Eine winzige Inselgruppe im südlichen Atlantik weckte einst die Neugier eines US-Milliardärs. Inzwischen interessieren sich auch Forscher für das merkwürdige Farbspiel im Meer vor den Jason Islands.

Mehr Themen zu Natur & Umwelt finden Sie hier

Sehr reiche Menschen besitzen oft ein paar ziemlich teure Dinge. Sie kaufen sich Villen, Flugzeuge oder riesige Jachten. Manche haben sogar eine eigene Insel irgendwo dort, wo immer die Sonne scheint und das Meer tiefblau ist.

Michael Steinhardt besitzt sogar zwei Inseln. Der Amerikaner kaufte sie vor vielen Jahren, ohne jemals dort gewesen zu sein. Nur ein paar Fotos lagen auf dem Tisch des Hedge-Fond-Managers – die reichten, um ihn zu überzeugen.

Gigantische Kolonie von brütenden Albatrossen

Grand Jason und Steeple Jason, die beiden Eilande von Steinhardt, liegen mitten im Südatlantik. Sie bieten nicht gerade die karibische Kulisse für Reiche und Schöne auf Entspannungsurlaub.

Nur selten verirrt sich überhaupt ein Mensch auf die zerklüfteten Inseln, die zu den insgesamt sieben Flecken Land der Jason Islands gehören.

Höchstens Wissenschaftler interessieren sich für die Bewohner: Pinguine, Seeelefanten, Seelöwen und viele, viele Vögel. Auf der Insel soll es eine gigantische Kolonie von brütenden Albatrossen geben.

Die Jason Islands liegen im äußersten Nordwesten der Falklandinseln, weit vor der Küste Patagoniens. Ihr spanischer Name lautet Islas Sebaldes.

Diese Region gehört zu den eher ungemütlichen der Erde. Die durchschnittliche Höchsttemperatur klettert selbst in den wärmsten Monaten von Dezember bis Februar selten über 15 Grad Celsius.

Wirbel weisen auf Phytoplankton-Teppiche

Die Inseln sind karg und felsig. Zwar sollen sie bereits Ferdinand Magellan oder Amerigo Vespucci auf ihren Reisen gesichtet haben, aber keiner der beiden hielt sie wohl für so bedeutend, dass er ihnen einen Namen verpasste.

Dass das Wasser um die Inseln so schön aussieht wie in der Karibik, liegt derzeit auch an einem anderen Phänomen: Wirbel aus milchig blauem Wasser weisen auf große Phytoplankton-Teppiche hin, die im Westen der Inseln schwimmen.

Die pflanzenähnlichen Organismen, Algen und Bakterien, wandeln in den oberen Meeresschichten und ziehen ihre Energie ähnlich wie Pflanzen aus der Fotosynthese.

Wenn sich die Winzlinge massenhaft vermehren, sind sie auch aus großen Entfernungen erkennbar. Die Meeresströmung treibt sie umher und erzeugt dynamische Muster in den Ozeanen.

Forscher rätseln über Färbung

Im Oktober, als der Nasa-Erdbeobachtungssatellit "Landsat 8" die Aufnahme machte, rätselten die Forscher, welche Mikroorganismen die Färbung verursachen.

"Die helle Farbe deutet darauf hin, dass es sich möglicherweise um Coccolithophorida handelt. Aber das ist schwer zu sagen", sagte Marina Marrari, eine Ozeanografin von der Costa Rica Fishing Federation und dem argentinischen Servicio de Hidrografía Naval.

Coccolithophorida, zu Deutsch Kalkflagellaten, sind winzige einzellige Algen. Sie kommen in der Region eigentlich erst etwas später im Jahr vor. Aber mit der richtigen Nährstoffkombination sei es auch im Oktober schon möglich, so Marrari.

Milliardär verschenkt Inseln

"Das ist so ein wunderschönes Bild", sagt auch Priscila Lange vom Blue Marble Space Institute of Science in Seattle. Zwar könnten auch Sedimente vom Meeresboden für die weißlichen Farbmuster verantwortlich sein.

Aber es sei ein ziemlich großer Fleck, und in diesem Gebiet sind Coccolithophorida-Blüten häufig. Für das aquatische Leben sind die Algen ein wichtiges Glied in der Nahrungskette. Plankton, Fische und andere Meerestiere ernähren sich davon und sorgen so letztlich für die einzigartige Tierwelt der Region.

Dass das Archipel ein besonders artenreiches Juwel ist, war auch Michael Steinhardt bewusst. Der Milliardär gilt als Menschenfreund und deshalb verschenkte er seine Inseln wieder an die Wildlife Conservation Society, berichtete die "New York Times". Die Stiftung hat sich den Schutz der Insel-Tierwelt zur Aufgabe gemacht. Immerhin hat Steinhardt die Inseln zwischenzeitlich mal besucht.  © DER SPIEGEL

Bildergalerie starten

Aktuelle Satellitenbilder: Faszinierende Bilder unseres Planeten

Unsere Erde gewährt faszinierende Einblicke aus der Weltraum-Perspektive. Hier finden Sie - ständig aktualisiert - die beeindruckendsten Satellitenbilder.
Teaserbild: © NASA Earth Observatory