In Chinas größter Grabstätte soll der erste Kaiser des Landes seit über 2.000 Jahren begraben liegen. Angeblich schützen ihn Selbstschussanlagen, die berühmten Terrakotta-Soldaten und giftige unterirdische Flüsse vor Eindringlingen. Archäologen wagen es bis heute nicht, die Gruft zu betreten. Welche Geheimnisse verbergen sich wohl in den unerforschten Tiefen dieses Grabes?

Die Bauern in Zentralchina wollten Wasser finden, als sie 1974 begannen, einen Brunnen zu graben. Stattdessen stießen sie auf ungewöhnliche Terrakottascherben, einen mit Ziegelsteinen gepflasterten Boden und eine verbrannte Erdschicht. Zufällig entdeckten sie eine Sensation: die Terrakotta-Armee.

Weitere Grabungen legten die unglaubliche Zahl von 8.000 Kriegern mitsamt ihren Pferden, Kriegswagen und Waffen aus Bronze frei. Ungewöhnlich daran ist, dass keine Statue der anderen gleicht und sie mit bis zu zwei Metern sehr groß sind. Die größte archäologische Entdeckung des 20. Jahrhunderts gilt inoffiziell auch als achtes Weltwunder.

Des Kaisers Terrakotta-Soldaten

Die Armee musste zur Regierungszeit des ersten Chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi hergestellt worden sein, also um 220 vor Christus. Der Fundort passt gut ins Bild: Er liegt nur wenige Hundert Meter vom Grabhügel des Regenten entfernt.

Das Areal des Mausoleums ist riesig, fast so groß wie Manhattan. Zwischen zehn und 30 Jahre wurde daran gebaut. Doch was dort vergraben liegt, ist größtenteils immer noch ein Geheimnis. 183 Gruben wurden bislang entdeckt, aber nur wenige sind freigelegt worden. Und auch die 400 Seitengräber sind kaum erforscht. Aber wie passen die Terrakotta-Armee und die Grabstätte zusammen?

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Rätselhafte Fundstücke

Wahrscheinlich sollten die bewaffneten Männer aus Ton den Herrscher auch nach seinem Tod vor Angriffen schützen. Aber das war noch nicht alles. Denn wahrscheinlich sollte die gewaltige Grabanlage das Reich des Kaisers zu seinen Lebzeiten wieder spiegeln.

Deshalb wurde das Alltagsleben am Hof nachgestellt: Bei Ausgrabungen wurden Bronzevögel und Tonfiguren entdeckt, die Musikern und Artisten ähneln. Männer mit dicken Bäuchen stellten Beamte dar, weitere Tonpferde den Fuhrpark.

Der Kaiser wollte damit seine Macht und seinen Reichtum für das Jenseits konservieren. Der Herrscher war ein Tyrann, der im Alter von 13 Jahren den Thron bestieg. Schon damals soll er mit dem Bau des Mausoleums begonnen haben, denn er war von der Angst vor dem Tod besessen. Angeblich schickte er einmal 3.000 Kinder los, um die Insel der Unsterblichen zu finden, aber keiner der Jungen und Mädchen kehrte zurück.

Qin Shihuangdi zwang die Menschen zu Fronarbeit, ließ unzählige Straßen bauen und trieb die Errichtung der Chinesischen Mauer bis auf eine Länge von 4.100 Kilometern voran. Millionen seiner Untertanen sollen unter seiner Gewaltherrschaft gestorben sein.

Das Mausoleum von Innen

Aber was verbirgt sich nun genau in seinem Grab? Obwohl Archäologen noch nicht ganz bis zum 63 Meter in der Tiefe liegenden Kaisergrab vorgedrungen sind, wissen sie, dass am Ende eine hohe Halle wartet. Dass der Quecksilbergehalt in der Kaisergruft ungewöhnlich hoch ist, haben sie ebenfalls bewiesen. Und das ist mysteriös.

Erwähnt wurde der giftige Stoff bereits in den Chroniken des ersten chinesischen Geschichtsschreibers aus dem Jahr 100 vor Christus. Sima Qian beschrieb darin das Innere des Mausoleums. Von den Terrakotta-Kriegern war zwar keine Rede, vom Quecksilber aber schon: "Der Gelbe Fluss und die Ozeane sind aus Quecksilber nachgebildet und ein spezieller Mechanismus lässt das chemische Element umherfließen."

Diese Mythen ranken sich um die Cheops-Pyramide in Ägypten.

Ewig lebendig und Alleinherrscher

Wozu sollte das Quecksilber dienen? Den Überlieferungen nach hatte Qin Shihuangdi nach mindestens zwei Attentaten noch mehr Angst vor dem Tod. Mehrere Heiler rieten ihm dazu, Quecksilber einzunehmen, um unsterblich zu werden. Dass das chemische Element giftig ist, wusste man damals noch nicht.

Anderen Theorien zufolge sollte das Quecksilber mögliche Grabräuber töten. Dafür spricht, dass es in den Gewölben den Legenden zufolge auch Selbstschussanlagen und tödliche Fallen geben soll. Angeblich wurden die Handwerker angewiesen, diese zu bauen. Es gab genügend Gründe, das Grab zu schützen: Der Geschichtsschreiber erwähnte auch Edelsteine, Gold und seltene Kunstgegenstände, die im Inneren der Gruft begraben liegen sollen.

Der Kaiser soll außerdem angeordnet haben, alle 700.000 Menschen, die am Bau des Mausoleums beteiligt waren, lebendig zu begraben. Auch sämtliche Konkubinen, die dem Kaiser keine Kinder geboren hatten, wurden angeblich für immer in der Grabstätte eingeschlossen. So bestand die Chance, ihn im Jenseits doch noch mit Nachwuchs zu beschenken.

Wird das Rätsel bald gelüftet?

Seit vielen Jahren rätseln Wissenschaftler, was im Innern des Grabhügels wirklich zu finden ist. In den Chroniken von Sima Qian ist die Haupthalle so beschrieben: "Die Konstellationen des Himmels schmücken die Decke, eine Darstellung des Landes den Boden." Außerdem sollten "mit Tran gefüllte Lampen" besonders lange für "Helligkeit im Dunkeln" sorgen.

Bislang haben die Archäologen weder Fallen noch Selbstschussanlagen oder Hinweise auf die vielen Toten gefunden. Und ob im Inneren noch Schätze zu finden sind, ist fraglich. Es ist gut möglich, dass Grabräuber die Gruft bereits vor langer Zeit geplündert haben.

Das Geheimnis des Grabes wird wohl in absehbarer Zukunft nicht gelüftet werden. Denn die Wissenschaftler befürchten, dass sie mögliche Funde nicht ausreichend vor Luft und Sonnenlicht schützen können – und sie für immer zerstört werden würden. Und dann sind da schließlich noch der gefährliche Fluss aus Quecksilber und vielleicht doch Selbstschussanlagen und andere tödliche Fallen.