Ein See in Mexiko verliert immer mehr Wasserfläche an eine hübsche Zierpflanze, die das Leben unter sich erstickt. Das Problem besteht global, zeigt eine Studie.

Mehr Themen zu Natur & Umwelt finden Sie hier

Mexikos Millionenstadt Puebla hat einiges zu bieten. Wunderschöne Kolonialhäuser und alte Klöster und Kirchen ziehen jedes Jahr viele Touristen in die über 2000 Meter hoch gelegene Stadt im zentralmexikanischen Tal. In der Umgebung ragen mächtige Vulkane und die Berge der Sierra Nevada in den Himmel und im Süden grenzt die Stadt an den Valsequillo-See.

Das Gewässer war einst für seine verzweigten Wasserläufe bekannt. Doch seit einigen Jahren ist es im Würgegriff einer grünen Invasion. Wasserhyazinthen haben weite Teile des Sees überwuchert. Heute bedecken sie die Hälfte der Wasserfläche. Die freischwimmende Pflanze bildet schnell dichte Teppiche, die von Tieren nicht gefressen werden. Ursprünglich stammt die Wasserhyazinthe aus dem Amazonas. Sie wurde wegen ihrer Blütenpracht als Zierpflanze verwendet. Doch inzwischen ist sie als invasive Pflanzenart gefürchtet.

Vor allem die dickstielige Wasserhyazinthe (Eichhornia crassipes) hat sich in vielen Seen stark ausgebreitet und das führt zu Problemen: Sonnenlicht dringt nicht mehr ins Wasser, andere Wasserpflanzen und Fische sterben. Außerdem entziehen die Pflanzenmassen dem Wasser Sauerstoff, in der Folge steigt der Säuregehalt.

Die riesigen Wasserhyazinthen-Teppiche behindern zudem die Schifffahrt und Fischerei. Zusätzlich sinkt in manchen Gewässern die Fließgeschwindigkeit, in der Folge lagert sich mehr Schlamm auf dem Grund ab, es kommt zur Verlandung.

Valsequillo-See am 10. Januar 2000.
Valsequillo-See am 9. Januar 2020.

Auf Bildern ist die Ausbreitung im Valsequillo-See gut zu sehen. Dafür erstellten die Forscher ein sogenanntes Falschfarbenbild: Bestimmte Bilddaten der Landsat-Satelliten der Nasa werden eingefärbt, um sie besser erkennen zu können. Klares Wasser ist gewohnt blau aber die Vegetation rot dargestellt - je heller das Rot, desto robuster die Vegetation. Das erste Bild stammt vom 10. Januar 2000, das zweite vom 9. Januar 2020.

Wasserhyazinthen global auf dem Vormarsch

Mit der globalen Ausbreitung von Wasserhyazinthen hat sich auch eine aktuelle Studie von Forschern der ETH Zürich beschäftigt. Sie zeigt, dass die Invasionen von Wasserhyazinthen in Stauseen in den letzten Jahrzehnten weltweit zugenommen hat - trotz kostspieliger Anstrengungen zur Kontrolle der Pflanzen. Dafür analysierten die Forscher 20 Stauseen in den Tropen und Subtropen und werteten dazu Satellitendaten aus drei Jahrzehnten aus.

"Die Situation hat etwas Ironisches. Wasserhyazinthen wurden wegen ihrer Schönheit hergebracht, können aber schnell zu einem Monster heranwachsen", sagte Scott Winton, einer der Studienautoren. "Man kann sich Stauseen auf der ganzen Welt ansehen und ein ähnliches Muster erkennen." Insbesondere in den letzten zehn Jahren sei die Pflanzenausbreitung noch einmal angestiegen. Eine der stärksten Zunahmen zeigte sich am Valsequillo-See.

Die Forscher glauben, auch einen Grund für das Pflanzenwachstum herausgefunden zu haben. Denn die Ausbreitung der grünen Teppiche ging mit einer Zunahme von urbanen Flächen an den Seeufern einher, zeigten die Satellitendaten. Am Valsequillo-See gab es von 1992 bis 2015 zusätzlich 200 Quadratkilometer neue urbane Fläche. Siedeln mehr Menschen an dem Gewässer, scheinen sich auch die Wasserhyazinthen auszubreiten. Wie kann das sein?

"Die rasche Verstädterung geht oft mit unbehandeltem Abwasser einher, das in die Seen gelangt und Nährstoffe liefert, mit denen die Pflanzen gedeihen können", so Fritz Kleinschroth, Mitautor und Landschaftsökologe an der ETH Zürich. Hinter den Pflanzenmassen steckt also im Grunde das Problem der Wasserverschmutzung.

Bildergalerie starten

Aktuelle Satellitenbilder: Faszinierende Bilder unseres Planeten

Unsere Erde gewährt faszinierende Einblicke aus der Weltraum-Perspektive. Hier finden Sie - ständig aktualisiert - die beeindruckendsten Satellitenbilder.

Wasserhyazinthen entfalten auch reinigende Wirkung

Allerdings führen die Wasserhyazinthen nicht nur zu Problemen, die Pflanzen können auch welche lösen. Ihnen kommt eine wichtige Rolle bei der Reinigung der Gewässer zugute. Bei der Berechnung der Menge an Nährstoffen, die von den Pflanzen in zwölf Reservoirs aufgenommen wurden, stellten die Forscher fest, dass die Pflanzen einen Großteil der überschüssigen Nährstoffe im Wasser aufgenommen hatten. Würde das nicht geschehen, könnte beispielsweise übermäßiges Algenwachstum zum Problem werden.

Die Fähigkeit der Pflanzen lässt sich sogar auf clevere Art und Weise nutzen: Das Abwasser könnte zuerst in kleine Teiche voller Wasserhyazinthen geleitet werden. Dort nehmen die Teppiche viele Nährstoffe auf, bevor das Wasser in den Hauptsee weitergeleitet wird. Untersuchungen haben gezeigt, dass Wasserhyazinthen sogar Giftstoffe aus dem Wasser filtern können. In Bangladesch sollen sie als eine Art natürlicher Chemiefilter wirken und giftiges Arsen aus Trinkwasser ziehen.  © DER SPIEGEL