"Der Marsianer" läuft derzeit im Kino und gleichzeitig kommen Wissenschaftler zu einer Mars-Konferenz zusammen. Ist die Besiedelung des roten Planeten tatsächlich greifbar – oder handelt es sich dabei um Science Fiction?

Ernst Hauber ist Geologe mit Schwerpunkt Mars beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und erklärt im Interview, woran eine Marsmission tatsächlich scheitert.

Herr Hauber, unter welcher Voraussetzung ist denn eine Besiedelung des Mars durch den Menschen überhaupt möglich?

Darum sind die Ergebnisse von "Philae" für die Wissenschaft so wichtig.

Ernst Hauber: Ich halte eine Besiedelung des Mars derzeit und auch in mittelfristiger Zukunft nicht mal ansatzweise für realistisch. Die Anreise würde man vielleicht noch hinkriegen, obwohl auch dafür momentan die Voraussetzungen nicht gegeben sind. Keine Raumfahrtnation hat Momentan Raketen oder Raumsonden, die in der Lage wären, Menschen zum Mars zu bringen.

Auf dem Mars selber müsste man ja mehrere Fragen lösen können: Die Energieversorgung, die Nahrungsmittelversorgung, und natürlich die Versorgung mit Sauerstoff. All das ist zwar theoretisch in einem Gedankenspiel eventuell lösbar, aber in der Praxis sehe ich nicht, wie das tatsächlich gemacht werden könnte.

Man müsste eine Behausung bauen, die in der Lage wäre, mehr oder weniger autark einen Kreislauf zu betreiben, in dem Wasser, Nahrungsmittel und natürlich dann auch die Ausscheidungen jeweils wieder in einen geschlossenen Kreislauf übergehen.

Sauerstoff müsste man aus den dortigen Materialien gewinnen, man müsste also Wasser in Form von Eis aufspalten und den Sauerstoff extrahieren. All das hört sich zwar lösbar an, aber in der Praxis und im großen Maßstab – den wir bei einer Besiedelung des Mars ja bräuchten – ist das derzeit nicht machbar.

Die Suche nach extraterrestrischer Intelligenz, kurz "Seti" genannt, betreiben Forscher schon seit 1960. Seitdem haben sie bisher ein einziges Signal aufgefangen, bei dem Wissenschaftler nicht ausschließen können, dass es von einer außerirdischen Zivilisation stammt.

Aktuell ist der Mars also alles andere als menschenfreundlich?

Ja. Selbst im Vergleich zu den lebensfeindlichsten Regionen der Erde ist der Mars noch wesentlich weniger dazu geeignet, menschliches Leben aufrecht zu erhalten. Da will man eigentlich gar nicht leben.

Kommen wir zur Problematik der "Anreise" zurück. Sie sagten, keine Raumfahrtnation ist der dazu in der Lage, eine bemannte Marsmission loszuschicken. Woran liegt das?

Die Dauer der Anreise wäre nicht so sehr das Problem - bis man den Mars erreicht dauert es etwa sechs bis acht Monate. Es gibt Astronauten, die schon länger in der Mir-Station oder in der ISS ausgehalten haben.

Aber die Frage, wie man ein großes Raumschiff baut, das mehrere Personen zum Mars transportiert, ist schwierig zu lösen. Sie brauchen eine sehr leistungsfähige Rakete und soweit ich weiß, gibt es die derzeit nicht.

Täglich regnen viele Tonnen Steine auf die Erde. Lohnt sich die Suche?

Und Sie brauchen natürlich ein Raumschiff, das sehr gut gegen Strahlung geschützt ist. Denn es wäre im Weltraum der kosmischen Strahlung ungeschützt ausgesetzt, was Menschen nicht allzu lange aushalten.

Man müsste also eine Abschottung gegen die Strahlung herstellen, entweder durch einen Bleimantel, der natürlich sehr schwer ist, oder durch Wasser. Damit kommt man dann schon allein auf eine hohes Gewicht des Raumschiffs, das man derzeit nicht zum Mars bringen kann.

Und dann käme ja noch das ganze Equipment hinzu.

Genau. Man kann ja, anders als bei der ISS, nicht ständig Versorgungsgüter zum Mars schicken, sondern die müssten ja alles dabei haben.

Was ist derzeit das größte Hindernis für eine Besiedlung des Mars oder eine bemannte Marsmission?

So stellte sich die Nasa vor 40 Jahren die Besiedlung des Alls vor.

Von einer Besiedelung sind wir ja noch weit entfernt. Der nächste logische Schritt in der Marsforschung wäre zunächst ja, Astronauten ähnlich wie bei Apollo auf den Mars zu schicken, um dort wissenschaftliche Untersuchungen vor Ort durchzuführen. Und da ist tatsächlich das größte Hindernis Geld.

Das könnte vielleicht klappen, aber es würde sehr viel Geld über einen sehr langen Zeitraum kosten für eine Nation. Realistischer wäre, dass sich mehrere Nationen in einer Art Gemeinschaft dazu verpflichten, dieses Vorhaben über eine lange Zeit, über viele Legislaturperioden hinweg aufrecht zu erhalten. Und soweit ich das verfolge ist dazu aktuell niemand bereit.

Mit den entsprechenden finanziellen Mitteln wäre eine bemannte Marsmission in einigen Jahrzehnten aber denkbar?

Ich gehe davon aus, dass man für einen Flug zum Mars und zurück von jetzt an mehrere Jahrzehnte Planung und Forschung brauchen würde. Dann würde es wahrscheinlich klappen.

Mit wie viel Nachdruck wird denn dann eine potenzielle Besiedelung oder eine Marsmission überhaupt verfolgt? Ist das nur eine theoretische Gedankenspielerei, oder gibt es tatsächlich schon erste Tests in Trainingszentren zu den Lebensbedingungen?

Ich würde sagen, wir liegen aktuell so zwischen diesen beiden Szenarien. Es ist nicht so, dass nichts getan wird. Es gibt Leute, die darüber nachdenken. Gerade erst vergangenen Monat hat ein Workshop stattgefunden, indem darüber diskutiert wurde, wo man auf dem Mars landen könnte.

Dann gibt es Wissenschaftler, die befassen sich mit der Psychologie der Leute, die man da hin schicken müsste. Es wird auch technisch über größere Raketen nachgedacht in den USA. Es wird also schon etwas gemacht, aber nicht mit dem klar formulierten Ziel, innerhalb der nächsten 20 Jahre jemanden auf den Mars zu schicken.

Wir Wissenschaftler wären schon froh, wenn man endlich Proben vom Mars zurückholen würde. Wenn man also eine unbemannte Mission hinschicken könnte, mit dem Ziel, Bodenmaterial aufzusammeln und zur Erde zurückzubringen. Als ich vor 20 Jahren in dem Metier begonnen habe zu arbeiten, hieß es, in 20 Jahren würde man so weit sein. Aber es geht leider nicht wirklich voran.

Ernst Hauber ist Planetengeologe mit Schwerpunkt Mars beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).