244 Megatonnen CO2: Am nördlichen Polarkreis wüten ungewöhnlich heftige Brände, wie Auswertungen von Satellitendaten zeigen. In vielen Fällen hatten offenbar sogenannte Zombie-Feuer die Flammen entfacht.

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Die Wald- und Buschbrände in der Arktis haben laut Klimaexperten schon bis Ende August 2020 mehr Kohlendioxid freigesetzt als im gesamten Vorjahr. Allein die Feuer am Polarkreis bliesen von Januar bis Ende August 244 Megatonnen CO2 in die Atmosphäre.

2019 waren es über das ganze Jahr betrachtet 181 Megatonnen, berichten Forscher des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus. Dabei wüteten schon im vergangenen Jahr ungewöhnlich heftige Feuer.

Die Forscher führen den Anstieg unter anderem auf Waldbrände in Sibirien zurück. In den betroffenen dünn besiedelten Regionen sind bereits Millionen Hektar abgebrannt.

Bisheriger Rekord von 2003 gebrochen

Was die Brände genau ausgelöst hat, bleibt häufig unklar. Die Forscher gehen jedoch davon aus, dass in vielen Fällen sogenannte Zombie-Feuer die Ursache sind. Diese schwelen - oberirdisch unsichtbar - über die Wintermonate im Boden und breiten sich im Sommer erneut aus.

Dass es in den Sommermonaten in der Arktis brennt, ist nicht ungewöhnlich. Die Intensität hat in den vergangenen Jahren jedoch zugenommen. Normalerweise erreichen die Flammen im Juli ihren Höhepunkt, doch gerade in Sibirien wüteten die Flammen in diesem Jahr im August weiter. Den größten Zuwachs an Feueraktivität wurde in der russischen Republik Sacha (Jakutien) verzeichnet.

Allein zwischen Juni und August haben die Feuer im gesamten russischen Föderationskreis Ferner Osten etwa 540 Megatonnen Kohlendioxid freigesetzt. Damit ist der bisherige Rekord von 2003 gebrochen worden. Zum Vergleich: Die jährlichen Emissionen Deutschlands liegen bei etwa 858 Megatonnen.

34 Grad in Sibirien

"Die Waldbrände in der Arktis sind seit Mitte Juni sehr intensiv", sagte Mark Parrington vom Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienst (CAMS). "Sie haben schon den 2019er-Rekord gebrochen, was ihr Ausmaß und ihre Intensität angeht."

In Sibirien hatte ein vergleichsweise milder Winter und Trockenheit im Frühjahr die Ausbreitung der Feuer begünstigt. Dort brennt es schon seit Monaten. Feuerwehren sind im Dauereinsatz. In abgelegenen Regionen wird allerdings nicht gelöscht.

Sibirien verzeichnete in diesem Jahr zudem eine Rekordhitze. Im sibirischen Werchojansk wurden Temperaturen von 34 Grad gemessen, normalerweise herrschen zu dieser Zeit Temperaturen um 12 Grad.

Selbst am Polarkreis wurden nie da gewesene Temperaturen gemessen: Im Ort Chatanga, für den zu dieser Jahreszeit Tagestemperaturen um null Grad normal sind, waren es am 25. Mai außergewöhnliche 25 Grad. Der vorherige Rekord hatte bei 12 Grad gelegen.

Schon lange rechnen Klimaexperten damit, dass die Temperaturen rund um den Polarkreis durch den Klimawandel schneller steigen werden als in anderen Regionen und extreme Wetterlagen wie in diesem Jahr zunehmen werden.

Bald könnte der Beringsee völlig eisfrei sein

Laut einer aktuellen Studie ist das Wintereis der Beringsee zwischen Alaska und Russland zuletzt so stark zurückgegangen wie seit 5.500 Jahren nicht. Bei dem derzeitigen Tempo könnte es bald eine völlig eisfreie Beringsee geben, warnen Forscher im Fachblatt "Science Advances". Das hätte starke Auswirkungen auf das Ökosystem.

Auch weite Teile des Südwestens der USA waren in diesem Jahr erneut von heftigen Feuern betroffen, zeigen die Copernicus-Analysen. Kalifornien verzeichnete die zweit- und drittschlimmsten Brände in der Geschichte des Bundesstaats. Ursache für die Feuer war wahrscheinlich ein Blitzeinschlag.  © DER SPIEGEL

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