Dort, wo der Mississippi sein Wasser in den Golf von Mexiko spült, befindet sich ein lebensfeindliches Gebiet im Meer: Die USA wollen die Ausdehnung dieser "dead zone" begrenzen – bisher ohne Erfolg.

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Ohne Sauerstoff ist Leben kaum möglich. Im Golf von Mexiko, an der Küste der US-Bundesstaaten Louisiana und Texas, ist ein Gebiet im Meer quasi sauerstofffrei: die sogenannte "dead zone", die "Todeszone".

Und diese Zone wird immer größer, wie neue Daten der NOAA zeigen, der US-amerikanischen Behörde für Wetter und Ozeanografie. Aktuell erstrecke sich die Todeszone über eine Fläche von 16.405 Quadratkilometern. Das ist größer als die Fläche Thüringens. Und auch größer als der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre: Im Mittel sei die "dead zone" 13.934 Quadratkilometer groß gewesen.

Auch dieser Wert ist eigentlich zu hoch. Denn die USA haben es sich zum Ziel gesetzt, die Ausdehnung des sauerstofffreien Gebietes bis 2035 auf weniger als 5.000 Quadratkilometer im Fünfjahresdurchschnitt zu begrenzen.

Mississippi löst Entstehen der "Todeszone" aus

Der Durchschnittswert sei deshalb wichtig, weil die Ausbreitung der "Todeszone" stark variiere. Nur eine Betrachtung über mehrere Jahre fange "die wahre dynamische Natur der Zone" ein, hieß es von der NOAA. In diesem Sommer sei das lebensfeindliche Areal beinahe dreimal so groß wie 2020. Und übertreffe auch die Prognosen, die auf Basis der Stickstoff- und Phosphorwerte aus dem Mississippi erstellt worden seien.

Der Mississippi, der längste Fluss der USA, löst das Entstehen der "Todeszone" aus. Hauptverursacher ist jedoch der Mensch. Denn: Überschüssige Nährstoffe aus städtischen und landwirtschaftlichen Gebieten fließen in den Mississippi. Der Fluss spült sie dann weiter in den Golf. Dort wirken sie wie ein Dünger für Algen. Die Algen wachsen übermäßig schnell – ein Phänomen, das als Algenblüte bezeichnet wird. Das ist aber noch nicht das Problem, denn Algen betreiben Fotosynthese und produzieren Sauerstoff. Doch wenn die Algen absterben, sinken sie auf den Grund. Dort werden sie von Bakterien zersetzt – und bei diesem Prozess wird Sauerstoff verbraucht.

Je mehr Algen sterben, desto weniger Sauerstoff steht den übrigen Meereslebewesen zur Verfügung. Lebewesen, die sich frei bewegen können, verlassen das Gebiet. Organismen wie Muscheln, die diese Möglichkeit nicht haben, sterben.

Auch die Klimakrise hat Auswirkungen

Die NOAA ruft deshalb dazu auf, den Abfluss von Düngemitteln und andere Verschmutzungen zu reduzieren. Doch auch die Folgen der Klimakrise müssten berücksichtigt werden, sagte Radhika Fox, die stellvertretende Leiterin der NOAA-Abteilung für Wasser: "In diesem Jahr haben wir wieder und wieder gesehen, welch tiefgreifende Auswirkungen der Klimawandel auf unsere Gemeinden hat – von der historischen Dürre im Westen bis hin zu Überschwemmungen", sagte sie. Das Klima stehe in einem direkten Zusammenhang mit dem Wasser, auch im Golf von Mexiko.  © DER SPIEGEL

Giant's Causeway, Irland
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