Nein, dieses Jahr gibt es nicht außergewöhnlich viele Vogelnester in Kiefern und Laubbäumen. Was aus der Ferne so aussieht, sind Misteln. Die Pflanze ist auf dem Vormarsch und wird für Bäume im Klimastress zum Problem.

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Bei Asterix und Obelix kommt die Mistel in den Zaubertrank. An Weihnachten küssen sich unter ihr verliebte Paare. Doch für Bäume im Klimastress kann sie zum Problem werden. Denn Misteln befallen zunehmend Kiefern in Bayerns Wäldern, in Berlin ist ein steigender Befall von Laubbäumen dokumentiert.

Was sind Halbschmarotzer?

  • Halbschmarotzer werden auch Hemiparasiten genannt. Sie verfügen über spezielle Saugorgane. Als Halbschmarotzer zieht die Mistel (Viscum album) dem befallenen Baum Wasser und Mineralstoffe ab, die dieser aus der Erde zieht.

Fachleuten in Bayern bereitet die Entwicklung Sorgen, denn die Halbschmarotzer schwächen die von der Klimaerwärmung gestressten Nadelbäume zusätzlich. "In Zeiten, wo es trocken ist, wird es doppelt schwierig für den Baum", sagt Hans-Joachim Klemmt von der bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising.

Fast 40 Prozent der Kiefern in Nordbayern von Misteln befallen

In Nordbayern wollen Fachleute nun untersuchen, wie es befallenen Kiefern geht und ob sich Ausbreitungsmuster bei Misteln erkennen lassen. Kiefern sind hauptsächlich im Norden des Freistaats verbreitet.

"Die Lebensbedingungen für die Misteln werden besser."

Hans-Joachim Klemmt von der LWF

2007 sei erstmals bei der Waldzustandserhebung auch der Befall mit Misteln dokumentiert worden, sagt Klemmt. Damals seien gerade einmal 1,7 Prozent der Probebäume befallen gewesen, mittlerweile seien es fast 40 Prozent. Die Zunahme führt er auf die Erderwärmung zurück. "Die Lebensbedingungen für die Misteln werden besser. Die strengeren Fröste im Winter fallen aus", sagt Klemmt.

Berlin erfasst seit den 1980er-Jahren Mistelbefall von Laubbäumen wie Ahorn, Birke, Linde oder Pappel an ausgewählten Standorten im Südwesten der Stadt. Auch hier verzeichnen Fachleute einen deutlichen Anstieg bei den besiedelten Bäumen.

Bäume büßen wegen Misteln Wasser und Nährstoffe ein

Misteln entziehen dem Wirtsbaum Wasser und Nährstoffe. Vögel naschen nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu) gerne von den weißen Beeren, die so klebrig sind, dass Teile am Schnabel hängen bleiben. Wetzen sie dann ihren Schnabel an einem Baum oder hinterlassen dort ihren Kot, bleiben Mistelsamen an der Rinde kleben.

Hierzulande sind Klemmt zufolge drei Arten heimisch: Kiefernmistel, Tannenmistel und Laubbaummistel.

Obstbaum von Misteln befallen? Dann schnell handeln

Neben Kiefern und Laubbäume befallen Misteln auch Obstbäume. Finden Hobbygärtner die Halbschmarotzer vor, ist schnelles Handeln gefragt.

Der NABU rät, im Frühjahr befallene Obstbäume zu beschneiden. "Äste mit Mistelbefall sollten mindestens 30 bis 50 Zentimeter ins gesunde Holz zurück abgesägt werden", lautet die Empfehlung. Damit könne die Ausbreitung der Pflanze in der Regel gestoppt werden - vorausgesetzt, der Baum ist noch nicht zu stark angegriffen. (dpa/sbi)

Verwendete Quellen

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