Der Sommer scheint nicht in die Gänge zu kommen. Eine Hitzeperiode bleibt aus, stattdessen gibt es vereinzelt heiße Tage, auf die Gewitter folgen. Sie bringen kühle Luft, der Sommer erscheint einigen Menschen daher weniger warm. Das ist nicht ungewöhnlich, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst, im Gegenteil: Mitteleuropa erlebt einen normalen Sommer.

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Sonnenanbeter sind frustriert. Es gibt sie in diesem Jahr zwar, die heißen Sommertage, allerdings dauern diese Phasen nur kurz an. Bereits nach wenigen Tagen entlädt sich die schwüle Luft in Gewittern und mit Blitz und Donner kühlen sich die Temperaturen wieder ab.

Badehose und Bikini müssen dann erst einmal im Schrank bleiben. Der Sommer 2020 erscheint einigen Menschen zwar kühler als normalerweise, doch die extremen Hitzeperioden 2019 und 2018 haben das Bild von Normalität verändert, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst (DWD). "Die Sommer der vergangenen beiden Jahre waren extrem, momentan erleben wir einen normalen Sommer."

Die Vorstellungen eines normalen Sommers verschieben sich

Aufgrund zweier aufeinanderfolgender Hitzesommer verbindet das menschliche Kurzzeitgedächtnis die Monate Juni, Juli und August mit über Wochen stabilen Hochdruckgebieten mit Temperaturen bis zu 40 Grad. Aber solche Wärmeblockaden sind die Ausnahme, sagt Friedrich. Dieses Jahr ist die sommerliche Normalität zu beobachten und dazu gehört, dass Tiefdruckgebiete immer wieder kühle und feuchte Luft nach Deutschland und Mitteleuropa befördern.

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Der Sommer 2020 ist völlig normal – und trotz Abkühlung zu trocken

Trotz regelmäßiger Regentage ist es jedoch zu trocken. Im Norden des Landes sei die Niederschlagsmenge zwar angemessen gewesen, so Friedrich, und im Süden, insbesondere im Chiemgau und Berchtesgadener Land, sogar zu hoch mit bis zu 240 Litern Regenwasser pro Quadratmeter.

Das lag an Unwettern, die sich an den Alpen gestaut und abgeregnet hatten. "Aber das Saarland erlebt den trockensten Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen." Dort fiel nur rund ein Viertel der erforderlichen Niederschlagsmenge, Hessen und die Mitte Deutschlands leiden ebenfalls unter Trockenheit.

Das ist eine Auswirkung der Klimaerwärmung. Seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1881 ist die durchschnittliche Temperatur in Deutschland um drei Grad gestiegen. Und der Juni war verglichen mit den vergangenen vier Jahren zwei Grad wärmer.

Am Wochenende kommt die nächste Abkühlung

Den aktuellen Sommer können Meteorologen nicht mit der Klimaerwärmung erklären. "Die Atmosphäre ist ein chaotisches System, deshalb konnten wir den diesjährigen normalen Sommer auch nicht vorhersagen", sagt Friedrich.

Wie es in den folgenden Wochen weitergeht, weiß auch er nicht. Eine einigermaßen zuverlässige Vorhersage können er und seine Kollegen nur für die folgenden sieben bis zehn Tage treffen und demnach kühlt sich die Luft mit dem ersten Augustwochenende wieder ab.

Für das darauffolgende Wochenende prognostiziert er jedoch bereits wieder sommerliche Temperaturen um 30 Grad. "Das kann aber auch nur wieder eine Episode sein – und langfristig werden normale Sommer wohl zur Seltenheit werden."

Über den Experten: Diplom-Meteorologe Andreas Friedrich arbeitet beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Er ist Experte für Tornados.
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