Es wird Nacht, das Leben schaltet auf Sparflamme und die meisten Menschen schlummern friedlich. Einige aber bleiben nicht liegen, sie stehen schlafend auf und geistern durch die Wohnung oder verlassen sie sogar. Wie kommt es zu diesem Phänomen? Was steckt hinter Schlafwandeln? Wir klären auf.

Mehr Wissensthemen finden Sie hier

Warum das Schlafwandeln den einen betrifft und die andere nicht, gibt Wissenschaftlern nach wie vor Rätsel auf. Sie nennen Schlafwandeln Somnambulismus. Für Schlafforscher zählt es zu den sogenannten Parasomnien, den ungewöhnlichen körperlichen Verhaltensweisen, die den Schlaf unterbrechen. Wer schlafwandelt, ist nur halb wach.

Als Ursache nimmt man an, dass der für Bewegungsabläufe verantwortliche Teil des Gehirns durch irgendwelche Störungen aufwacht, während andere Gehirnareale weiterhin ausgeschaltet bleiben.

Wie verhalten sich Schlafwandler?

Häufig kommt es im ersten Drittel der Nacht zum Schlafwandeln - während der traumlosen Tiefschlafphase. Zu diesem Zeitpunkt sind alle Vitalfunktionen auf den Schlaf-Modus reduziert, Blutdruck und Muskelspannung sind abgesenkt, Atmung und Herzschlag verlangsamt. Es können zwar Bewegungen ausgeführt werden, aber nur ohne Kontrolle des Gehirns. Eine entsprechende Aktion ist meist nach wenigen Minuten vorbei, ganz selten dauert sie bis zu einer Stunde an.

Was Schlafwandler tun, ist völlig unterschiedlich: Sie stehen etwa auf, murmeln unverständlich vor sich hin, schauen sich unstet um, geistern durch die Wohnung und verlassen teilweise sogar das Haus. Manche setzen sich nur auf und wirken verwirrt, andere öffnen Fenster und Türen, gehen Treppen rauf und runter, wühlen in Schränken und Schubladen.

Schlafmediziner haben herausgefunden, dass die Betroffenen auf eine offenbar als Orientierung empfundene Lichtquelle zugehen. Aber das muss heutzutage längst nicht mehr der Mond sein - eine Leuchtreklame ist ebenso denkbar.

Allen Schlafwandlern gemeinsam ist: Sie können sich hinterher an nichts erinnern. Und leider existiert so etwas wie die sprichwörtliche "schlafwandlerische Sicherheit" nicht. Dadurch wird das Phänomen zur ernsten Gefahr für die Betroffenen, zumal sie das Bestreben haben, stur geradeaus zu gehen, egal, in welcher Umgebung sie sich befinden.

Soll ich Schlafwandler wecken?

Für Angehörige wie für Betroffene selbst ist es ratsam, vorsorglich Türen und Fenster zu verschließen. Außerdem sollten sie den Schlafwandler nicht wecken. Besser ist es, ihn unter beruhigendem Reden wieder ins Bett zu bringen und zum Weiterschlafen zu bewegen.

Warum schlafwandeln wir?

Begünstigt wird das Umherwandeln in der Nacht durch Faktoren wie Schlafmangel, Stress, Schichtarbeit, Fieber, Depressionen, Drogen und bestimmte Medikamente oder laute Geräusche. Der Schlafwandler ist gewissermaßen im Schlaf hängen geblieben - während die Muskulatur bereits wach ist und funktioniert, schläft der Kopf noch.

Möglicherweise hängt es mit unvollständigen Reifungsprozessen im zentralen Nervensystem zusammen. Das erklärt auch, dass Kinder sehr viel häufiger schlafwandeln als Erwachsene. Schlafwandeln kann auch von den Eltern auf die Kinder vererbt werden. Bei Kindern von Betroffenen ist die Wahrscheinlichkeit zehnmal höher, dass es auch sie erwischt, als bei Kindern von Nicht-Schlafwandlern.

Daneben kann aber auch das Persönlichkeitsprofil auf die potentielle Somnambulismus-Neigung hindeuten. Schlafforscher haben festgestellt, dass introvertierte und aggressionsgehemmte Menschen eher zu den Patienten zählen.

Wie kann das nächtliche Umherwandeln vermieden werden?

Somnambulismus ist im strengen Sinne nicht heilbar, allerdings kann man bei Faktoren ansetzen, die das Schlafwandeln begünstigen. Entspannende Einschlafrituale können helfen, den Stress nicht mit ins Bett zu nehmen. Möglichst regelmäßige Schlafzeiten in einem abgedunkelten, kühlen Raum ohne Fernsehgerät ist ein weiterer Tipp.

Warum uns Träume nicht gleichgültig sind

Die Forscher Kelly Bulkeley und Michael Schredl haben 5.255 US-Amerikaner zwischen 18 und 97 Jahren nach ihrer Einstellung zu Träumen befragt.