Nicht nur in Europa wurden über die Jahrhunderte unschuldige Frauen als Hexen verfolgt. In den USA erreichte der Hexenwahn 1692 seinen Höhepunkt - mit den Prozessen von Salem. In dem tragischen Fall von kollektiver Massenhysterie wurden Dutzende Menschen getötet. Eine wirkliche Erklärung gibt es bis heute nicht.

Der Hexenwahn startete im Winter 1691/92, als sich die junge Abigail Williams plötzlich extrem merkwürdig benahm. Sie kroch auf dem Boden herum, versteckte sich und gab nur noch unverständliche Worte von sich. Ihre Cousine Betty Parris verhielt sich bald ähnlich. Innerhalb weniger Wochen folgten weitere Mädchen aus Salem, einem kleinen Ort in der Nähe des heutigen Boston.

Abigail war die Nichte des strenggläubigen Predigers Samuel Parris. Der Puritaner war davon überzeugt, dass seine Glaubensgenossen zum auserwählten Volk gehörten, das sich gegen den Teufel zur Wehr setzen musste. Wer sich nicht zu den Puritanern bekannte, galt als dämonisch. Alle anderen Menschengruppen waren weniger wert, vor allem die Indianer. Die Siedler an der Ostküste der USA befanden sich im Krieg mit den Ureinwohnern, seit sich die ersten Immigranten 1607 an der Ostküste niedergelassen hatten. Immer wieder gab es erbitterte Auseinandersetzungen mit den Indianern.

Satanische Rituale mit Indianern

Prediger Parris war entsetzt vom Verhalten seiner Nichte und der anderen Mädchen. Er ließ sie vom Arzt William Griggs untersuchen und glaubte dessen Diagnose sofort. Die Jugendlichen seien vom Teufel verhext worden. Sie hätten sich heimlich mit Indianern getroffen, um satanische Rituale abzuhalten. Der Teufel habe seine Anhänger ausgesandt, um die Unschuldigen in Salem zu quälen. Prediger und Arzt drängten die Mädchen, die Namen derjenigen zu nennen, die sie verhext hatten.

Die Mumie gibt immer noch Rätsel auf. Sogar von einem Fluch ist die Rede.

Abigail und die anderen sprachen zunächst immer wieder von einem "schwarzen Mann", von dem sie besessen seien. Doch irgendwann gaben sie auf Drängen die Namen von drei Bewohnerinnen aus der Umgebung preis - alle Außenseiterinnen in der Gesellschaft. Sarah Good war eine Bettlerin, die häufig Selbstgespräche führte; Sarah Osborne eine bettlägerige ältere Dame, die die Kinder ihres ersten Ehemanns angeblich um ihr Erbe gebracht hatte; und Tituba war eine Indianer-Sklavin, die im Haus von Samuel Parris wohnte.

150 Menschen landeten im Gefängnis

Alle drei landeten am 1. März 1692 im Gefängnis. Die Wärter bedrängten sie, weitere Namen zu nennen. Mehr als 200 Menschen, auch aus umliegenden Gemeinden, wurden beschuldigt, im Bund mit dem Teufel zu sein. Bald saßen bis zu 150 Gefangene in den Zellen, einige starben unter den grausamen Haftbedingungen. Sogar die vierjährige Tochter von Sarah Good wurde verhaftet. Dorfbewohner hatten behauptet, das Kind habe sie gebissen. Das Mädchen wurde später freigekauft, ihre schwangere Mutter gebar während der Haft ein weiteres Kind, das im Gefängnis starb.

Ungewöhnliche Darstellungen auf Reliefs werfen Fragen auf.

Vor dem Sondergericht verlief die ganze Prozedur von Anklage bis Urteil völlig willkürlich. Das lag auch daran, dass es keine funktionierende Verwaltung gab. Viele Gefangene wurden gefoltert, um Geständnisse zu erpressen. Der 80-jährige Farmer Giles Corey wollte nicht aussagen. Die Folterknechte legten ihm so viele schwere Steine auf den Körper, dass er schließlich starb. Die Folter dauerte drei Tage lang, doch Corey bezichtigte niemanden.

In der hysterisch aufgeheizten Stimmung verurteilte das Gericht viele angebliche Hexen zum Tode. Als Erste starb am 10. Juni 1692 Bridged Bishop. Nur wer sich schuldig bekannte und weitere Namen nannte, entkam dem Galgen. Im Laufe des Sommers wurden 19 Menschen gehängt, unter anderem ein Prediger sowie fünf weitere Männer. Die anderen 13 waren ältere, arme Frauen.

Woher stammte die Massenhysterie?

Weil auch immer mehr Farmer verhaftet wurden, war bald kaum noch jemand da, um die Felder zu bestellen und das Vieh zu versorgen. Auch Sägewerke standen still. Diejenigen, die auf freiem Fuß waren, sahen lieber bei den Hinrichtungen zu als zu arbeiten. Viele verließen die Gegend, bevor auch sie unter Verdacht gerieten. Die Hexenprozesse endeten schließlich nach Protesten anderer Prediger im Januar 1693. Aber erst im Frühjahr 1694 wurden die letzten Verhafteten freigelassen.

Aber woher kam die Massenhysterie? Darüber sind sich die Wissenschaftler nicht einig. Einigen Theorien zufolge kamen die Wahnvorstellungen der Mädchen von einer Vergiftung: Sie hatten womöglich verseuchtes Getreide gegessen. Das erklärt aber nicht, warum die Dorfbewohner so bereitwillig bei der Verfolgung Unschuldiger mitmachten. Es war wohl eher eine Kombination verschiedener Faktoren.

Es gab Konflikte zwischen verschiedenen Familien in Salem. Zudem waren etwa die Hälfte der Bevölkerung Anhänger des Predigers Parris, der eine eigene Gemeinde gründen wollte. Die andere Hälfte lehnte das ab. Im Dorf fanden auch einige Menschen Unterschlupf, die vor Indianern geflohen waren und grausige Geschichten erzählten. Hinzu kam die ständige Bedrohung durch Indianerangriffe, die ein Klima der Angst schuf.

Und nicht zuletzt wurden offenbar vor allem Frauen bestraft, die sich nach Meinung der Mehrheit unpassend verhielten. Was auch immer der Auslöser war: Die Hexenprozesse von Salem gingen als ein tragischer Fall von Massenhysterie in die Geschichte ein - und wurden später in vielen Filmen, Büchern und Theaterstücken zum Thema gemacht.