Der Gedanke, einen versunkenen Schatz zu finden, fasziniert viele Taucher. Manchen von ihnen gelingt das – entweder nach langer, akribischer Suche oder aber auch ganz zufällig. So geschehen vor rund 100 Jahren: Schwammtaucher stießen vor Antikythera zufällig auf einen besonderen Schatz.

Im Jahr 1900 entdeckten Taucher in einem Schiffswrack vor der griechischen Insel Antikythera wertvolle Skulpturen und Luxusgüter. Auch ein kleines technisches Wunderwerk befand sich an Bord: der Mechanismus von Antikythera. Doch erst Jahrzehnte später erkannten die Forscher, was sich hinter dem unscheinbaren Bronzeklumpen verbarg - eine Zahnradkonstruktion, mit der wahrscheinlich astronomische Berechnungen angestellt wurden.

2.000 Jahre lag dieses schuhschachtelgroße Wunderwerk am Meeresgrund, bis sein Geheimnis in den 1970er-Jahren Stück für Stück gelüftet wurde und es einen Einblick in die griechische Ingenieurskunst ermöglichte. Mithilfe von Röntgenbildern blickten Forscher ins Innere des Bronzegebildes und erkannten, dass sich ein komplexes Zahnradsystem hinter der unscheinbaren Hülle verbarg.

Dreidimensionale Aufnahmen ermöglichten zu einem späteren Zeitpunkt Schicht für Schicht weitere Einblicke. "Der Mechanismus von Antikythera ist das komplizierteste Artefakt, das uns aus der Antike erhalten ist. Vergleichbare astronomische Maschinen werden zwar in den schriftlichen Quellen erwähnt, mit dem Fund aus dem Schiffswrack von Antikythera kann man aber ein solches Meisterwerk der antiken Technologie und Wissenschaft ausführlich untersuchen", erklärt Dr. Esaù Dozio vom Antikenmuseum Basel, wieso die Entdeckung so bedeutend war.

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Bis vor Kurzem waren die Fundstücke aus dem griechischen Schiffswrack, die sonst im Nationalmuseum in Athen ausgestellt sind, in einer Sonderausstellung in dem Schweizer Museum zu sehen. Knapp 65.000 Besucher nutzten die Gelegenheit, die archäologischen Meisterwerke von Nahem zu betrachten.

Antike nicht so antik, wie wir glauben

Da der Mechanismus allerdings zu schlecht erhalten ist, um transportiert zu werden, konnte dieser nicht im Original, aber immerhin anhand von 3-D-Animationen und Modellen bestaunt werden.

"Es ist ein Werk, das nicht angeschaut, sondern verstanden werden soll. Faszinierend ist vor allem das wissenschaftliche und technologische Niveau, von dem dieses Objekt zeugt. Wenn man die Möglichkeiten dieser Maschine betrachtet, wird deutlich, dass die Antike nicht so antik ist, wie man glaubt, und die Moderne nicht so modern ist, wie man hofft", betont Dozio, der Kurator der Sonderausstellung "Der versunkene Schatz".

Bis heute sind nicht alle Geheimnisse des Mechanismus gelüftet und die Experten spekulieren immer noch, wie das astronomische Gerät, das als Modell für die von der Erde aus beobachtbaren Bewegungen von Sonne und Mond diente, funktioniert haben könnte. Mehr als 80 Einzelteile, darunter etwa 30 Zahnräder, haben Forscher bei der Untersuchung gezählt.

Anhand der eingravierten Zeichen und Inschriften, Tages- und Monatsskalen kann man darauf schließen, dass mit diesem Apparat die Sonnen- und Mondbewegungen berechnet, Jahreszeiten abgelesen und Sonnen- oder Mondfinsternisse vorausgesagt werden konnten.

Das Gerät wurde auch als eine Art Terminkalender für die Wettbewerbe in den Zeiten zwischen den Olympischen Spielen genutzt. Mit einer kleinen Kurbel brachte man das Räderwerk zum Laufen und setzte somit die Zeiger auf der Vorder- und Rückseite in Bewegung. Kein Wunder, dass der Mechanismus bei so viel ausgeklügelter Technik gern auch als Urcomputer bezeichnet wird.

Ganz richtig ist der Ausdruck zwar nicht. Ganz falsch aber auch nicht. "Das war kein Computer, weil man ihn nicht programmieren konnte. Dennoch ist seine Komplexität so hoch, dass man den Mechanismus sicherlich als Spitzenleistung einer ganzen Kultur verstehen kann", sagt Archäologe Dozio.

Gerät älter als angenommen

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Wie ist die Leistung, eine solche Konstruktion zu entwickeln und zu bauen, einzuordnen? "Das muss irrsinnig kompliziert gewesen sein", weiß der Schweizer und erklärt: "Einerseits musste man die an und für sich sehr komplexen astronomischen Phänomene gründlich verstehen und beherrschen. Dann musste man diese Phänomene in einer Maschine mechanisch zusammenfassen, die nicht größer als eine Schuhschachtel war.

Die einzelnen Zahnräder, die dafür benötigt wurden, mussten durch Handarbeit und mit einfachen Werkzeugen hergestellt werden." Die Bestätigung, dass es auch in der heutigen Zeit nicht ganz einfach ist, ein solches Gerät herzustellen, hat das Antikenmuseum von Experten einer Schweizer Uhrmacherfirma erhalten, die eine Miniatur-Version der Maschine hergestellt hatten.

"Die Experten haben uns verraten, dass so ein Objekt auch heute noch nicht ganz leicht zu bauen ist. Und das mit den jetzigen technologischen Mitteln wie Computer und Laser", so Dozio.

Dachten Experten anfangs, dass der Mechanismus rund 2.000 Jahre alt sei, geht der Forscher James Evans von der University of Puget Sound nach einer weiteren Analyse zusammen mit seinen Kollegen davon aus, dass das antike Gerät älter ist als angenommen. Nach ihren Berechnungen stammt der Mechanismus aus einer Zeit um 205 v. Chr. und entstand damit 50 bis 100 Jahre früher als bisher vermutet.

Könnte vielleicht sogar Archimedes der Ideengeber für den Mechanismus gewesen sein? "Die Maschine ist so genial, dass sie durchaus in der Tradition eines Universalgenies wie Archimedes entstanden sein kann. Sie dürfte aber erst nach seinem Tod gebaut worden sein", vermutet Dozio.

Der Schweizer Archäologe hält einen Zusammenhang mit Archimedes' Schule aber für möglich: "Cicero erwähnt zwei astronomische Maschinen, die von Archimedes gebaut wurden und als Kriegsbeute nach Rom gelangten. Sie belegen, dass eine solche Tradition existiert hat und Archimedes durchaus mit dieser Thematik vertraut war."

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