Nordseeinseln, Hongkong, Buenos Aires oder ganze Küstenregionen: Sie alle könnten durch den Klimawandel in Zukunft öfter unter Wasser stehen. Hochwasser und Überflutungen sind angesichts der steigenden Meeresspiegel ein großes Problem. Doch das ist nicht nur ein Phänomen unserer Zeit.

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Der steigende Meeresspiegel ist nicht nur heutzutage ein viel diskutiertes und drängendes Problem. Auch vor Tausenden von Jahren stellte das schon eine Herausforderung für die Menschen dar.

Schon in der Jungsteinzeit versuchten die Bewohner der Siedlung Tel Hreiz, die im heutigen Israel liegen würde, ihre Stadt mit einer Steinmauer vor den Wassermassen zu schützen. Sie bauten die mehr als 100 Meter lange Anlage vor etwa 7.000 Jahren, wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Plos One" berichtete.

Die Konstruktion ist demnach die älteste bekannte Küstenschutzanlage der Welt. Die Bemühungen der Bewohner waren allerdings vergeblich: Die Siedlung wurde aufgegeben und versank im Meer.

Eismassen verantwortlich für steigenden Meeresspiegel

Die Siedlung Tel Hreiz war für etwa 300 bis 500 Jahre bewohnt. Angelegt wurde sie in einer zunächst sicheren Höhe, etwa zwei bis drei Meter über dem Meeresspiegel, wie die Forscher schreiben.

Die Situation habe sich jedoch innerhalb weniger Jahrzehnte geändert und die Menschen gezwungen, Schutzmaßnahmen zu ergreifen - ganz ähnlich wie heute. Grund für den Anstieg war demnach das Abschmelzen von Eismassen nach der letzten Eiszeit, die vor grob 10.000 Jahren endete.

"Während der Jungsteinzeit erlebten Menschen im Mittelmeerraum einen Meeresspiegelanstieg von 4 bis 7 Millimeter pro Jahr oder etwa 12 bis 21 Zentimeter im Verlauf eines Lebens", erläutert Ehud Galili von der Universität Haifa (Israel) in einer Mitteilung der australischen Flinders University.

Vor 7.000 Jahren wurde eine Mauer gebaut, um den steigenden Meeresspiegel aufzuhalten. Heute liegt die Siedlung trotzdem unter Wasser.

7.000 Jahre alte Mauer von Menschen erschaffen

Die Steinmauer verlief parallel zum heutigen Küstenverlauf. Sie besteht aus rundlichen Gesteinsbrocken von bis zu einem Meter Breite und einem Meter Höhe. Das Gewicht einzelner Steine beträgt 200 bis 1.000 Kilogramm, schreiben die Forscher. Sie nehmen an, dass sie aus Flussbetten und -mündungen stammen, die 1,6 bis 3,8 Kilometer entfernt von der Siedlung lagen.

Auf natürliche Weise könnten sie aufgrund einer geografischen Barriere nicht ins Meer gelangt sein, schreiben die Wissenschaftler. Sie müssten von Menschen absichtlich und mit vereinten Kräften an die Küste geschafft worden sein.

Die Forscher sind überzeugt, dass es sich bei dem Bauwerk um eine Anlage zum Schutz vor einem steigenden Meeresspiegel handelt. Eine Feldbegrenzung oder eine Gehegeumgrenzung könne es nicht sein, da solche Anlagen nicht in einer Überschwemmungszone direkt an der Küste gebaut worden wären.

Auch als Wehrmauer würde sie zur Meeresseite gelegen kaum Sinn ergeben, zudem gebe es keine Hinweise auf solche Anlagen aus dieser Zeit. Stattdessen liege die Mauer so, dass die zentralen Teile der Siedlung geschützt wurden. Alle im Umfeld der Mauer geborgenen Fundstücke wurden auf ein Alter zwischen 7.500 und 7.000 Jahren datiert. Damit sei es unwahrscheinlich, dass spätere Siedler die Mauer gebaut hätten.

Anlage war unter dem Meeresboden verborgen

Die Siedlung Tel Hreiz ist heute nicht mehr zu sehen, sie liegt unter dem Meeresspiegel.

Tel Hreiz liegt vor der Carmel-Küste im Norden Israels. Die versunkene Siedlung wurde erstmals in den 1960er-Jahren als archäologische Stätte erkannt, aber zunächst nicht systematisch erkundet. Die Anlagen sind meist unter dem Meeresboden verborgen.

2012 und 2015 hätten schwere Winterstürme eine längliche Anlage aus Gesteinsbrocken am Meeresboden teilweise freigelegt. Sie befindet sich auf Meeresseite etwa drei Meter von der damaligen Siedlung entfernt, in einer Wassertiefe von drei Metern.

Forscher untersuchten die Anlage in der Folgezeit mehrfach bei Tauchgängen, fotografierten und vermaßen sie und sammelten Fundstücke ein. Dabei mussten sie schnell vorgehen, denn innerhalb weniger Tage verschwand die Anlage wieder unter Sand. Sie entdeckten bei ihren Tauchgängen Keramiken der Wadi-Rabah-Kultur, Steingeräte, menschliche Skelette sowie Überreste von Haustieren wie Schweinen, Hunden oder Rindern.

Tel Hreiz als einzigartiges Beispiel

Von anderen versunkenen Orten der Region seien keine vergleichbaren Strukturen bekannt, erläutert Jonathan Benjamin von der Flinders University. Tel Hreiz sei damit ein einzigartiges Beispiel für eine menschliche Reaktion auf den Meeresspiegelanstieg in der Jungsteinzeit.

"Der heutige Meeresspiegelanstieg hat bereits rund um die Welt zur Erosion tief gelegener Küsten geführt. Angesichts der Größe der Küstenbevölkerung und der Siedlungen wird das Ausmaß künftiger Umsiedlungen erheblich von dem abweichen, was die Menschen in der Jungsteinzeit erfahren haben." (awa/dpa)

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