(dpa/cze) - Sie werden für außergewöhnliche Leistungen vergeben und gehören zu den bedeutendsten Auszeichnungen der Welt - die Nobelpreise.

Monatelang werden in jedem Jahr wissenschaftliche Arbeiten, Berichte und Bücher gewälzt, bevor im Oktober die Laureaten der Nobelpreise verkündet werden. In Stockholm wird den Preisträgern in den Disziplinen Literatur, Medizin, Physik, Chemie und Wirtschaft feierlich die Urkunde, die Medaille und das Preisgeld in Höhe von zehn Millionen Schwedischen Kronen (etwa eine Million Euro) überreicht. Der Friedensnobelpreis hingegen wird in Oslo verliehen.

Die Zeremonien finden traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel statt. Dieser hatte ein Jahr vor seinem Tod 1896 verfügt, dass die Zinsen seines enormen Vermögens jedes Jahr "in Form eines Preises an diejenigen gehen, die im vergangenen Jahr der Menschheit die größten Dienste erwiesen haben". Nobels Testament sah detailliert vor, dass die Preise für Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin und Literatur verliehen werden. Außerdem sollte alljährlich jemand ausgezeichnet werden, der sich besonders für die Verbrüderung der Völker, die Abschaffung oder Reduzierung von Armeen sowie den Frieden eingesetzt hat. Der Nobelpreis für Wirtschaft wurde erst 1968 ins Leben gerufen.

Als er sein Testament verfasste, setzte Alfred Nobel für sein Vermögen keinen Erben ein. Als es im Januar 1897 eröffnet wurde, wurde es deshalb von einigen Mitgliedern der Familie heftig angefochten. Nach mehr als dreijährigem Hin und Her wurde schließlich die Stiftung gegründet und als Erbe eingesetzt, die das Kapital des Nobelpreises verwaltet. 1901 wurde der Nobelpreis schließlich das erste Mal vergeben.

Welche Preise gibt es? Die wichtigsten Informationen finden Sie auf den folgenden Seiten.

Friedensnobelpreis

Unter den Nobelpreisen bekommt der Friedensnobelpreis in der Öffentlichkeit die meiste Aufmerksamkeit. Wegen seiner politischen Bedeutung und Aussage löst er gleichzeitig auch die meisten Kontroversen aus. Das nach seinem Selbstverständnis unabhängige Komitee, das die Preisträger bestimmt, muss seine Wahl nicht rechtfertigen - kann aber im Übrigen den Preis auch im Nachhinein nicht mehr aberkennen - und trifft daher oft politisch unbequeme Entscheidungen.

Unter diesem Aspekt kann beispielsweise - aber beileibe nicht ausschließlich - die Auszeichnung von Aung San Suu Kyi im Jahr 1991 gesehen werden, die in ihrer Heimat Birma seit Jahrzehnten wegen ihres Einsatzes gegen das Militärregime immer wieder unter Hausarrest steht. Wie es um die Situation in Birma auch heute noch bestellt ist, zeigten die erfolglosen Demonstrationen der buddhistischen Mönche im Spätsommer 2007.

Der Friedensnobelpreises nimmt aufgrund seiner gesellschaftlichen Relevanz eine Ausnahmestellung ein, die sich auch an den Umständen seiner Verleihung zeigt. Zwar wird er wie die Preise in den anderen Kategorien am 10. Dezember jeden Jahres vergeben, allerdings nicht in der schwedischen Hauptstadt Stockholm, sondern im norwegischen Oslo. Die Auswahl der Gewinner erfolgt auch nicht durch die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften, sondern durch ein fünfköpfiges Komitee, das vom norwegischen Parlament ernannt wird.

Die Gründe für diese Sonderstellung liegen im Dunkeln. Alfred Nobel verfügte in seinem Testament nämlich die Verlegung der Auszeichnung, äußerte sich aber nie öffentlich zu seinen Motiven. Da Norwegen und Schweden zur damaligen Zeit - Ende des 19. Jahrhunderts - noch eine Union waren und für die Außenpolitik ausschließlich Schweden verantwortlich war, versprach sich Nobel vom norwegischen Parlament eventuell größere Unabhängigkeit.

Der Friedensnobelpreis kann nicht nur an Einzelpersonen vergeben werden, sondern auch an Organisationen. So bekam schon 1904 das belgische Institut für Völkerrecht den Preis, und auch im letzten Jahr teilten sich der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore und der Weltklimarat IPCC den Preis. Bislang wurden vier Deutsche mit dem Preis ausgezeichnet: Gustav Stresemann 1926, Ludwig Quidde 1927, Carl von Ossietzky 1935 und Willy Brandt 1971.

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Literaturnobelpreis

Am Anfang was das Wort, und das Wort war "idealisk". Dieses Kriterium sollte der mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnete Autor erfüllen - so hatte es Alfred Nobel in seinem Testament verfügt. Dumm nur, dass dieses schwedische Wörtchen offensichtlich alles andere als eindeutig ist. Man konnte es nämlich sowohl auf die idealistische Haltung des Autors als auch auf die möglichst ideale Qualität seines Werkes beziehen. Da sich die Juroren in den Anfangsjahren stets auf Ersteres bezogen, wurden viele bedeutende Autoren dieser Zeit wie Tolstoi oder Ibsen nicht ausgezeichnet. Der Literaturnobelpreis hatte seine ersten Kontroversen.

Im Laufe der Zeit hat sich die Palette an Auswahlkriterien deutlich vergrößert, die Kontroversen aber sind geblieben. Dafür sorgen sowohl die künstlerische als auch die idealistische Komponente - ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die beiden Interpretationsmöglichkeiten von "idealisk" erstens nicht ausschließen müssen und zweitens den Preis noch heute begleiten.

So klagte beispielsweise ein Mitglied der federführenden Schwedischen Akademie, dass die Auszeichnung der Österreicherin Elfriede Jelinek, deren Werk von Kritikern häufig als obszön und blasphemisch bezeichnet wird, das Ansehen des Preises für immer beschmutzt habe. Ebenso werden häufig Autoren in erster Linie wegen der politischen Bedeutung gekürt, zuletzt war das bei dem von türkischen Nationalisten angefeindeten Orhan Pamuk der Fall.

Immer wieder ist die Wahl auch eine völlige Überraschung und feuert dann die Diskussion, ob die Jury nun einen renommierten Autoren für sein Werk ehren oder doch einen unbekannten fördern sollte, neu an. Im Grunde ist der Nobelpreis also wie ein gutes Buch - alles andere als vorhersehbar.

Acht deutsche Autoren konnten sich bislang über einen Nobelpreis freuen, die bekanntesten unter ihnen sind Thomas Mann (1929), Heinrich Böll (1972), Günter Grass (1999) und 2010 Herta Müller.

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Nobelpreis für Physik

Von den drei naturwissenschaftlichen Nobelpreisen für Chemie, Medizin und Physik dürfte Letzterer der auch unter Laien bekannteste sein. Schließlich ist Physik als Wissenschaft greifbarer und damit bis zu einem bestimmten Grad nachvollziehbarer als Chemie und Medizin. Daher können die meisten auch nur vage naturwissenschaftlich interessierten Menschen mindestens eine Handvoll Physiker nennen, die die Auszeichnung bekommen haben. Beispiele gefällig?

Gleich bei der ersten Verleihung im Jahr 1901 bekam der Deutsche Wilhelm Conrad Röntgen den Preis für die Entdeckung der noch heute allgegenwärtigen Röntgenstrahlung. Doch nicht nur andere Deutsche wie Max Planck (1918), Werner Heisenberg (1932) oder der Star unter den Wissenschaftlern Albert Einstein (1921) haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 1903 wurde Marie Curie gemeinsam mit ihrem Mann Pierre und Antoine Henri Becquerel wegen ihrer Verdienste um die Entdeckung der Radioaktivität ausgezeichnet. Die Bedeutung, die die Radioaktivität in Zeiten der Diskussion um Atomenergie und Nuklearwaffen hat, sorgt dafür, dass ihr Name noch heute einem größeren Publikum bekannt ist. Hinzu kommt, dass Curie eine von bislang nur zwei Frauen ist (neben Maria Goeppert-Mayer 1963), die diesen Preis bislang bekommen hat.

Die deutschen Preisträger der letzten Jahre, Theodor Hänsch (2005) und Peter Grünberg (2007), haben (noch) nicht den Ruf eines Einstein, dafür sprechen ihre Forschungen für sich. So ermöglichte der von Grünberg und dem Franzosen Albert Fert entdeckte Riesenmagnetwiderstand, der günstige Festplatten mit großem Fassungsvermögen möglich macht. Bei den Verleihungen seit 1901 konnten bislang 22 Mal deutsche Forscher den Preis entgegennehmen.

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Nobelpreis für Chemie

Chemie ist - im Gegensatz zur Physik - eine für den Laien eher obskure Angelegenheit, deren Bedeutung für den Alltag sich nur den Wenigsten erschließt. Daher sind auch die dazugehörigen Prozesse und erst recht die damit in Verbindung stehenden Forscher wenig bekannt.

Den Namen eines Preisträgers dürften Sie dennoch kennen - und sei es, weil Sie ihn auf der Seite zuvor gelesen haben. Nein, Einstein ist es nicht, der musste sich mit einem Physik-Preis begnügen. Vielmehr konnte Marie Curie im Jahr 1911 auch den Chemie-Nobelpreis entgegennehmen, nachdem sie acht Jahre zuvor bereits den für Physik bekommen hatte. Doch damit nicht genug: Auch die Tochter von Marie und ihrem Mann Pierre, Irène, gewann mit ihrem Ehemann Frédéric Joliot-Curie im Jahr 1935 den Preis für Chemie.

Auch die Chemie-Nobelpreise waren bislang eine beinahe reine Männerangelegenheit, neben den beiden Curies konnte sich lediglich noch die Britin Dorothy Mary Hodgkin im Jahr 1964 über eine Ehrung freuen. Dabei kam es häufiger vor, dass Frauen als Preisträgerinnen gehandelt wurden, Männer jedoch den Vorzug erhielten. So war beispielsweise Lise Meitner maßgeblich an der Kernspaltung beteiligt - doch ausgezeichnet wurde 1944 lediglich ihr Kollege Otto Hahn.

Deutsche Forscher konnten bislang 24 Mal die Auszeichnung entgegennehmen. 2007 wurde Gerhard Ertl "für seine Erforschung von chemischen Verfahren auf festen Oberflächen" geehrt. In der Begründung hieß es unter anderem, Ertls Forschung sei wichtig für die chemische Industrie und helfe beim Verständnis so unterschiedlicher Vorgänge wie dem Rosten von Eisen, dem Funktionieren von Brennstoffzellen oder auch der Wirkung eines Katalysators im Auto.

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Nobelpreis für Physiologie oder Medizin

Der letzte der fünf von Alfred Nobel gestifteten Preise ist die Auszeichnung für "die wichtigste Entdeckung auf dem Gebiet der Physiologie oder der Medizin", wie es in dem Testament des Industriellen heißt.

Wie bei allen anderen Preisen wird auch hier immer wieder Kritik laut - denn natürlich wird es immer Forscher geben, die den Preis verdient hätten, aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht berücksichtigt werden. Hier wird oft das Beispiel von Oswald T. Avery genannt, der als Entdecker der DNA gilt. Jahrelang wurden seine Ergebnisse als unzureichend bezeichnet, und als sie endlich akzeptiert wurden und auch das Nobel-Komitee davon überzeugt war, war Avery bereits verstorben.

Frauen haben auch bei den Medizin-Nobelpreisen einen schweren Stand; gerade einmal sieben haben bislang die Auszeichnung erhalten - die drei naturwissenschaftlichen Auszeichnungen spiegeln damit die männliche Übermacht in der Forschung wider. Eine der ausgezeichneten Frauen war die deutsche Biologin Christiane Nüsslein-Volhard für ihre Entdeckungen in Bezug auf die genetische Kontrolle der frühen embryonalen Entwicklung.

Den ersten Medizin-Nobelpreis für Medizin für einen Deutschen gab es gleich im ersten Jahr, als Emil von Behring 1901 "für seine Arbeit zur Serumtherapie und besonders deren Anwendung gegen Diphtherie" ausgezeichnet wurde. 1905 wurde mit Robert Koch der wohl prominenteste Deutsche in dieser Disziplin geehrt, er erhielt den Nobelpreis "für seine Untersuchungen und Entdeckungen zu Tuberkulose".

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Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften

Strenggenommen ist der Nobelpreis für Wirtschaft gar kein Nobelpreis. Er wurde nämlich nicht von Alfred Nobel gestiftet, sondern von der Schwedischen Reichsbank "im Gedenken an Alfred Nobel". Der Preis wurde 1969 zum ersten Mal verliehen.

Davon abgesehen unterscheidet sich das Procedere für die Auszeichnung und Verleihung aber nicht von dem bei den Preisen für Literatur, Physik, Chemie und Medizin, die Preisträger werden also ebenfalls von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften bestimmt. Allerdings übernimmt das Preisgeld in Höhe von zehn Millionen Schwedischen Kronen die Schwedische Reichsbank.

Immer wieder wird kritisiert, dass US-Amerikaner bevorzugt mit dem Preis ausgezeichnet würden - rund zwei Drittel der bisherigen Preisträger kommen aus den Vereinigten Staaten. Einer der bekanntesten dürfte John Nash sein, der den Preis 1994 erhielt und 2001 in dem Hollywood-Film "A Beautiful Mind" von Russell Crowe dargestellt wurde.

Bislang wurde erst ein Deutscher mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet: Reinhard Selten bekam die Auszeichnung im Jahr 1994 (zusammen mit Nash und John C. Harsanyi) für die "grundlegende Analyse des Gleichgewichts in der nicht-kooperativen Spieltheorie". Die Spieltheorie ist ein Teilgebiet der Mathematik, das sich mit Systemen mit mehreren Akteuren beschäftigt, die auf unterschiedliche Weise miteinander interagieren. Auf diese Weise lassen sich beispielsweise ökonomische Konflikte erklären. Die nicht-kooperative Spieltheorie behandelt dabei Situationen, in denen sich keine bindenden Absprachen treffen lassen.

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