Zum 80. Jahrestag der Massaker von Wolhynien haben Kirchenvertreter aus Polen und der Ukraine eine weitere Aufklärung der Verbrechen gefordert und zu Versöhnung aufgerufen. "Heute, nach der Entdeckung von Massengräbern in Butscha, Irpin und Hostomel, wissen wir alle, wie wichtig es ist, die Täter eindeutig zu benennen, die Opfer zu exhumieren und ihr Recht auf ein würdiges Begräbnis und ein menschliches Andenken zu achten", heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, und der Vorsteher der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, am Freitag unterzeichneten.

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Bei den Massakern in Wolhynien und Ostgalizien zwischen 1943 und 1945 ermordeten ukrainische Nationalisten der Aufstandsarmee UPA etwa 100 000 Polen. Sie hofften, durch einen Aufstand gegen die deutschen Besatzer und die Beseitigung der polnischen Zivilbevölkerung den ukrainischen Anspruch auf das Gebiet zu untermauern. Die Gewalt in der heutigen Westukraine erreichte im Juli 1943 ihren Höhepunkt. Viele Opfer wurden bei lebendigem Leib in den Kirchen ihrer Dörfer verbrannt. Bei Vergeltungsakten wurden Schätzungen zufolge bis zu 20 000 Ukrainer getötet.

In Polen und der Ukraine wird in diesen Tagen der Opfer der Massaker gedacht. Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki reiste am Freitag im Morgengrauen in das einstige Dorf Ostrowki in der Westukraine, dessen polnische Bewohner im Sommer 1943 getötet wurden. Morawiecki sagte, ohne eine restlose Aufklärung der Verbrechen von Wolhynien werde Russland diese Karte nutzen, um Ukrainer und Polen gegeneinander auszuspielen.

Das EU- und Nato-Land Polen hat knapp 1,6 Millionen Flüchtlinge aus der benachbarten Ukraine aufgenommen. Zudem hat sich Polen seit Beginn des russischen Angriffskriegs als einer der standhaftesten Unterstützer der Ukraine im Westen erwiesen.  © dpa

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