Erstmals hat ein irdisches Fluggerät den Zwergplaneten Pluto am äußersten Rand unseres Sonnensystems besucht. Nach mehr als neun Jahren und fünf Milliarden Kilometern bestätigte die Nasa-Sonde "New Horizons" in der Nacht zum Mittwoch den Erfolg der Mission. Doch die Arbeit geht jetzt erst richtig los.

Das "New Horizons"-Team habe Geschichte geschrieben, sagte auch Nasa-Manager John Grunsfeld. "Mit dem erfolgreichen Vorbeiflug am Pluto feiern wir die Krönung einer goldenen Ära der Planetenerforschung." Aber worum geht es bei dem Projekt genau? Fünf Fragen und Antworten:

Wie lief der Vorbeiflug ab?

Die 700 Millionen Dollar teure "New Horizons"-Mission gilt als Meilenstein der Raumfahrtgeschichte. Die etwa klaviergroße und rund 500 Kilogramm schwere Sonde näherte sich dem Pluto auf rund 12.000 Kilometer und untersuchte ihn mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten, während sie mit rund 50.000 Stundenkilometern an dem Zwergplaneten vorbeiraste.

Wie geht die Mission jetzt weiter?

Die Daten, die die Sonde während des Vorbeiflugs gesammelt hat, sollen nun nach und nach an die Erde gefunkt und ausgewertet werden. Ein erstes Zeitfenster stand dafür bereits am Mittwoch an. "Das wird mehrere Stunden dauern und dürfte sehr interessant werden - ein Wasserfall an Daten", sagte Nasa-Manager Alan Stern. Unter anderem erwarten die Wissenschaftler auch viele neue Fotos vom Pluto in bislang unerreichter Auflösung. Insgesamt wird es nach Angaben der Nasa 16 Monate dauern, bis alle von "New Horizons" gesammelten Daten auf der Erde angekommen sind.

Welche Erkenntnisse erhoffen sich die Wissenschaftler?

Die Erforschung des 1930 von dem US-Amerikaner Clyde Tombaugh entdeckten Zwergplaneten sei "wie ein archäologischer Spatenstich in die Geschichte des äußeren Solarsystems", hatte Nasa-Manager Stern schon beim Start der Sonde "New Horizons" gesagt.

Bildergalerie starten

Pluto-Sonde "New Horizons": Der Weg zum Rand des Sonnensystems

Am 19. Januar 2006 startete "New Horizons" in Richtung Pluto. Mehr als neun Jahre war die Nasa-Sonde im All auf dem Weg zum Zwergplaneten am Rande unseres Sonnensystems unterwegs. Die wissenschaftlichen Instrumente sollten der Menschheit Informationen über die Beschaffenheit des Pluto und seines größten Mondes Charon liefern.

Der etwa minus 230 Grad kalte Pluto ist eine Art Eiszwerg, wie sie zu Zigtausenden bei der Entstehung des Sonnensystems übrig geblieben sind und seitdem den sogenannten Kuipergürtel bilden. Diese Region des Sonnensystems ist noch sehr ursprünglich. Die inneren Planeten – dazu zählt auch die Erde – haben sich dagegen im Laufe der Zeit stark verändert. Von der Untersuchung von entlegenen Objekten wie dem Pluto erwarten die Forscher Hinweise auf die Entstehung unseres Planetensystems.

Bislang haben Forscher nur fragmentarisches Wissen über Pluto, das vor allem von Bildern des Hubble-Weltraumteleskops stammt. Der Zwergplanet soll nun erstmals kartographiert werden. An dem Projekt sind auch deutsche Wissenschaftler beteiligt.

Was ist das Besondere an Pluto?

Fast 80 Jahre lang war Pluto offiziell der kleinste Planet des Sonnensystems. Der nach dem griechischen Gott der Unterwelt benannte Winzling, der mit einem Durchmesser von etwa 2.300 Kilometern kleiner als der Erdenmond (3.500 Kilometer) ist, war der neunte und äußerste Planet - von seiner Entdeckung 1930 bis 2006. Dann degradierte ihn die Internationale Astronomische Union (IAU) offiziell zum Zwergplaneten, nachdem in seiner Region einige ähnlich große Objekte entdeckt worden waren.

Welche weiteren Aufgaben hat die Sonde nach dem Pluto-Besuch?

Nach dem Nahvorbeiflug an Pluto soll "New Horizons", die unter anderem zwei US-Münzen und einen kleinen Haufen Asche des 1997 gestorbenen Pluto-Entdeckers Tombaugh an Bord hat, nun noch tiefer in den Kuipergürtel hineinfliegen. Das ist ein breiter Ring aus vielen kleinen Objekten jenseits der Bahn des Planeten Neptun. Wie und wohin die Sonde genau gelangen soll, beraten die Nasa-Wissenschaftler noch. Ihre Plutonium-Batterie kann "New Horizons" theoretisch noch etwa zehn Jahre lang mit Energie versorgen.

(dpa/zusammengestellt von ada)