der Gattung Agra. Eine darunter nannte der Forscher Agra katewinsletae.

Er will so auf die Gefahr aufmerksam machen, die den Käfern aus Costa Rica durch Abholzung droht. Denn: Im Film "Titanic" sei Winslets Filmcharakter nicht untergegangen. Ob die eleganten Baumkronenbewohner so viel Glück haben werden, sei aber ungewiss, wenn weiterhin derart viel Regenwald in Felder umgewandelt würde.

Eine Wespe namens Garbo

Überhaupt sind Schauspielerinnen gern gesehene Namenspatronen. So auch die Filmlegende Greta Garbo. Seit 1989 heißt eine Wespe nach der Schwedin. Rostropria garbo tauften die Forscher Early und Naumann das Tierchen, wie sie in der Fachzeitschrift "Invertebrate Taxonomy" (heute: "Invertebrate Systematics") schrieben.

Hugh Hefner ist ein Freund von Häschen - nicht nur menschlichen. In der Tat spendete der "Playboy"-Gründer Geld für die Erforschung von Marschkaninchen (Sylvilagus palustris). So kam er zu der Ehre, dass eine Unterart nach ihm benannt wurde, die der US-amerikanische Forscher James Lazell 1980 entdeckt hatte.

Seit 1990 gehört Sylvilagus palustris hefneri offiziell zu den vom Aussterben bedrohten Tieren. Forscher schätzen, dass nur noch zirka 300 Exemplare durch die Florida Keys hoppeln.

Ein Bizeps in der Welt der Käfer

Neben Hefner gibt es weitere Amerikaner, die zu tierischen Ehren kamen. Forscher Terry Erwin nannte zum Beispiel nicht nur einen Käfer nach Kate Winslet. Auch der bekannteste Austro-Amerikaner Arnold Schwarzenegger ist Namenspate.

Der Käfer Agra schwarzeneggeri heißt so, weil Erwin folgende Ähnlichkeiten sah: "Der Familienname des Schauspielers Arnold Schwarzenegger ist eine Anspielung auf das außergewöhnlich entwickelte (bizeps-artige) mittlere Schenkelglied der Männchen dieser Art", schreibt er in der Veröffentlichung in der Fachzeitschrift "Zootaxa".

Spinnenfrau Jolie

Die Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie engagiert sich stark beim Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). Das muss Forscher Jason Bond und Amy Stockman so sehr imponiert haben, dass sie 2007 eine Spinne nach ihr benannten. Sie heißt Aptostichus angelinajolieae.

Vor kurzem ist Nelson Mandela zu einem Vogel gekommen. Die Benennung eines neu entdeckten fossilen Spechts nach dem ehemaligen südafrikanischen Präsidenten solle ein "wissenschaftliches Geschenk zum 94. Geburtstag" sein, zitiert das Senckenberg Forschungsinstitut Mitte Juli 2012 seinen Mitarbeiter Albrecht Manegold.

Australopicus nelsonmandelai ist der älteste Fund eines Spechts in Afrika.

Roosevelt ist beliebt im Tierreich

Auch die amerikanischen Präsidenten werden gerne als Namenspatronen eingespannt. Theodore Roosevelt zum Beispiel hat schon verschiedenen Tierarten seinen Namen geliehen, darunter einem Elch (Cervus canadensis roosevelti), einer Spitzmaus (Crocidura roosevelti) und einer Ameise (Pheidole roosevelti).

Neu dazugekommen ist im März 2011 ein Käfer namens Stenomorpha roosevelti. Die Forscher Aaron Smith, Kelly Miller und Quentin Wheeler benannten den Käfer zu Roosevelts Ehren, pünktlich zum 100. Jahrestag einer Rede des Präsidenten in der Arizona State University, der zwei der Forscher angehören.

Schleimige Bush-Käfer

Roosevelt ist aber nicht der erste US-Präsident, den Quentin Wheeler und Kelly Miller als Namenspatronen für einen Käfer einsetzten. George W. Bush wurde 2005 die zweifelhafte Ehre zuteil, dass einer von dutzenden neu entdeckten Schwammkugelkäfern der Gattung Agathidium nach ihm Agathidium bushi heißt.

Die Käfer der Gattung Agathidium leben auf und von Schleimpilzen. Nicht nur der Ex-Präsident, auch Vize-Präsident Dick Cheney (Agathidium cheneyi) und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld (Agathidium rumsfeldi) durften sich über diese Ehre "freuen".

Augenloser Hitler

Während Wheeler und Miller sich dagegen verwehrten, mit der Käferbenennung die Regierung Bush unterstützen zu wollen, war für den Deutschen Oscar Scheibel seine Widmung im Jahr 1937 ein klares politisches Bekenntnis zum dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte. Der Forscher benannte einen Höhlenkäfer aus Slowenien Anophthalmus hitleri (auf Deutsch: augenloser Hitler), um Adolf Hitler damit zu ehren.

Der Name des Käfers sorgte dafür, dass er vom Aussterben bedroht ist. Denn Sammler zahlen viel Geld für ein Exemplar.

Ein sprechender Hut

Tiere werden aber auch nicht immer nach realen Personen benannt, manchmal dient auch ein bekannter Roman als Vorlage. So wurde beispielsweise im Jahr 2016 eine neuentdeckte Spinnenart im Bundesstaat Karnataka von indischen Forschern nach einer "Harry Potter"-Figur aus den Büchern von Joanne K. Rowling benannt.

Das Exemplar trägt den Namen Eriovixia gryffindori, da die Spinne den Entdecker Javed Ahmed an einen kleinen Hut erinnert hat. Godric Gryffindor ist in der Harry-Potter-Reihe der Besitzer des "Sprechenden Hutes", der für die Einteilung der neuen Zauberschüler in die verschiedenen Häuser der Schule verantwortlich ist. (ah/ff)