Im Zweiten Weltkrieg kam ein Geheimtrupp des amerikanischen Militärs in Europa zum Einsatz: Die Geisterarmee. Unter dem eigentlichen Namen 23rd Headquarters Special Troops hatte sie die Aufgabe, die deutsche Wehrmacht mit List hinters Licht zu führen.

Vier Männer heben einen 40 Tonnen schweren Sherman-Panzer auf und drehen ihn ohne jede Anstrengung um. Die Erklärung der Soldaten gegenüber verdutzten Passanten? - Amerikaner seien eben sehr stark.

Mit solch hanebüchenen Geschichten wurden die wenigen Augenzeugen abgespeist, welche die Aktionen der Geisterarmee zufällig zu Gesicht bekamen.

Die oben erwähnte "Erklärung" wurde so zwei Franzosen aufgetischt, die versehentlich mit ihren Fahrrädern die abgesicherte Grenze des Militärlagers überquert hatten.

Die richtige Erklärung für dieses "Wunder" menschlicher Kraft ist jedoch sehr viel simpler: Die Geisterarmee arbeitete mit aufblasbaren Panzern. Ihre einzige Aufgabe im Zweiten Weltkrieg bestand darin, die deutsche Wehrmacht hinters Licht zu führen.

General Jacob L. Devers stellte den geheimen Militärverband im Januar 1944 auf. Zusammen mit Ralph Ingersoll, Clare Beck, Billy Harris und Dan Noce kümmerte er sich um die Entwicklung und Einteilung der neuen Einheit.

Bedrohung durch Luftüberwachung

Neue Technologien und Waffen veränderten auch die Kriegsführung während des Zweiten Weltkriegs. Neuartige Bomben hatte eine höhere Zerstörungskraft, Angriffe aus der Luft waren eine permanente Bedrohung für Bodentruppen.

Um sich dagegen zu schützen, wurden Stützpunkte mit Netzen, falschen Bäumen oder als leeres Feld getarnt, um sie vor feindlichen Fliegern zu verbergen.

Dann kamen zuerst die Briten, später die Amerikaner auf die Idee, den Spieß umzudrehen. Anstatt echte Militäreinheiten als leere Felder zu tarnen, sollten leere Felder so aussehen als wären sie eigentlich echte Stützpunkte.

Das britische Militär hatte 1942 bei der Operation "Bertram" bereits falsche Panzer und Attrappen zur Täuschung eingesetzt. Es gab aber noch keine spezielle Einheit, die nur für diesen Zweck ausgebildet war.

Die Strategie der Tarnung und Täuschung wurde weiterentwickelt und im Januar 1944 entstand unter General Devers die "23rd Headquarters Special Troops" – allgemein als Geisterarmee bezeichnet.

Studenten als Soldaten

Unter dem Tarnnamen "Blarney" kamen vier Einheiten zusammen. Die Armee rekrutierte Kunst- und Architekturstudenten sowie Mitarbeitern von Werbeagenturen. Ebenfalls unter den Geistersoldaten befanden sich Schauspieler, Designer und Ingenieure.

Die größte der vier Einheiten, die "603rd Camouflage Engineers", gab es bereits vor der Geisterarmee. Sie war ausgebildet in Täuschungstechniken und konnte innerhalb weniger Stunde einen ganzen Stützpunkt aufbauen. In der Geisterarmee war sie für die visuelle Täuschung zuständig.

Im Grunde bestand ihre Aufgabe darin, sich als echte Einheit auszugeben und der deutschen Wehrmacht entgegenzustellen, wodurch die tatsächlichen Einheiten ihre Gegner mit Überraschungsangriffen überrumpeln konnten.

Direkter Einsatz im Kriegsgebiet

Kurz nach der Landung der Alliierten in der Normandie kam die Geisterarmee bereits zum Einsatz. Sie nahm im Wald bei Cerisy-la-Forêt die Stellung einer Panzerdivision ein, die in Wahrheit abrückte, während die Geisterarmee ihre Anwesenheit vortäuschte.

Sie schufen zur Täuschung der deutschen Truppen aufwändige Attrappen wie etwa aufblasbare Panzer, Jeeps und Geschütze. Diese wurden dann bewusst unsorgfältig mit Tarnnetzen verdeckt, als hätte die Einheit es nicht geschafft sich vollständig vor dem Feind zu verbergen.

Die Geisterarmee erschuf auch Soldatenattrappen, um eine größere Mannstärke zu simulieren – Trupps bis zu 40.000 Soldaten konnte sie imitieren, während die Geisterarmee in Wahrheit nur aus etwa 1.100 Mann bestand.

Das Bataillon gab sich alle Mühe bei dem Aufbau eines falschen Stützpunktes: Mit Schaufeln und Harken gruben sie Furchen in den Boden, die echte Panzer oder Fahrzeuge hinterlassen würden.

Eine Einheit für jede Eventualität

Sogar die Geräusche eines Stützpunktes wurden nachgeahmt: Die Untereinheit "3131nd Signal Service Company" bestand aus Tontechnikern und Experten für Soundeffekte.

Sie nahmen die Geräusche von Panzern, Artillerie und Truppen auf, mischten sie zusammen und verbreiteten sie über Lautsprecheranlagen.

Ein Funktrupp, ebenfalls eine Untereinheit der Geisterarmee, produzierte falsche Kommunikationsnetze für den Funkverkehr. Sie erlernten die personalisierten Morsezeichen, die "individuelle Handschrift", der Tastfunker und imitierten sie nach deren Abzug.

Die Geisterarmee wurde vollständig geheim gehalten – sogar in den Reihen des eigenen Militärs. Nur Eingeweihte durften von ihrer Existenz erfahren. Wären Gespräche über die falsche Armee belauscht worden, hätte dies das Ende der Tarneinheiten bedeutet.

Wann immer die Geisterarmee einen Trupp ablöste, um dessen Anwesenheit weiter vorzutäuschen, malte sie sich die Insignien der Einheit auf ihr falsches Material und nähte sich deren Abzeichen an die Uniformen.

So sehen die eigentlichen Abzeichen der Geisterarmee aus. Bernie Mason, ein ehemaliges Mitglied, hält sein Abzeichen hoch.

Unbewaffnet an der Front

Ihre riskanteste Aktion war wohl der Einsatz bei der Operation Bettembourg im September 1944. Nahe des Flusses Moselle an der Front zu Deutschland stand die Dritte Armee von Generalleutnant George S. Patton bereit.

Patton versammelte seine Truppen zu einem Angriff auf die Stadt Metz, was einen Abschnitt von über 110 Kilometern entlang der Front unbesetzt ließ. Hätte die deutsche Wehrmacht diese Lücke entdeckt, hätte dies fatale Folgen für Pattons Truppen haben können.

Also wurde die Geisterarmee eingesetzt. Sie sollte die Lücke schließen, indem sie vorgab, die etwa 20.000 Mann starke 6. US-Panzerdivision zu stellen. Vier Nächte lang ließ die falsche Armee die Geräuschkulisse von verschiedenen Panzerbewegungen laut ausspielen.

Mehrere Dutzend aufblasbare Panzer kamen zum Einsatz, Angehörige der falschen Armee gaben sich als hochrangige Offiziere aus und fuhren mit Konvois von Ort zu Ort.

Die Männer prägten sich die Vorgeschichte der 6. Armee ein, damit sie sich in den umliegenden Dörfern und Städten zur Not als Soldaten dieser Einheit ausgeben konnten.

Durch Täuschung vertrieben

Die Aktion war überaus riskant, aber der Bluff funktionierte so gut, dass er von drei Tagen auf eine ganze Woche erweitert wurde.

Es war eine Nerven zerreißende Geduldsprobe für die Männer der 23rd Headquarters Special Troops. Je länger die Täuschung anhielt, desto mehr waren sie davon überzeugt, dass die Deutschen die Wahrheit herausfinden und die praktisch unbewaffnete Einheit überrollen würden.

Doch die deutsche Wehrmacht war der Meinung, dass aufgrund der gewaltigen "Truppenbewegung" ein Angriff bevorstehen würde, sprengte die Brücken und zog sich auf die andere Seite des Flusses zurück.

Mit List durch den Krieg

Bis zum März 1945 war die Geisterarmee in Europa im Einsatz, täuschte dabei etwa 20 stationierte Einheiten an der Front vor - von der Normandie bis zum Rhein.

Die Existenz der geheimen Armee wurde bis zum Ende des 20. Jahrhunderts nicht offiziell bekannt gemacht. Erst 1996 gab die Regierung die Militärakten frei. (alm)

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