Ein Eisberg aus der Antarktis driftet gerade auf das britische Überseegebiet Südgeorgien zu. Er ist größer als die Hauptinsel dort – und könnte zum Problem für Robben und Pinguine werden.

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Rund 4.200 Quadratkilometer - das ist eine Fläche fast fünfmal so groß wie Berlin. So groß ist der Eisberg mit dem Namen A68a, der gerade auf das britische Überseeterritorium Südgeorgien zutreibt. Die sehr spärlich bewohnte Inselgruppe liegt im Antarktischen Ozean und wird – wie die Falklandinseln – von Argentinien beansprucht.

Die Hauptinsel, die auch Südgeorgien heißt, bringt es auf 3.756 Quadratkilometer. Sie ist also ein Stück kleiner als das riesige Ding, das da gerade auf sie zuschwimmt.

Aktuell ist der viele Milliarden Tonnen schwere Eisblock noch einige Hundert Kilometer von Südgeorgien entfernt, wie das Bild des europäischen Satelliten "Sentinel 2" vom vergangenen Montag zeigt.

Beim "British Antarctic Survey" (BAS) hält man es für möglich, dass der Eisberg die Inselgruppe tatsächlich trifft. Es sei aber auch denkbar, dass er noch nördlich davon auf dem Weg in wärmere Gewässer vorbeizieht und dort nach und nach zerfällt.

Eisberg könnte zehn Jahre vor der Küste liegen

Der Eisberg ist Teil eines noch größeren Stücks, das Mitte 2017 vom Larsen-C-Eisschelf der Antarktis abgebrochen war. Wind und Wellen im turbulenten Südozean hatten seitdem dafür gesorgt, dass der schmelzende Block in mehrere Teile zerbrach.

A68a ist das größte verbliebene Fragment. Sollte er tatsächlich Südgeorgien erreichen, würde er das Ökosystem dort nachhaltig beeinflussen. "Es besteht die Gefahr, dass dieser Eisberg, wenn er steckenbleibt, zehn Jahre lang dort liegt", warnt BAS-Forscher Geraint Tarling.

Schwierigkeiten könnte das zum Beispiel für die Robben und Pinguine bringen, die es auf der Insel in großen Mengen gibt. Weil sie größere Wege zurücklegen müssen, um ihren Nachwuchs mit Nahrung aus dem Meer zu versorgen, könnten die Jungtiere womöglich bereits verhungert sein, wenn die Eltern zurückkehren.

Aber auch kleinere Lebensformen auf dem Meeresboden könnten massiv davon beeinträchtigt sein, wenn der Eisberg in der Nähe der Inseln auf Grund läuft.

2004 blieb bereits ein Eisberg vor Südgeorgien hängen

Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Eisberg vor Südgeorgien hängen bleibt. Im Jahr 2004 war ein Exemplar namens A38 vor der Inselgruppe auf Grund gelaufen. Forscher hatten damals zahllose tote Pinguinküken und junge Robben an den Stränden gefunden.

Ob es diesmal wieder zu solch einem Szenario kommt, wird von dem Weg abhängen, den A68a in den kommenden Wochen nimmt.

Weil in der Region oft Wolken den Himmel bedecken, können Satelliten wie "Sentinel 2" oft keine guten Bilder des Gebiets machen. Deswegen hat man beim BAS jetzt eine Anfrage bei der Europäischen Union gestartet: Man wünscht sich zusätzliche Aufnahmen von "Sentinel 1".

Das ist ein Radarsatellit, dem Wolken nichts ausmachen. So lassen sich auch Risse im Eisberg identifizieren, die für ein Auseinanderbrechen sorgen könnten.  © DER SPIEGEL

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