Schwarze Löcher, schädliche Magnetfelder oder gefährliche Strahlung: Zum Start des Teilchenbeschleunigers LHC im Jahr 2010 skizzierten Kritiker ein erschreckendes Weltuntergangsszenario. Fünf Jahre später steht der LHC vor dem Neustart – und die Kritiker scheinen verstummt.

So soll der Ringbeschleuniger des Cern neue Teilchen entdecken.

Fünf Jahre ist es nun her, dass die Erde fast von einem schwarzen Loch verschluckt worden wäre. Jedenfalls dann, wenn sich die Befürchtungen einiger Kritiker des gigantischen Teilchenbeschleunigers LHC (Large Hadron Collider) bewahrheitet hätten. Mann stellte sich vor, dass bei der Kollision der Teilchen in der unterirdischen Röhre der Forschungseinrichtung CERN kleine schwarze Löcher entstehen. Diese würden sich unaufhaltsam ausbreiten und alles verschlingen.

Dabei handelte es sich damals um ein ziemliches Missverständnis, sagt Arnulf Quadt. Der Professor für experimentelle Elementarteilchenphysik an der Universität Göttingen klärt auf: "Bei Betrieb des Teilchenbeschleunigers hätten sogenannte 'Mini Black Holes' entstehen können. Die unterscheiden sich zwar deutlich von den Schwarzen Löchern im Weltall – doch viele Menschen hören einen Begriff und meinen zu wissen, was damit gemeint ist."

Die Kritiker scheinen verstummt

Doch der LHC wurde 2010 in Betrieb genommen, ohne dass Mini Black Holes entstanden sind. Und das Einzige, was offenbar von einem schwarzen Loch verschluckt wurde, sind die Kritiker. Um sie ist es sehr still geworden: Einschlägige Internetseiten scheinen brachzuliegen, die letzten Einträge und Updates liegen mehrere Jahre zurück.

Thomas Zoufal, der als Teilchenphysiker nun die Kommunikation von CERN in Deutschland betreut, führt das auch auf die Aufklärungsarbeit zurück. "Damals gab es noch ziemlich viel Unwissenheit", erklärt er rückblickend. "Deswegen wollen wir den Menschen genau erklären, was da abläuft und dass es nicht gefährlich ist. Wir wollen die Leute aber nicht überreden – sondern aufklären. Und das Interesse ist riesig! Schließlich können wir mit dem LHC Zustände erreichen wie kurz nach dem Urknall, als das Universum quasi seine ersten Atemzüge gemacht hat."

Dafür werden die Steuergelder eingesetzt

Zur Aufklärung gehöre auch, den Menschen klar zu machen, wofür die Forschung mit dem Teilchenbeschleuniger eigentlich gut ist. Schließlich wird CERN von zahlreichen Staaten, darunter auch Deutschland, maßgeblich finanziert. "Zunächst mal ist da der kulturelle Gewinn", erklärt Thomas Zoufal. "Bei CERN forschen Wissenschaftler aus rund 90 Ländern miteinander, unabhängig von staatlicher Herkunft oder Ideologie. Die Wissenschaft hier ist ein wirklich völkervereinendes Element."

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Dank der Forschung gibt es aber durchaus auch praktische Anwendung: Zum Beispiel finden bereits heute rund 15.000 Teilchenbeschleuniger in der Medizin Anwendung, etwa das Ionen-Therapiezentrum in Heidelberg, das zur Krebstherapie angewendet wird. Und die Teilchendetektoren können beispielsweise beim Zoll zum Durchleuchten von Fracht eingesetzt werden. "Mit dem Teilchenbeschleuniger betreibt man zwar in erster Linie Grundlagenforschung", sagt Zoufal. "Aber die ist eben, wie der Name schon sagt, immer auch die Grundlage für angewandte Forschung."

Das hat es mit Strahlung und Magnetfeldern auf sich

Neben den schwarzen Löchern wurden in der Vergangenen aber auch Bedenken zu austretender Strahlung oder starken Magnetfeldern geäußert. "Ja, der LHC hat sehr starke Magnetfelder", bestätigt Professor Arnulf Quadt. "Man sollte deswegen im Betrieb nicht danebenstehen."

Außerdem entsteht im Teilchenbeschleuniger ionisierende Strahlung. "Das ist nicht ganz das selbe wie radioaktive Strahlung, aber vergleichbar", erklärt Thomas Zoufal. "Doch diese Strahlung besteht nur im unterirdischen Tunnel, sie wird von der Erde abgeschirmt. Und sie besteht auch nur, wenn der Teilchenbeschleuniger läuft." Für die Bevölkerung bestehe keine Belastung, bestätigen beide Wissenschaftler.

Strenge interne Sicherheitskontrollen

Um das zu gewährleisten, unterliege die Forschung strengen Sicherheitskontrollen. "Es gibt bei CERN eine Sicherheitsabteilung, die alle Anlagen begutachtet und freigibt, und strenge Zugangskontrollen verhindern unbefugten Zutritt", berichtet Thomas Zoufal. Für Kritiker ist das oft ein Schwachpunkt: Hier werden zusätzliche, externe Kontrollen vermisst.

"Die Sicherheitsvorkehrungen von CERN sind sehr streng", bestätigt aber auch Professor Arnulf Quadt. Außerdem würde den Experimenten jahrzehntelange Forschung vorausgehen – man könne also in etwa abschätzen, was bei Betrieb des Teilchenbeschleunigers passiert. Auch dann, wenn die Leistung erhöht wird, wie es beim Neustart in Kürze der Fall sein wird.

Die Suche nach Dunkler Materie

"Wir machen ja nichts, was die Natur nicht ohnehin auch ständig tut", findet Arnulf Quadt. Nur soll der Teilchenbeschleuniger diese Dinge gezielt sichtbar machen. Die Forscher erhoffen sich, beim Neustart des LHC auf sogenannte Dunkle Materie zu stoßen. Mit dunklen Kräften wie im Film "Star Wars" hat dies aber rein gar nichts zu tun: Dunkel bedeutet lediglich, dass diese Teilchen nicht leuchten. Ihr Nachweis würde bisherige Ungereimtheiten in Bezug auf die Gravitation lösen.

Die Wissenschaftler sagen, sie sind sich der Verantwortung bewusst, die sie mit ihrer Forschung tragen. "Gäbe es auch nur einen Anhaltspunkt, dass eine Gefahr von dem Teilchenbeschleuniger ausgehen würde, dann würde man die Menschheit dieser Gefahr nicht aussetzen", versichert Thomas Zoufal.