• Forscher haben während ihrer Arbeit im Äthiopischen Hochland seltsame Steinstreifen entdeckt.
  • Diese sind circa 1.000 Meter lang, 15 Meter breit und zwei Meter tief.
  • Sie deuten darauf hin, dass es sich während der letzten Kaltzeit im Äthiopischen Hochland deutlich mehr abgekühlt hat, als bisher angenommen wurde.

Mehr Themen zu Natur & Umwelt finden Sie hier

Bisherige Simulationen und Rekonstruktionen zeigen, dass sich während der letzten Kaltzeit, die vor etwa 115.000 Jahren begann und bis vor 12.000 Jahren andauerte, die Tropen weniger abgekühlt haben als zum Beispiel die Polarregionen. Wissenschaftler bezweifeln allerdings, dass diese Aussage auch auf tropische Hochgebirge in beispielsweise Ostafrika zutrifft.

Ein Forschungsteam um Alexander Groos, Heinz Veit und Naki Akçar der Universität Bern, das mit der ETH Zürich, der Philipps-Universität Marburg und der Universität Ankara zusammenarbeitet, hat nun das Äthiopische Hochland dahingehend untersucht.

Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Geologen in den Fachzeitschriften "Science Advances" und "Earth Surface Dynamics".

Rätselhafte Steinstreifen überraschen Forscher

Was das mit rätselhaften Steinstreifen zu tun hat? Nun, während ihrer Arbeit auf dem zentralen Sanetti Plateau der Bale Mountains stieß das Team auf die seltsamen Streifen. Sie sind bis zu 1.000 Meter lang, 15 Meter breit, zwei Meter tief und bestehen aus großen Blöcken sowie Basaltsäulen.

Die Steinstreifen aus der Nähe.

"Die Existenz dieser Steinstreifen auf einem tropischen Hochplateau hat uns überrascht", erklärt Groos auf der Seite der Universität Bern. Periglaziale Formen dieser Größe seien bisher nur aus gemäßigten Breiten oder Polarregionen bekannt gewesen.

Die Bodentemperaturen lägen dort um den Gefrierpunkt. Auf dem Sanetti Plateau beträgt die Bodentemperatur derzeit allerdings durchschnittlich etwa 11 Grad.

Die Gesteinsblöcke haben sich sortiert

Die Steinstreifen entstanden vermutlich während der letzten Kaltzeit unter deutlich kühleren Bedingungen. Die Gesteinsblöcke waren demnach zunächst chaotisch verteilt. Durch periodisches Gefrieren und Auftauen des Untergrunds sortierten sie sich und bildeten die langen Streifen.

Überblick über die Steinstreifen.

Das deutet den Forschern zufolge darauf hin, dass sich die Bodentemperatur in der Nähe des Äquators während der letzten Kaltzeit um mindestens 11 Grad abgesenkt hat. Das würde auch eine Absenkung der Lufttemperatur von mindestens 7 Grad voraussetzen.

Zukünftige Untersuchungen anderer tropischer Gebirgsregionen sind nun nötig, damit die Forscher ausschließen können, dass es sich bei dieser beispiellosen Abkühlung nicht um ein regionales Phänomen handelt.

Verwendete Quellen:

  • Universität Bern: Gletscher und rätselhafte Steinstreifen im Äthiopischen Hochland
  • Earth Surface Dynamics: The enigma of relict large sorted stone stripes in the tropical Ethiopian Highlands
Bildergalerie starten

Bunte Berge, brennendes Wasser: Das sind die atemberaubendsten Naturphänomene

Bunte Berge, brennende Wasserfälle und einzigartige Formationen: Auf unserem Planeten gibt es zahlreiche Naturphänomene, die auf den ersten Blick unglaublich scheinen. Hinter fast jedem Phänomen steckt aber eine plausible Erklärung.