• War früher wirklich alles besser? Ein neues Buch will das Gegenteil beweisen.
  • Autor Henning Schmidtke zeigt in seinem Buch, warum die Welt sich zum Guten verändert hat.

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Die heutige Welt ist nicht so schlimm, wie viele denken. Das liest sich angesichts von Krieg und Hunger auf der Welt und gerade in Zeiten einer Pandemie vielleicht naiv oder dumm oder gar dreist. Doch der Kabarettist Henning Schmidtke lässt sich nicht beirren und möchte andere mitreißen, die Gegenwart positiver zu sehen.

Sein Buch "Es ist nicht alles so scheiße, wie du denkst - 30 Gründe, warum die Welt heute besser ist als früher" regt zum Nachdenken an und ist eine unterhaltsame Lektüre, gar im Urlaub oder am Strand diesen Sommer.

Nicht die Welt ist schlimmer geworden, sondern die Schlagzeilen

Wer Nachrichten schaue, habe das Gefühl, die Welt sei schlecht, sagt Schmidtke zu Anfang des Buchs in einem Interview. "Das liegt aber nicht an der Welt, sondern an den Nachrichten. Die sind im Zweifel negativ", sagt Schmidtke.

Dazu gebe es sogar Studien, dass etwa die Schlagzeilen der "New York Times" im Laufe der Jahrzehnte immer negativer geworden seien. Das sei aber nicht schlimm und das seien auch keine Fake News. Es liege aber in der Natur der Medien, "dahin zu schauen, wo es stinkt". Doch dabei vergessen viele, was alles gut laufe.

Und so hat der Autor und Musiker 30 Themen zusammengetragen, bei denen er in gewitztem Ton seinen Optimismus darlegt und mit Daten belegt, was heute alles viel besser sei als früher. Darunter fallen auch so umstrittene Themen wie Integration und Alter.

Über das Leben von Menschen mit Migrationsgeschichte

Schmidtke: "84 Prozent der in Deutschland geborenen Muslime verbringen ihre Freizeit regelmäßig mit Nichtmuslimen (und damit sind nicht Polizisten gemeint). 96 Prozent unserer muslimischen Mitbürger fühlen sich Deutschland verbunden.

Und bei 73 Prozent der muslimischen Kinder ist Deutsch die erste Sprache (also mehr als bei bayerischen Kindern)."

Senioren profitieren vom technischen Fortschritt

Und über Senioren schreibt Schmidtke: "Opa hört alles in bester Klangqualität, denn sein Hörgerät hat Bluetooth. Die altbackene Gehhilfe ist aus dem Straßenbild verschwunden.

Enorme Fortschritte bei Knie- und Hüft-OPs, aber auch die kriegsvermeidende Diplomatie der Bundesrepublik schaffen eine stetig wachsende Seniorengesellschaft, traumafrei und mit vollständigen Gliedmaßen."

Weniger Alkoholkonsum als früher

Ein weiteres Beispiele ist der Alkohol. Der werde nicht mehr so unüberlegt und übertrieben konsumiert. "Früher ging die Arbeiterklasse nach der Schicht in die Kneipe und rauchte und soff. Heute geht man abends noch in die Muckibude."

Das Bild vom Kettenraucher in der Eckkneipe sei Geschichte. "Ebenso Kotzbecken mit Festhaltegriff, die ich in meiner Kindheit noch auf jeder Herrentoilette fand." Kids von heute fänden Trinkerei immer uncooler.

Bessere Zähne, weniger Gestank

Beispiel Zähne: "In Mitteleuropa werden die Gebisse immer besser." Es gebe eine Art "dentale Gentrifizierung". "Schiefe Zähne müssen den Kindern von heute vorkommen wie Missbildungen. Die Zahnspange als kulturelle Errungenschaft wird völlig unterschätzt."

Beispiel Gestank: Mittelaltermärkte gaukelten heutzutage vor, diese Epoche sei eine Zeit duftender Brotlaibe, voller Gewürze und heimeliger Lagerfeuer gewesen. Doch die Wahrheit stinke: Es sei die Zeit von "Kot und Urin, das durch die Gossen läuft, Pferdekacke, Hundekacke, Gänsekacke, Hühnerkacke, Kuhkacke, Ziegenkacke, Vogelkacke" gewesen.

Essensreste und Tierkadaver seien durch die Bäche getrieben. Die Menschen stanken am ganzen Körper. Und das sei lange so gewesen - bis in die Neuzeit, bis etwa Zähneputzen für die Massen erschwinglich wurde.

Rauchen ist uncool heutzutage und Lärm auch

Beispiel Zigaretten: "Jugendliche rauchen heute so wenig wie noch nie. 2001 waren es noch 28 Prozent der unter 18-Jährigen, heute nur noch 7 Prozent. Zigaretten passen nicht mehr zum frischen Duschgel-Duft der Fitnessstudios."

Zum Beispiel Lärm schreibt er: Haushaltsgeräte seien heute viel leiser als noch vor ein paar Jahrzehnten, Zugfahren sowieso. Früher habe man bei der Bahn "inmitten einer Wolke aus Krach und Zigarettenqualm" gesessen und habe sich anbrüllen müssen.

Und: Auch die Schallschutzmauern an den Autobahnen wirkten Wunder. "Als ich in Essen lebte, radelte ich einmal durch die Wohngebiete entlang der A40 und war verblüfft, welch idyllische Ruhe dort herrschte." Der Lärm der am stärksten befahrenen Autobahn Europas habe wie entferntes Meeresrauschen geklungen.

Wir ernähren uns gesünder als jemals zuvor

Und natürlich die Ernährung. Sie ist heute äußerst vielfältig und viel viel besser als früher, meint der Autor: "Wollen Sie noch mal zurück in die 50er? Zu "Himmel und Erde" und Hühnerfrikassee?

Sushi oder Shawarma hätte man damals noch für indische Gottheiten gehalten. Je weiter man in unserer Geschichte zurückgeht, desto trostloser wird es auf dem Teller."  © dpa

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