Aus Schoko-Nikolaus wird Schoko-Osterhase: Stehen in den Verkaufsregalen fürs Osterfest wirklich umgepolte Weihnachtsmänner im Regal? Wir sind diesem und anderen Mythen nachgegangen.

Schoko-Weihnachtsmann wird für Ostern "recycelt"

Stimmt nicht: Bei Schoko-Hasen handelt es sich um Neuware. Kleinere Konditoreien schmelzen zwar hin und wieder Altbestände an Schokolade ein, doch das ist die absolute Ausnahme. Alleine schon der Aufwand, die übrig gebliebenen Weihnachtsmänner aus den Regalen der vielen Discounter zu holen und sie aus der Folie zu wickeln, wäre immens.

Einschmelzen ist den Herstellern daher zu teuer. Stattdessen werden nichtverkaufte Weihnachtsmänner und Hasen nach den Festtagen als Sonderangebot verkauft oder die Händler verschenken sie an gemeinnützige Einrichtungen.

Kirche warnt vor Genuss von Ostereiern

Das stimmt: Zwar hat in der katholischen Kirche das Osterei eine lange Tradition, denn schon seit dem zwölften Jahrhundert gibt es dort die Eierweihe (Benedictum Ovorum). Auf die evangelische Konfession trifft das aber nicht zu.

Weil der übermäßige Genuss von Eiern zu gesundheitlichen Problemen führen kann, warnte der Heidelberger Arzt Johannes Richier 1682 in seiner Dissertation vor diesem Osterbrauch. Das hatte Folgen: Bei der evangelischen Kirche war das Thema Ostereier lange verpönt, mit der Zeit weichten aber die konfessionellen Grenzen auf.

Den Osterhasen gibt es überall

Stimmt nicht: Das eierlegende Langohr gibt es zwar schon lange, flächendeckende Exklusivität genießt es jedoch nicht. Der Osterhase ist ab dem 17. Jahrhundert im Elsass, der Pfalz und am Oberrhein bekannt. Aber noch im 19. Jahrhundert war in einigen deutschen Regionen Füchse, Hähne oder Kraniche für die Eier zuständig.

In Thüringen heißt es teilweise noch heute, dass der Storch die Eier bringt. In einigen Schweizer Regionen ist dafür der Kuckuck zuständig. Für Oberbayern gibt es das Osterlamm, in Tirol die Osterhenne. Italien weiß gar nichts vom Osterhasen. In Australien hat sich der Oster-Bilby, der große Kaninchennasenbeutler, seit den 1970er-Jahren durchgesetzt, weil Hasen unbeliebt sind.

Langohren leben auf der Osterinsel

Das stimmt: Zwar gibt es auf der abgeschiedenen Insel keine Hasen, doch lebten dort Menschen, die sich selbst als Langohren bezeichneten. Daneben existierten die Kurzohren, die mit dem verfeindeten Stamm um die Herrschaft auf der Osterinsel kämpften.

Die Herkunft der beiden Stämme ist umstritten, liegt die Insel doch über 3.800 Kilometer vor der chilenischen Küste und ist gut 2.000 Kilometer von der nächsten Insel, Picairn, entfernt. In einigen Quellen heißt es, dass die Langohren von hellhäutigen Südamerikanern abstammten, während die Kurzohren mit dunkelhäutigen Polynesiern verwandt seien.

Ostern hat etwas mit Hexen zu tun

Das stimmt, zumindest in Schweden. Dort gibt es das Påskkärring, das Osterweib, das am Gründonnerstag auf seinem Besen nach Blåkulla fliegt, dem schwedischen Gegenstück zum Brocken. An diesem Tag verkleiden sich die schwedischen Kinder mit langem Kleid, Schürze und Kopftuch als Påskkärring.

Mit Kaffeekessel, Besen und einem Korb für die Beute ziehen Mädchen und Jungen von Haus zu Haus und betteln um Süßigkeiten. Als Belohnung erhalten die Spender selbstgemalte Osterbilder. (cfl)