• In zahlreichen Ländern ist es ein Feiertag und wird in Deutschland auch als "Vatertag" begangen: Christi Himmelfahrt.
  • Doch worum geht es eigentlich? Glauben Christen wirklich, Jesus sei auf einer Wolke davongezogen?

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In Österreich müssen sich Väter noch ein wenig gedulden, denn Vatertag ist hier erst am 13. Juni. Die Italiener hingegen feierten ihn schon am 19. März, dem Gedenktag des Ziehvaters Jesu. Und auch in Deutschland gibt es einen kirchlichen Bezug: Vatertag fällt immer auf Christi Himmelfahrt, wenn Christen die "Heimkehr" Jesu zu seinem Vater feiern.

In diesem Jahr ist das der 13. Mai, wie immer ein Donnerstag, genau der 40. Tag nach der Osterzeit. Und da ist sie wieder, diese Zahl 40, der wir in der Bibel oft begegnen:

  • Am 40. Tag öffnete Noah das Fenster der Arche, so lange dauerte die Sintflut.
  • 40 Tage war Mose auf dem Berg Sinai.
  • 40 Jahre zogen die Israeliten nach der Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens durch die Wüste.
  • 40 Tage fastete Jesus in der Wüste, dem entspricht die Dauer der Fastenzeit ab Aschermittwoch.

"Die Zahl 40 ist in der Antike und in der Bibel Sinnbild für 'Ganzheit' und 'Vollkommenheit'", erläutert Pater Nikolaus Schachtner OSA, Augustinermönch und Religionslehrer in Wien, im Gespräch mit unserer Redaktion. Er verweist auf die vier Himmelsrichtungen und Jahreszeiten: "40 ist eine runde Zahl und steht für eine lange, vollständige Zeit".

Nach der Auferstehung: Wo ist Jesus?

Nach dieser "vollständigen Zeit“ werden die Jünger Zeugen der Himmelfahrt. Jesus richtet noch einmal das Wort an sie, kündigt an, der Heilige Geist werde auf sie herabkommen (dieses Ereignis feiern Christen an Pfingsten). Er prophezeit, sie würden "bis ans Ende der Erde" seine Zeugen sein. Weiter heißt es in der Apostelgeschichte (1,9):

"Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken."

Das wirft viele Fragen auf, nicht zuletzt unter Theologen. Eine Wolke? Außerdem möchte man wissen: Was hat Jesus denn überhaupt noch so gemacht, in den langen 40 Tagen zwischen Auferstehung und Himmelfahrt?

Wieder kommt uns die Zahl vier unter, denn laut Bibel zeigte er sich in dieser Zeit insgesamt viermal: zuallererst den Frauen Maria aus Magdala und seiner Mutter Maria am Grab, dann seinen Jüngern, die voller Trauer sind und zweifeln an den Geschichten, er sei auferstanden. "Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen", heißt es in der Apostelgeschichte.

Die vierte und letzte Begegnung ereignet sich am See von Tiberias: Die Netze der Jünger füllen sich erst, als Jesus erscheint. Anschließend gibt er Petrus den Auftrag, seine Schafe zu hüten. Einer der Schlüsselmomente, durch die Petrus als Begründer der Kirche und jeder Papst bis heute als "Nachfolger Petri" gilt.

40 geheimnisvolle Tage

Was auffällt: Die Jünger erkennen Jesus nicht gleich. Erst an seinen Worten und Taten, nicht aber bei seinem bloßen Anblick. Die Kirche glaubt: Jesus ist zwar leiblich auferstanden, das Grab ist leer, doch sein Leib habe sich verändert, wurde "verherrlicht", wie es im Katechismus heißt. Er trägt an Händen und Füßen noch die Spuren der Kreuzigung, andererseits hat er Fähigkeiten, die er zuvor nicht hatte: Nach Belieben kann er erscheinen, wo und wann er will, auch in unterschiedlichen Gestalten, einmal etwa als Gärtner.

All das macht diese Zeitspanne zwischen Auferstehung und Himmelfahrt ziemlich geheimnisvoll. Pater Nikolaus bezeichnet sie als "Übergang": "Leiden, Sterben, Auferstehung, Himmelfahrt und Geistsendung sind zusammen eine einzige dynamische Bewegung – das Johannesevangelium bezeichnet sie als 'Erhöhung'." Die Himmelfahrt gilt als eine Art Abschluss der Auferstehung.

Christi Himmelfahrt: Kein "zweiter Tod" Jesu, keine Trauer

Beide Ereignisse ließen sich zeitlich und räumlich nicht umgrenzen, fügt der Priester hinzu: "Jesu Auferstehung war nicht eine Rückkehr ins irdische Leben oder das Aufwecken eines Schlafenden oder das knappe Überleben eines Scheintoten. Ebenso ist er bei der Himmelfahrt kein zweites Mal gestorben, sondern geht in die göttliche Lebens- und Seinsfülle ein."

Deshalb lasse sich die Himmelfahrt – dieses Ereignis, das eben kein einfach historisches wie die Geburt oder die Kreuzigung Jesu ist - auch nur ganz schwer irgendwie "bildlich" darstellen, wie es im Brauchtum aber oft der Fall ist.

Wolke ist ein Sinnbild

"Es geht nicht darum, dass er in die Wolken abhebt", erklärt dazu die Katholische Kirche in Deutschland. Die Himmelfahrt veranschauliche vielmehr eine theologische Aussage: "Erst nach der Himmelfahrt sitzt Christus 'zur Rechten Gottes', wie es im Glaubensbekenntnis heißt. So bietet die Himmelfahrt eine Erklärung dafür, dass Jesus zwar lebt und regiert, aber nicht mehr in körperlicher Gestalt bei seinen Jüngern ist."

Das Markus-Evangelium verzichtet auf entsprechende Bilder wie das der Wolke. Dort heißt es über Christus nur, "wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes". Er nehme nun "seinen Platz" bei Gott ein, bleibe aber zugleich bei den Menschen, betont Pater Nikolaus. Daher ist die Himmelfahrt auch kein "Abschied" von Jesus. Ein solcher müsste seine Jünger ja traurig stimmen, doch das Gegenteil ist der Fall. Sie seien "in großer Freude nach Jerusalem zurückgekehrt", schildert der Evangelist Lukas (Lk 24,50-52).

Wer sind die zwei weißen Männer?

Noch etwas erscheint rätselhaft an der knappen Beschreibung der Himmelfahrt in der Apostelgeschichte: Scheinbar aus dem Nichts tauchen zwei "Männer in weißen Gewändern" auf und fragen: "Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“

"Sie werden als Engel gedeutet“, klärt Pater Nikolaus auf. "Wichtiger als ihr Aussehen ist ihre Botschaft: Was steht ihr da und schaut zum Himmel? Jesus wird wiederkommen, wie er aufgefahren ist." Daran zu glauben, könne für Gläubige in der heutigen Welt äußerst herausfordernd sein: "Alles Zweifeln und Fragen hätte ein Ende, wenn wir ihn nur aus den Wolken hervortreten sehen könnten. Dann wäre alles einfach! Jesus aber ist nicht so ein 'Wolkengott'."

Das macht für Pater Nikolaus aber auch die Besonderheit dieses Tages aus: "Ich mag Christi Himmelfahrt mit dem Festgeheimnis und all der Symbolkraft sehr gerne. Dieser Tag fordert meinen Glauben als Vertrauen heraus, weil die Hintergründe des Feiertages so wenig dargestellt und erfasst werden können."

Vatertag feiern: Ein bisschen "Himmel auf Erden"

Als eigenständiger Feiertag gilt Christi Himmelfahrt übrigens seit dem 4. Jahrhundert. Zuvor wurde die "Erhöhung“ an Pfingsten mitgefeiert. Sowohl Katholiken als auch Protestanten feiern ihn – er ist sogar in zahlreichen protestantisch geprägten Ländern ein Feiertag, während in einigen katholischen Ländern wie in Italien, Spanien und Polen gearbeitet wird.

Passt es denn, dass Väter in Deutschland an diesem geheimnisumwobenen Tag traditionell einen oder mehrere Krüge heben? Pater Nikolaus findet das nicht weiter verwerflich: "Jedes irdische Feiern kann ein Stück weit den 'Abglanz des Himmels auf Erden' tragen. Das Himmlische, Ekstatische schlummert als Sehnsucht in uns, weil es unsere Berufung ist."

Auch Christen hoffen ja, eines Tages wie Jesus und seine Mutter Maria in den Himmel aufgenommen zu werden. "Wir müssen aber akzeptieren, dass dies irdisch noch nicht ganz vollendet gefunden werden kann", schließt Pater Nikolaus, "so kann ein Feiern auch 'entgleiten' und das ersehnte Himmlische kann in der Realität dann von Kopfweh und dem schalen Gefühl eines 'Katers' abgelöst werden."

Zur Person: P. Nikolaus Schachtner OSA wurde 1999 zum Priester geweiht und trat 2003 in den Augustinerorden ein. Seit 1998 unterrichtet er in zwei Wiener Berufsschulen unter anderem Religion, Politische Bildung sowie Deutsch und ist in einer der beiden Schulen als Schulleiter eingesetzt.

Weitere verwendete Quellen:

  • Bibel (Einheitsübersetzung)
  • Katechismus der Katholischen Kirche
  • Katholische Kirche in Deutschland: "Warum wir Christi Himmelfahrt feiern. Auferstehung plus?", 17. Mai 2020.