Das Bild des Tyrannosaurus rex ist bekannt: ein riesiges Maul mit sichtbaren dolchartigen Zähnen. Nun haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler allerdings herausgefunden, dass der Raubsaurier vermutlich gar nicht so ausgesehen hat. Seine Zähne lagen einer neuen Studie zufolge hinter Lippen verborgen.

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Tyrannosaurus rex frisst
Beute verschwindet im Maul eines Tyrannosaurus rex. (Illustration) © dpa / Mark P. Witton

Die furchteinflößenden Zähne des Tyrannosaurus rex waren vermutlich hinter Lippen verborgen. Ein internationales Forschungsteam fand an den Zähnen von Theropoden, zu denen auch Raubsaurier gehören, keine Abnutzung, wie sie für die offen liegenden Zähne etwa von Krokodilen typisch ist.

Auch das Verhältnis von Schädellänge zu Zahnlänge spreche nicht gegen eine vollständige Bedeckung der Zähne bei Raubsauriern, schreibt die Gruppe um Thomas Cullen von der Auburn University (US-Bundesstaat Alabama) in der Fachzeitschrift "Science".

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Paläontologen sind sich bei Lippen-Frage bisher uneinig

"Seit wir im 19. Jahrhundert mit der Restaurierung von Dinosauriern begonnen haben, sind Zeichner hinsichtlich der Lippen hin- und hergegangen, aber lippenlose Dinosaurier wurden in den 1980er und 1990er Jahren immer bekannter", wird Ko-Autor Mark Witton von der englischen University of Portsmouth in einer Mitteilung seiner Hochschule zitiert.

Dokumentationen und Spielfilme wie "Jurassic Park" hätten das Bild von Raubsauriern mit freiliegenden Zähnen geprägt. Selbst Paläontologen waren sich in dieser Frage bisher uneinig.

"Obwohl in der Vergangenheit argumentiert wurde, dass die Zähne von Raubsauriern zu groß sein könnten, um von Lippen bedeckt zu werden, zeigt unsere Studie, dass ihre Zähne in Wirklichkeit nicht ungewöhnlich groß waren", betont Cullen.

Raubsaurier mit und ohne Lippen
Hatten Raubsaurier Lippen oder nicht? (Illustrationen) © dpa / Mark P. Witton

Er und seine Kollegen entdeckten, dass die Kiefer von Raubsauriern viel stärker denen von heutigen Waranen ähneln als denen von Krokodilen. Das zeigt sich etwa in der Verteilung von Öffnungen im Schädelknochen, durch die Nervenbahnen und Blutgefäße laufen. Und selbst beim mächtigen Komodowaran sind die Zähne vollständig durch Lippen bedeckt.

Schlagendstes Argument ergibt sich aus Abnutzungsmustern der Zähne

Auch das Verhältnis zwischen Schädellänge und Zahnlänge ist bei Raubsauriern ähnlich wie bei Waranen und spricht deshalb zumindest nicht gegen Lippen bei Raubsauriern. Das schlagendste Argument ergibt sich jedoch aus den Abnutzungsmustern der Zähne. Bei Krokodilen ist in der Regel auf der Außenseite der Zähne, die der Luft und anderen Einflüssen ausgesetzt ist, der Zahnschmelz verschwunden - meist fehlt sogar ein Teil der Zahnsubstanz.

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Da bei Raubsauriern der Zahnschmelz noch dünner war als bei heutigen Krokodilen, müsste er sich ohne den Schutz von Lippen noch schneller und stärker abgenutzt haben, argumentiert die Gruppe. Doch das ist nicht der Fall.

Bei den untersuchten Zähnen von Raubsauriern war der Zahnschmelz auf beiden Seiten der Zähne noch vorhanden. "Zähne, die nicht von Lippen bedeckt sind, trocknen möglicherweise aus und können beim Fressen oder Kämpfen stärker beschädigt werden, wie wir es bei Krokodilen sehen, aber nicht bei Dinosauriern", erläutert Ko-Autorin Kirstin Brink von der kanadischen University of Manitoba in Winnipeg. Die Autoren gehen deshalb davon aus, dass die dolchartigen Zähne von T. rex & Co. bei geschlossenem Maul nicht zu sehen waren.

Neue Erkenntnisse darüber, wie Aussehen von Dinosauriern rekonstruiert werden könnte

Die Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse darüber, wie die Weichteile und das Aussehen von Dinosauriern und anderen ausgestorbenen Arten rekonstruiert werden könnten. Nach Auffassung der Wissenschaftler kann dies Informationen darüber liefern, wie sie sich ernährten und ihre Zahngesundheit erhielten, vielleicht sogar über weitere Aspekte ihrer Evolution und Lebensweise.

"Die Ergebnisse dieser Studie unterstützen nachdrücklich Gesichtsrekonstruktionen mit Lippen bei Theropoden, mit weitreichenden Auswirkungen auf ihre Darstellung in Wissenschaft und Populärkultur", schreiben Cullen und Kollegen. (ff/dpa)

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