Die Schwellung auf der Wange verheißt nichts Gutes: Da wächst ein Pickel. Ein Tipp zur Vorbeugung lautet: Nicht mit den Händen ins Gesicht fassen. Doch so einfach ist es nicht.

"Finger aus dem Gesicht, sonst kriegst du Pickel", warnten beautyaffine Freunde schon im Teenageralter. Der Rat klingt zunächst nachvollziehbar: "Auf den Händen sitzen zahlreiche Keime, die von Türklinken, Haltegriffen aus der U-Bahn oder dem Smartphone aufgenommen werden", sagt Markus Reinholz, Leiter der Aknesprechstunde der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Bakterien nicht alleinige Ursache

Landläufig werden sie für die Hautunreinheiten verantwortlich gemacht. Finger weg aus dem Gesicht - hilft das wirklich?

Dreck und Bakterien allein sind nicht die Ursache für Pickel. Stattdessen entstehen diese, wenn kleine Kanäle in der Haut - sogenannte Talgdrüsenfollikel - verstopfen und sich darunter Talg sammelt. Diese speziellen Hautkanäle sitzen vor allem auf der Nase, der Stirn und dem Kinn sowie der Brust und dem Rücken. Ihre vergleichsweise großen Kanalöffnungen lassen sich als kleine Poren teils gut mit bloßem Auge erkennen.

Wo ein Mitesser ist, ist der Pickel nicht weit

Bevor an den Kanälen Pickel wachsen, entsteht jedoch zunächst ein Mitesser. Im Detail vorstellen kann man sich das so: In der Mitte des Hautkanals sitzt ein winziges Haar. Um den Kanal herum sind große Talgdrüsen angeordnet, die ein Sekret abgeben. Dieses ist körpereigene Hautpflege und Haarkur zugleich und versorgt die Haut und das Haar mit Fetten, verleiht ihnen Glanz und Geschmeidigkeit. Problematisch wird es allerdings, wenn der Ausgang des Kanals verstopft und der Talg nicht auf die Haut abfließen kann.

"Ausgangspunkt eines Mitessers ist eine sogenannte Verhornungsstörung", sagt Reinholz. Dabei sammeln sich abgestorbene Hautzellen in der Pore und bilden einen Pfropf, unter dem sich der Talg sammelt. An der Hautoberfläche schimmert das Fett-Schuppengemisch entweder als kleiner weißer Punkt durch. Manchmal verfärbt sich der Mitesser auch dunkel. Leicht könnte man denken, es handele sich um Dreck. Tatsächlich oxidiert jedoch der Hautfarbstoff an der Luft.

Anfassen spielt untergeordnete Rolle

Erst jetzt sind Bakterien entscheidend. Sie lassen den Mitesser zum Pickel wachsen. Allerdings stammen die entscheidenden Keime eher nicht von dreckigen Fingern. Stattdessen finden Bakterien, die sonst ganz natürlich auf der Haut leben und dort normalerweise nur langsam wachsen, in den verstopften Poren optimale Bedingungen und vermehren sich. Immunzellen versuchen die Keime zu bekämpfen und verursachen eine Entzündung. Eiter entsteht. Die Stelle schwillt an und schmerzt.

"Ob man sich vorher ins Gesicht gefasst hat, spielt dabei eine untergeordnete Rolle ", sagt Reinholz. Wie sehr die Haut zu Pickeln neigt, ist unter anderem genetisch bedingt. So steuern die Gene etwa, wie viel Fett in der Talgdrüse entsteht.

Böse Hormone

Gerade in der Pubertät lassen sich Pickel ohne Behandlung kaum aufhalten. "In der Zeit regt das plötzlich in hoher Menge ausgeschüttete Sexualhormon Testosteron die Talgdrüsen zur Fettproduktion an", erklärt Reinholz. Aus zunächst unauffälligen Mitessern wachsen besonders häufig stattliche Pickel. "Jungs sind häufiger und schwerer betroffen, weil sie mehr Testosteron produzieren. Mädchen und Frauen schütten das Hormon aber auch aus", sagt Reinholz.

Nach der Pubertät, wenn sich der Hormonhaushalt wieder eingependelt hat, leiden häufiger Frauen unter Pickeln. Viele berichten, dass es sie vor allem kurz vor der Periode trifft. Zu diesem Zeitpunkt sinkt der Anteil des Geschlechtshormons Östrogen im Körper, sodass das Testosteron mehr ins Gewicht fällt.

Abgesehen von den Sexualhormonen gibt es Hinweise, dass Stress Pickel begünstigt. Ähnlich wie das Testosteron kurbeln Stresshormone die Talgproduktion an. Das könnte erklären, warum Pickel oft in den ungünstigsten Situationen sprießen: vor einem Date oder Vorstellungsgespräch. "Auch Rauchen erhöht das Pickel-Risiko, wahrscheinlich weil der Körper dadurch mehr zu Entzündungen neigt", sagt Reinholz.

Lebensmittel als Ursache nicht belegt

Nicht belegt ist, dass bestimmte Lebensmittel als alleinige Ursache Pickel auslösen. Einige Untersuchungen hatten angedeutet, dass schnell verfügbare Kohlenhydrate aus Milch, Schokolade oder Chips Pickel fördern. Laut einer Übersichtsarbeit der renommierten Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2015 reichen die Belege bislang aber nicht aus, um den Verzicht zu empfehlen. Eine Arbeit aus dem Januar 2017 kommt zum gleichen Ergebnis.

Wenn der Pickel einmal da ist, sollte man die Finger von der Haut lassen. "Viele Menschen drücken an der Stelle herum", sagt Reinholz. "Dabei ist das im Gegensatz zum ins Gesicht fassen wirklich schlecht." Während gesunde Haut mit ein paar zusätzlichen Keimen fertig wird, bedeutet das Herumdrücken auf bereits gereizten Stellen Stress.

"Der Druck befördert das Talg-Bakterien-Eitergemisch tiefer in den Follikel oder sogar ins umliegende Gewebe. Das verschlimmert die Entzündung", warnt der Dermatologe. Wer ein starkes Bedürfnis habe, Pickel auszudrücken, solle das einer erfahrenen Kosmetikerin überlassen.

Quetschen verboten

Um sich selbst zu überlisten und vor Quetsch-Attacken zu schützen, hilft es manchmal den Pickel zu überschminken. Dabei ist es wichtig, auf geeignetes Make-up zu achten - es sollte beispielsweise kein Parfüm enthalten, auch viele Öle können Mitesser begünstigen. Einige Hersteller werben mit der Aufschrift "nicht komedogen", was so viel bedeutet wie "nicht mitesserfördernd". Allerdings ist gesetzlich nicht festgelegt, welche Stoffe genau in solchen Produkten erlaubt und verboten sind. Oft hilft nur Ausprobieren.

Menschen, die zu Pickeln neigen, empfiehlt Reinholz das Gesicht abends mit sogenannten Syndets zu waschen, um Talg und abgestorbene Hautschüppchen wegzuspülen. Diese Substanzen haben im Gegensatz zu alkalischen Seifen einen sauren pH-Wert von fünf bis sechs - ähnlich wie die Haut.

Wem das nicht hilft, der kann die Haut zusätzlich morgens reinigen. Auch die gelegentliche Anwendung von Hydrogels zum Peeling - möglichst ohne Konservierungs-, Farb- und Duftstoffe -, sorgt verstopften Poren vor.

Gesunde Haut pflegt sich selbst

Übertreiben sollte man das Waschen allerdings nicht, da sonst der natürliche Säureschutzmantel der Haut leidet. Bei normaler Haut reicht einmal am Tag warmes Wasser, die Pflege übernehmen die Talgdrüsen.

Wer hin und wieder mal einen kleinen Pickel hat, muss nicht in Panik verfallen. Bei insgesamt unreiner Haut, auf der sich immer wieder einzelne oder mehrere gut sichtbare Exemplare entwickeln, sollten sich Betroffene jedoch schnell Hilfe beim Hautarzt holen. "Dabei gilt: lieber früher als zu spät. Wer mit der Akne-Behandlung zu lange wartet, riskiert entstellende Narben, die auch zu einer großen psychischen Belastung werden können", warnt Reinholz.

Wirksam bei leichter Akne sind beispielsweise Cremes mit Benzoylperoxid aus der Apotheke. Ein Arzt kann zum Auftragen auf die Haut auch Vitamin-A-ähnliche Wirkstoffe verschreiben - sogenannte Retinoide. Man braucht allerdings bei beiden Varianten ein paar Wochen Geduld, bis die Pickelneigung der Haut nachlässt.

Bei schlimmer Akne kann es auch helfen, Medikamente in Tablettenform einzunehmen - etwa spezielle Antibiotika, die die Entzündung lindern. Die Antibabypille gilt aufgrund der Thromboserisiken erst als eine der späteren Optionen gegen Pickel.

Kaum belegt ist die Wirksamkeit von Hausmitteln wie Teebaumöl und Bienengift. Zahnpasta schadet sogar eher.

"Mit Akne-Cremes lässt sich picklige Haut wirklich gut behandeln", sagt Reinholz. "Eigentlich sollte heutzutage niemand mehr unter Akne leiden müssen."

FAZIT: Pickel entstehen nicht durch Dreck im Gesicht. Ursache sind durch Hautschuppen verstopfte Poren und gesteigerter Talgfluss. Wer eine gesunde Gesichtshaut hat, kann sie gefahrlos mit den Händen berühren. An Pickeln sollte man aber auf keinen Fall herumdrücken.

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