Der Superkontinent Pangäa zerfiel, es war warm und die Dinosaurier erlebten eine erste Blütezeit. Das Zeitalter des Jura liegt lange zurück. Eines aber gab es wohl damals schon: bunt schillernde Flatterlinge.

Vorläufer von Schmetterlingen gab es schon vor 200 Millionen Jahren - doch wie sahen sie aus? Wohl schon überraschend bunt, schließen Wissenschaftler aus der Analyse fossiler Arten.

Farben hervorrufende Strukturen auf den Flügelschuppen gab es damals schon - und damit 130 Millionen Jahre früher als bisher nachgewiesen, wie deutsche, chinesische und britische Wissenschaftler im Fachmagazin "Science Advances" berichten. Dies sei der älteste Beleg von Strukturfarben bei Insekten überhaupt.

Die Tiere sind wahre Farbwunder

Die Farben von Tieren kommen auf zwei Arten zustande: durch Pigmente oder durch physikalische Effekte. Das am weitesten verbreitete Pigment im Tierreich ist der Farbstoff Melanin. Blaue und grüne Farbtöne entstehen fast gar nicht durch Farbstoffe, sondern sind fast ausschließlich sogenannte Strukturfarben.

Die Lichtstrahlen brechen oder streuen dabei an winzigen Strukturen, die meist aus Keratin oder Chitin bestehen.

Bei kaum einer Insektengruppe gibt es so eine Vielfalt an Strukturfarben wie bei Schmetterlingen. Sie dienen vielfältigen Zwecken wie der Kommunikation untereinander, der Tarnung oder der Abschreckung von Fressfeinden.

Schuppen auf Flügeln verraten viel

Die Forscher um Bo Wang von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking und Wolfram Mey vom Museum für Naturkunde in Berlin analysierten die Flügelstruktur sechs fossiler Schmetterlinge (Lepidoperta) aus Europa und Asien sowie verwandter Taumelflügler (Tarachoptera) in kleinsten Details. Sie nutzten dazu verschiedene mikroskopische Methoden.

Insbesondere die Untersuchung der Schuppen eines in Kalkstein eingeschlossenen Schmetterlingsflügels aus dem unteren Jura (vor 180 Millionen Jahren) ermöglichte Modellrechnungen, die auf eine mögliche Farbwirkung dieser Insekten schließen lassen. Er stammt aus Grimmen in Vorpommern.

Das Arrangement mit einer Lage parallel angeordneter, großer verschmolzener Deckschuppen und einer Lage kleiner verschmolzener Grundschuppen sowie der ultrastrukturelle Aufbau ähnelte demnach den Flügeln heutiger Urmotten (Micropterigidae) mit ihren metallisch glänzenden, vielfältig bunten Mustern.

Bei einem in Burma in etwa 100 Millionen Jahre (mittlere Kreidezeit) altem Bernstein entdeckten Fossil aus der Ordnung der ausgestorbenen Taumelflügler fanden sich ebenfalls Flügelschuppen, aber mit anderen Eigenschaften: Sie waren sehr klein und nur einlagig auf der Flügeloberfläche angeordnet.

Vergleichbare Schuppen auf den Flügeln, wie sie die Schmetterlinge haben, finden sich heute lediglich bei einigen Köcherfliegen-Arten. Die bei den Fossilien gefundene Verbreitung von Flügelschuppen weise darauf hin, dass dies keine Erfindung der Schmetterlinge sei, schließen die Forscher. Sie entwickelten sich wohl schon lange bevor sich die Schmetterlinge von ihren Stammgruppenvertretern abspalteten.

Zu Beginn des Jura gab es den Superkontinent Pangäa noch, das Klima war warm und die Dinosaurier erlebten in dieser Epoche eine erste Blütezeit.  © dpa