Das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, wird offenbar deutlich weniger von den eigenen Genen bestimmt, als bislang angenommen. Die Rolle von Risikofaktoren wie Ernährungsgewohnheiten, Rauchen oder Bewegungsmangel wurde dagegen nach Ansicht von Forschern aus Heidelberg bislang unterschätzt.

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Die Rolle der Gene beim familiär erhöhten Darmkrebsrisiko wird offenbar bislang überschätzt. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg laut Mitteilung vom Donnerstag in einer aktuellen Studie.

Andere Risikofaktoren wie familiäre Ernährungsgewohnheiten wiegen demnach vermutlich schwerer als angenommen. Das habe Konsequenzen für Berechnungen des individuellen Darmkrebsrisikos.

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung weltweit. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 33.100 Männer und 27.900 Frauen daran. Das Risiko nimmt mit dem Lebensalter zu. Mehr als 25.000 Patienten sterben jährlich an dieser Krebserkrankung.

Risikofaktor familiäre Vorbelastung

Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass die Erkrankung zu 35 Prozent erblich bedingt ist. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählt eine familiäre Vorbelastung. Zudem identifizierten Forscher in den vergangenen Jahren rund hundert Genvariationen, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind und die das Risiko für Darmkrebs beeinflussen.

Aktuelle Studien des DKFZ legen nun aber nahe, dass diese kleinen Genvariationen einen deutlich geringeren Anteil des familiär erhöhten Darmkrebsrisikos erklären als bisher angenommen.

Die DKFZ-Forscher werteten Daten von knapp 8.000 Darmkrebspatienten sowie gesunden Menschen aus. Während bislang gängige Verfahren davon ausgingen, dass die familiäre Häufung zu 100 Prozent genetisch bedingt ist, entwickelten die Heidelberger Experten ein neues Berechnungsverfahren, dass genau das nicht annimmt.

Nicht in Sicherheit wiegen

Während bisherige Berechnungen den bislang bekannten Genvarianten einen Anteil bis 23,1 Prozent am familiär erhöhten Darmkrebsrisiko zusprachen, führten die Berechnungen der DKFZ-Forscher zu einem deutlich geringeren Anteil von 14,3 Prozent.

Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Studie gezeigt, dass bei Halbgeschwistern von Darmkrebspatienten das Risiko, selbst zu erkranken, ebenso erhöht ist wie bei "echten" Geschwistern. "Das legt nahe, dass gemeinsame Risikofaktoren, etwa spezielle Ernährungsgewohnheiten, Rauchen oder ein Bewegungsmangel eine deutlich größere Rolle spielen als bisher angenommen", betonten die Forscher.

Wer nur wenige auffällige Genvarianten in seinem Erbgut trage, dürfe sich nicht in Sicherheit wiegen, wenn etwa sein Lebensstil das Darmkrebsrisiko erhöhe. Umgekehrt müsse Darmkrebs trotz ungünstiger Genetik kein Schicksal sein, wenn das individuelle Verhalten das Risiko senke. (dpa/mcf)

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