Der Sommer ist in diesem Jahr ungebrochen heiß. Europaweit fielen mehrere Hitzerekorde, auch in Deutschland folgt ein Temperaturhoch auf das nächste. Ist das schon der Klimawandel? So gefährlich sind die Hitzeperioden langfristig - für Deutschland und die Welt.

Die Debatte polarisiert: Die USA steigen unter Präsident Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen aus, der internationale Aufschrei ist riesig.

Unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident Emmanuel Macron haben Trump für diesen Schritt scharf kritisiert.

Während die Politiker streiten, wird den Bürgern ihrer Länder die Notwendigkeit eines Klimaabkommens deutlich.

Zahlreiche Hitzerekorde weltweit

In Europa wurden im Juni zahlreiche Temperaturrekorde geknackt, zum Beispiel wurden im spanischen Granada 41,5 Grad gemessen.

Pakistan vermeldete jüngst sogar 54 Grad in der Stadt Turbat. Bekommen wir jetzt die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren?

Unsere Redaktion sprach mit Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Kann 2017 ein Rekordjahr werden?

"Dass 2017 ein Rekordjahr der globalen Temperatur wird, ist unwahrscheinlich. Wir hatten ja gerade drei rekordheiße Jahre hintereinander: 2014, 2015 und 2016", erklärt Rahmstorf.

Das sei seit Beginn der Messreihe im 19. Jahrhundert noch nie vorgekommen, schildert der 57-Jährige, eigentlich erwarte die Klimaforschung "nur alle paar Jahre einen neuen globalen Rekord".

Rahmstorf relativiert: Anhand der ersten fünf Monate liege 2017 laut "Global Climate Report" des "National Centers For Einvironmental Information" hinter 2016 auf Rang zwei.

Wie ist die weltweite Prognose?

"Wir haben gerade eine Rekordhitzewelle im Westen der USA hinter uns, mit Temperaturen teils über 50 Grad Celsius und zahlreichen gebrochenen Hitzerekorden. In Phoenix konnten Flugzeuge nicht mehr starten, weil durch die Hitze die Luft zu dünn war", schildert Rahmstorf. In Kanada seien etwa Ende Juni mehrere Hitzerekorde gefallen. In Portugal hätte indes eine Hitzewelle zu verheerenden Waldbränden geführt.

"Das erinnerte an frühere Brände am Mittelmeer - etwa an den August 2007, als um ein Haar die antiken Stätten von Olympia abgebrannt wären. Diese Brände liegen am Trend zunehmender Dürre im Mittelmeerraum, den übrigens die Klimamodelle seit vielen Jahren vorhergesagt haben, als Folge der zunehmenden CO2-Menge in der Atmosphäre", erklärt der Wissenschaftler. Gleichzeitig würden in diesen Regionen die Niederschläge abnehmen.

Eine in der Fachzeitschrift "Science" veröffentlichte Studie habe gezeigt, dass schon eine relative moderate Erwärmung große Teile von Spanien und Portugal wahrscheinlich in eine Wüste verwandeln würde, erklärt Rahmstorf drastische wissenschaftliche Prognosen.

Wie lautet die langfristige Prognose für Deutschland?

Weltweit seien die Temperaturen seit dem späten 19. Jahrhundert um ein volles Grad gestiegen, erzählt der Klimaforscher, "in Deutschland sogar etwas mehr - was typisch ist für Landgebiete ist, die sich rascher erwärmen als die Ozeane". Dieser Trend werde solange weitergehen, "bis wir den Anstieg der Treibhausgase in der Luft gestoppt haben, wie es das Pariser Klimaabkommen vorsieht", sagt er.

Bekommen wir jetzt die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren?

Die globale Erwärmung entwickle sich seit Jahren genau so, wie sie in den 1970er Jahren von Klimatologen vorhergesagt wurde, erklärt Rahmstorf.

"Damit geht eine Zunahme von Rekordhitze einher - und zwar bei den Monatswerten bereits um das Fünffache im Vergleich zur Anzahl der Rekorde in einem stabilen Klima. So wie man vom Rauchen mehr Lungenkrebs bekommt, bekommen wir durch unsere Treibhausgasemissionen mehr Extremwetter: Hitzewellen, Dürren, Starkregen."

Überblicke man längere Zeiträume und die weltweiten Wetterdaten, gebe es keinen Zweifel: "Es wird weltweit wärmer. Wo die zusätzliche Energie dafür herkommt, ist ebenfalls klar: Sie wird durch die wachsende Treibhausgasmenge in der Atmosphäre eingefangen", sagt er.

Laut Rahmstorf sei es deshalb fatal, die Richtlinien des Klimaabkommens nicht zu befolgen.

"2015 haben sich in Paris 195 Staaten nach zwanzig Jahren des Verhandelns endlich auf ein weltweites Klimaabkommen geeinigt - selbst die Staaten, die vom Verkauf von Erdöl leben, haben unterschrieben", sagt er. "Es ist unsere letzte Hoffnung, die globale Erwärmung rechtzeitig zu stoppen."

Prof. Stefan Rahmstorf ist "Head of Earth System Analysis" am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Seit 2000 lehrt der 57-Jährige als Professor im Fach Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Er arbeitete von 2004 bis 2013 im Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU). 2007 war Rahmstorf einer der Leitautoren des Vierten Sachstandsberichtes des Weltklimarates (IPCC).