900 gewaltige Kolosse aus Stein in verschiedenen Stadien der Vollendung stehen auf der abgelegenen Osterinsel im Pazifik mit dem Rücken zum Meer. Entstanden sind die im Schnitt vier Meter hohen Figuren unter riesigem Aufwand und nur mit primitiven Steinwerkzeugen. Aber warum haben die Rapa-Nui-Ureinwohner die Moai erschaffen? Das gehört zu den größten Rätseln der Menschheit.

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Gigantische Steinfiguren bevölkern eine kleine Insel im Pazifik, im Durchschnitt sind die 900 Statuen vier Meter groß. Sie besitzen einen übergroßen Kopf mitsamt Augenhöhlen, Nase, Kinn, Lippen und Ohren.

Die Oberkörper sind viel kleiner, der Rest ist fast gar nicht zu sehen. Dennoch haben die Steinstatuen gewaltige Ausmaße: Sie messen zwischen zwei und 22 Metern und wiegen bis zu 80 Tonnen.

Diese Kolosse heißen Moais und sind auf der Osterinsel im Pazifischen Ozean zu finden. Das abgelegene, knapp 180 Quadratkilometer große Eiland gehört zwar zu Chile, liegt aber in Polynesien - 3.500 Kilometer westlich von Südamerika und 2.000 Kilometer östlich von Pitcairn, der nächsten besiedelten Insel in der Nähe.

Aber wie haben die Rapa Nui, die Ureinwohner der Insel, sie geschaffen, transportiert und aufgestellt? Welchem Zweck dienten sie? Warum stehen die meisten mit dem Rücken zum Meer? Und wann genau sind sie entstanden? Die mysteriösen Figuren gehören zu den größten Rätseln der Menschheit – und zum Unseco-Weltkulturerbe.

Die Hälfte der Steinköpfe ist auf der Insel verteilt

Forscher gehen davon aus, dass einst um die 1.000 Statuen über die Insel wachten. Gefertigt haben die Baumeister sie aus weichem Tuffstein von einem Vulkan.

Dargestellt sind ausschließlich Männer. Die Hälfte von ihnen befindet sich auf einer einzelnen großen Fläche, die anderen sind über die Insel verteilt und stehen jeweils auf kleinen Plattformen. Von einigen Statuen sind nur die Köpfe zu sehen, die Körper sind vergraben.

Runde und eckige Köpfe, Augen aus Korallenkalk

Wie alt die Figuren sind, können Experten nur schätzen. Sie entstanden im Lauf mehrerer Jahrhunderte. Wahrscheinlich wurde die Osterinsel im fünften Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung von den Rapa Nui besiedelt.

Sie lebten dort jahrhundertelang ungestört. Einige Forscher meinen, dass sie schon bald mit der Arbeit an den Figuren begonnen haben. Andere sind sicher, dass die meisten zwischen den Jahren 1.250 und 1.600 unserer Zeitrechnung entstanden sind.

Ihr Aussehen entwickelte sich mit jeder Bauphase weiter: Einige der Moais besitzen Augenhöhlen und runde Köpfe, andere eckige. Manche trugen früher außerdem angedeutete Hüte oder Haare. Archäologen fanden außerdem Augen aus Korallenkalk, mit denen womöglich besonders wichtige Figuren geschmückt wurden.

Wie die Steinkolosse entstanden sein könnten

Weil noch Hunderte unvollendete Figuren in verschiedenen Stadien auf der Insel zu finden sind, können Archäologen den Herstellungsprozess nachvollziehen. Wahrscheinlich nutzten die Handwerker Basalthämmer, um die Figuren aus dem Stein zu meißeln. Es gab eine spezielle, hoch angesehene Kaste von Steinmetzen für diese Arbeit.

Aber wie haben sie die gewaltigen Kolosse anschließend von einem Ort zum anderen gebracht und aufgestellt? Laut der Legenden der Rapa Nui ging das ganz einfach: Die Moai sind in der Nacht aufgestanden und selbständig zu ihrem Bestimmungsort gelaufen.

Wurden die Giganten auf Schienen gerollt oder liefen sie doch?

Wissenschaftler sind mit dieser Erklärung natürlich nicht zufrieden. Sie experimentierten mit diversen Transportmethoden, aber keine konnte bewiesen werden. Die Menschen könnten rollende Baumstämme und Seile benutzt haben, ebenso wie hölzerne Schienen und Schlitten.

Vielleicht sind die Riesenstatuen aber auch tatsächlich "gelaufen": Die Handwerker befestigten Seile und Holzkorsette an ihnen, zogen sie und schaukelten sie gleichzeitig hin und her – so ähnlich, wie man heute einen schweren Kühlschrank verrückt. Der Aufwand für den Transport jeder Figur war gewaltig, mindestens 50 Menschen mussten helfen.

Figuren stehen fast immer mit dem Rücken zum Meer

Aber wozu dienten die riesigen Figuren? Sie gehörten wahrscheinlich zu größeren Arealen, die für Zeremonien genutzt wurden. Wahrscheinlich hatte jedes Dorf auf der Osterinsel einen eigenen Platz dafür. Auf einer Plattform stand je eine Figur, fast immer mit dem Rücken zum Meer.

Unter manchen wurden Überreste von Skeletten gefunden. Die meisten Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Moai bereits verstorbene, verehrte Ahnen oder Häuptlinge darstellten.

Dafür spricht, dass jede Figur einen Namen trug und sich in Details von den anderen unterschied. Die Statuen sollten die Dörfer beschützen, deshalb sind sie ihnen zugewandt.

Die Moai-Baukunst stoppte plötzlich

Doch von einem Tag auf den anderen hörten die Rapa Nui auf, die Kolosse zu bauen, ihre Werkzeuge ließen sie liegen. Ende des 18. Jahrhunderts waren die meisten Moai umgefallen und die Anlagen verfallen.

War ein Erdbeben schuld? Manche Theorien gehen von einem Bürgerkrieg aus, andere glauben, die Einwohner könnten sich nach der Ankunft britischer Seefahrer von ihrem Glauben abgewandt haben - oder dazu gezwungen worden sein.

Kevin Costners Spielfilm "Rapa Nui" von 1994 liefert eine weitere mögliche Erklärung: Vielleicht stritten verschiedene Sippen darum, wer die größeren Statuen baute, und verbrauchten so immer mehr Holz zum Transport - bis keines mehr übrig war. Auf der Insel gibt es seit dem 17. Jahrhundert tatsächlich keine Wälder mehr.

Einer Legende der Ureinwohner zufolge gibt es einen anderen Grund für die umgestürzten Moais: Eine Zauberin hatte eine große Languste gefangen und schenkte sie den Steinmetzen. Sie bat aber darum, ihr ein Stück übrigzulassen.

Die Männer taten das jedoch nicht, worauf die alte Frau sich ärgerte - und die Figuren mit einem Zauberspruch zum Umfallen brachte.

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