Die meisten Gletscher haben ein geringeres Volumen, als Forscher bislang angenommen hatten. Das geht aus einer neuen Studie der Technischen Hochschule Zürich hervor. Die neuen Erkenntnisse könnten gravierende Folgen haben.

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Von den neuen Studienergebnissen über das Volumen von Gletschern sei vor allem auch die Süßwasserversorgung betroffen, schreiben die Autoren.

Denn wenn weniger Schmelzwasser vom Berg komme, führten auch Flüsse, die die Landwirtschaft zur Bewässerung brauche, weniger Wasser.

Die Forscher um Daniel Farinotti von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich veröffentlichten die Studie im Fachjournal "Nature Geoscience". Die Daten seien wichtig, um die Entwicklung der durch den Klimawandel schrumpfenden Gletscher besser beurteilen zu können.

Zehn Kilometer lang, vier Kilometer breit und fast so hoch wie das Empire State Building: Unter einem Gletscher in der Antarktis klafft ein riesiges Loch. NASA-Forscher sind alarmiert, denn das Loch wächst schnell und könnte eine Entwicklung mit katastrophalen Folgen ankündigen.

Bis zu 18 Prozent kleiner als angenommen

Die Forscher schätzten das Eisvolumen von 215.000 Gletschern auf 158.000 Kubikkilometer. Das seien 18 Prozent weniger als der Durchschnitt früherer Schätzungen.

Sie berücksichtigten dafür Satellitenbilder, Umrisse von Gletschern, digitale Höhenmodelle sowie Informationen über das Fließverhalten der Gletscher.

Das Meereis und die zusammenhängenden Eisschilde Grönlands und der Antarktis ließen sie außer Acht. Rund die Hälfte der übrigen Gletscher liege in den arktischen Gebieten etwa von Nordamerika und Russland.

Die Gletscher des Himalayas und weiterer Gebirge Hochasiens haben nach den neuen Schätzungen zusammen nur 7.000 Kubikkilometer Eis, ein Viertel weniger als bislang geschätzt.

Damit sei zu befürchten, dass die Gletscherfläche dort schon in den 2060er - und nicht wie bisher angenommen in den 2070er Jahren - um die Hälfte geschrumpft sein werde.

Folgen für die Wasserversorgung

Das habe Konsequenzen für die Wasserversorgung. Die Gletscher Hochasiens speisen große Flüsse wie Indus, Tarim und die Zuflüsse des Aralsees. Davon hängen wiederum Hunderte Millionen Menschen ab.

Das Forscher-Team um Farinotti rechnet damit, "dass die gletscherbedingten Abflussmengen dieser Flüsse in den Sommermonaten der Jahre um 2090 je nach Modell bis zu 24 Prozent geringer ausfallen werden als heute", wie es in einer Erklärung der ETH Zürich heißt.

"Diese Differenz ist beunruhigend. Um den vollen Umfang genauer einschätzen zu können, sollten die regionalen Gletschervolumen besser vermessen werden", sagt Farinotti.

Die Wissenschaftler gehen zudem davon aus, dass die vollständig abgeschmolzenen Landgletschter den weltweiten Meeresspiegel bis zu 30 Zentimeter steigen lassen könnten. (dpa/mwo)

Teaserbild: © Getty Images/iStockphoto