Vor 159 Jahren wurde im Altmühltal in Bayern ein außergewöhnliches Fossil gefunden. Nun wissen Forscher endlich, woher es stammt.

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Das Altmühltal ist ein Paradies für Paläontologen und so etwas wie der "Jurassic Park" der Zunft. In den Kalksteinplatten der Fränkischen Alb fanden Forscher alle möglichen einzigartigen Fossilien. Herausragend ist beispielsweise eine Entdeckung, die 1860 im Steinbruch der Gemeinde Solnhofen gemacht wurde.

Dort fand man den Abdruck einer Feder, sie zeichnete sich auf dem gelblichen Gestein deutlich ab. Die Urfeder stammte aus dem Oberjura und war gut 150 Millionen Jahre alt. Zuerst beschrieb Hermann von Meyer, ein Pionier der Paläontologie, das Fossil. Er vermutete, sie gehöre zum Urvogel Archaeopteryx, dessen Reste damals auch gefunden wurden.

Ob der Einzelfund tatsächlich ein Teil des Urvogels war, wurde nie vollständig geklärt - bis jetzt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit war die Feder schwarz

Forscher um Ryan Carney von der University of Southern Florida glauben nun sagen zu können: Die Feder gehört tatsächlich zu dem Archaeopteryx. An der Untersuchung war auch der deutsche Paläontologe Helmut Tischlinger beteiligt.

Eine Feder liegt auf der Versteinerung eines Archaeopteryx.

Für eine Studie, erschienen im Fachmagazin "Scientific Reports", haben die Forscher den Fund unter ein spezielles Elektronenmikroskop gelegt und mit Skelettfossilien des Vogels verglichen. Aufgrund der Form und Länge des Stücks könne die Feder zum oberen Gefieder des linken Flügels eines Exemplars des Urvogels gehören.

Sogar über die Farbe machen die Wissenschaftler Aussagen. Mit einer 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit sei sie schwarz gewesen. Elegante Flugmanöver gelangen dem Archaeopteryx aber einst wohl nicht, andere Zeitgenossen konnten besser fliegen.

Urvogel Archaeopteryx: Gleiten über eine Lagunenlandschaft

Die Urfeder gilt als erster Hinweis auf den Archaeopteryx - einer von zwei bekannten Vögeln aus dem Jura (vor rund 145 bis 200 Millionen Jahren), die in der Region zwischen Ingolstadt und Nürnberg gefunden wurden. Ein gutes Dutzend fossiler Skelette ist erhalten. Damals lebte er dort in einer subtropischen Lagunenlandschaft.

Als Übergangsform zwischen Reptilien und Vögeln belegt er, dass die heutigen Vögel direkte Nachfahren von Raubsauriern sind. Solche Formen urtümlicher Vögel und vogelähnlicher Dinosaurier wurden in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach entdeckt, vielfach in Sedimentgesteinen der Unterkreide im Nordosten Chinas.

Bekannte Vertreter des Jura, in der wohl die Evolution der Vögel begann, sind etwa Aurornis, Anchiornis oder Serikornis.  © DER SPIEGEL

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