• Zwillinge sind faszinierend. Aber wie entstehen sie eigentlich?
  • Warum tragen sie so oft Partnerlook?
  • Und was ist dran an dem Mythos, sie hätten telepathische Kräfte?

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Zwillinge liegen im Trend – das ist offiziell. 2019 war laut dem Statistischen Bundesamt etwa jedes 27. geborene Kind ein Zwilling oder Mehrling. 1980 war es noch jedes 56. Kind.

Wissenschaftler vermuten, dies liegt daran, dass Frauen heutzutage länger mit ihrem ersten Kind warten. Bei älteren Müttern jenseits der 30 ist die Wahrscheinlichkeit höher, mehrere Kinder auf einmal zu bekommen, da sie mehr reife Eizellen produzieren als in ihren jüngeren Jahren.

So unterscheidet man eineiige von zweieiigen Zwillingen

"Die beiden gleichen sich ja wie ein Ei dem anderen!" In diesem erstaunten Spruch beim Anblick eines Zwillingspaares steckt mehr Wahrheit, als man glauben könnte. Eineiige Zwillinge sind tatsächlich aus einem einzigen Ei der Mutter entstanden – daher die Bezeichnung. Aber wie funktioniert das biologisch?

Entgegen mancher Vorstellungen kommen eineiige Zwillinge nicht zustande, weil ein Ei von zwei Spermien befruchtet wird. Genau wie bei Einzelgeburten dringt bei Zwillingen eine männliche Samenzelle in ein Ei vor. Erst wenn die Eizelle befruchtet ist, findet eine Zellteilung statt, bei der zwei exakte Kopien entstehen und sich separat entwickeln.

Eineiige Zwillinge sind somit genetische Klone und können nicht ohne Weiteres auseinandergehalten werden. Sie unterscheiden sich nur durch wenige genetische Mutationen, die nach der Eitrennung entstehen. So sind etwa die Fingerabdrücke bei Zwillingen unterschiedlich: Da sie nicht exakt gleich in ihrer Mutter heranwachsen, bilden sich unterschiedliche Hauttexturen, an denen sie später auseinandergehalten werden können.

Nach der Geburt entscheiden dann äußere Faktoren, wie sehr sich die Zwillinge im Laufe ihres Lebens ähneln oder gleichen. Möchte etwa ein Zwilling auf dem Land bleiben, wird er sich äußerlich und mental anders entwickeln, als sein Bruder, der in der Stadt im Büro arbeitet.

Zweieiige Zwillinge entspringen hingegen zwei Eiern ihrer Mutter, die etwa zur gleichen Zeit von zwei Spermien befruchtet worden sind. Sie sind anders als eineiige Zwillinge nicht aus genetischen Kopien hervorgegangen und sehen sich nicht unbedingt ähnlich. Hier kann es auch zu einem Zwillingspaar aus Mädchen und Junge kommen, während eineiige Zwillinge immer das gleiche Geschlecht haben.

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Haben Zwillinge eine besondere psychische Verbindung?

Zwillinge treten oft im Partnerlook auf. Allerdings ist das individuell verschieden: Manche Zwillinge fühlen sich wohl, als "doppeltes Lottchen" durchs Leben zu gehen, andere möchten schnell jeweils ihre eigenen Wege gehen. Ähnliches gilt für andere Geschmäcker, vom Lieblingsessen bis zur Partnerwahl: Sie können gleich sein oder verschieden, hier unterscheiden sich Zwillinge nicht von anderen Geschwistern.

Manche Zwillingspaare können sich allerdings so ähnlich in Aussehen und Verhalten sein, dass es schon fast unheimlich wird. Haben Zwillinge eine Verbindung, die über die normale Kommunikation hinausgeht? Es gibt schließlich zahlreiche Geschichten von Zwillingspaaren, die von übernatürlich anmutenden Erlebnissen berichten.

Häufig geht es dabei darum, dass einem Zwilling etwas zugestoßen ist und der andere zeitgleich ganz woanders eine plötzliche Eingebung oder ein ungutes Bauchgefühl hatte. Telepathie oder Zufall?

Wissenschaftlich konnte eine geschwisterliche Gedankenübertragung noch nie belegt werden. Die ungewöhnlichen Erlebnisse sind Einzelfälle, die spontan auftreten und nicht unter Forschungsbedingungen nachgestellt werden können. Es gibt zwar eine Studie, die versucht hat, Zwillingstelepathie nachzuweisen. Diese ist allerdings wenig überzeugend, da nur vier Paare getestet wurden und es keine Kontrollgruppe gab.

Das heißt jedoch nicht, dass Zwillinge oder Geschwister, die sehr eng miteinander aufgewachsen sind, kein außergewöhnlich hohes Gespür auf emotionaler Ebene füreinander entwickeln können. "Übernatürlich" anmutende Anekdoten werden zu häufig berichtet, um sie als bloße Zufälle oder als Lügenmärchen abzutun. Der Raum für Spekulation ist also da.

Verwendete Quellen:

  • Presseportal: 14.400 Mehrlingsgeburten im Jahr 2019
  • destasis: Daten zu den Mehrlingsgeburten für die Jahre 2015 bis 2019
  • Baby & Familie: Zwillinge: So entstehen sie
  • netdoktor.at: Eineiige Zwillinge
  • Cordis: Spanischer Forscher entdeckt Ursache für Unterschiede bei eineiigen Zwillingen
  • Leben & Erziehen: Zwillinge erziehen: Worauf du achten solltest
  • ScienceDirect: Further Possible Physiological Connectedness Between Identical Twins: The London Study
  • kianaofamily: Mit Zwillings-Telepathie Fakt und Fiktion trennen
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