Dreimal im Jahr feiern Katholiken in Neapel das sogenannte "Blutwunder". In einer fest verschlossenen Ampulle befindet sich Blut des Heiligen Januarius. An drei Tagen im Jahr verflüssigt das verklumpte Blut. Bleibt das Wunder einmal aus, gilt es als schlechtes Omen - so wie in diesem Jahr.

Seit Jahrhunderten feiern die Neapolitaner die Tradition des "Blutwunders". In einer gläsernen Ampulle aufbewahrt, soll sich der Überlieferung zufolge das verklumpte Blut des Heiligen Januarius, im vierten Jahrhundert Bischof und heute Stadtpatron von Neapel, dreimal im Jahr verflüssigen:

  • zum Fest der Translation - Samstag vor dem ersten Sonntag im Mai
  • zum Fest des Heiligen und frühchristlichen Märtyrers Januarius - 19. September
  • zum Gedenken an den Vesuvausbruch von 1631 - 16. Dezember

An diesen Festtagen wird nach einer feierlichen Prozession die Ampulle in den Dom gebracht. Die Reliquie befindet sich in einer ringförmigen Halterung, die der Erzbischof mehrmals drehen muss. Durch die Bewegung löst sich die Verklumpung des Blutes und wird in der Regel flüssig. Am diesjährigen Gedenktag zum Vesuvausbruch blieb das traditionelle Blutwunder jedoch aus. Erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten verflüssigte sich eingetrocknete Blut nicht. Das Ausbleiben des Blutwunders gilt bei der Bevölkerung von Neapel als schlechtes Omen.

Der Hüter der Reliquie, Monsignore Vincenzo De Gregorio, habe an die wartenden Gläubigen im Dom appelliert, nicht in Panik zu verfallen. "Wir dürfen nicht an Katastrophen und Unglücke denken", zitiert ihn das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland.

Tränen und Blut: Was steckt hinter den vermeintlichen Wundern?

Zuletzt blieb das Wunder 1980 aus. In jenem Jahr starben bei einem verheerenden Erdbeben knapp 3.000 Menschen. Als 1973 das "Blutwunder" ausblieb, wurde Neapel von der Cholera heimgesucht. Viele Neapolitaner gehen davon aus, dass das Ausbleiben des Wunders eine Ankündigung dieser Katastrophen war.

Das Blut in der Ampulle wurde bisher nicht chemisch untersucht. Doch eine Vermutung ist, dass sich der Inhalt erst durch genügend Bewegung verflüssigt.

Das Blutwunder des Januarius ist von der Katholischen Kirche bisher nicht als offizielles Wunder anerkannt, wird aber als kirchlicher Volksbrauch toleriert.