Nichtsahnend gibt man jemandem die Hand oder fasst beispielsweise eine Türklinke an und schon bekommt man einen Stromschlag. Gefährlich oder nur unangenehm? Wie die leichten Stromschläge entstehen und was Sie dagegen tun können.

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In vielen Alltagssituationen baut sich durch Reibung elektrische Spannung im Körper auf, die bei Berührung von geerdeten Gegenständen oder Personen plötzlich entladen wird.

Es kommt zu einem leichten Stromschlag oder wie Experten das Phänomen nennen: einer elektrostatischen Entladung (ESD – Electrostatic Discharge).

Wie entstehen elektrische Ladungen im Körper?

Zu den leichten Stromschlägen, die im Allgemeinen nicht gefährlich sind, kommt es durch einen einfachen Vorgang: Jeder Gegenstand besitzt elektrisch geladene Teilchen.

Es gibt negative Ladungen (Elektronen) und positive (Protonen). Ein neutraler Körper besitzt die gleiche Anzahl an Elektronen und Protonen, das heißt, die Ladungen gleichen sich aus.

Ist die Ladung nicht ausgeglichen, weil etwa durch Reibung zweier Gegenstände Elektronen ausgetauscht werden, die nicht durch Erdung wieder abfließen können, kommt es bei späterer Berührung mit einem leitenden Gegenstand wie Metall oder Haut zum Stromschlag. Dabei können sogar kleine Funken sprühen.

Beim Menschen passiert das häufig durch Schuhe mit isolierender Kunststoffsohle, die eine Erdung verhindert. Auch trockene Luft kann keinen Strom leiten und verhindert so unter Umständen einen Abbau von geladenen Teilchen.

Deshalb steigt das Risiko von leichten Stromschlägen besonders im Winter bei trockener Heizungsluft. Je mehr Feuchtigkeit in der Luft, desto besser leitet sie und desto besser der Ausgleich von Ladungen.

Unangenehm sind die Stromschläge auf jeden Fall, aber sind sie auch gefährlich?

Welche Gefahr geht von elektrostatischen Entladungen aus?

Ab 3.500 Volt wird der Stromschlag vom Menschen wahrgenommen. Es können aber durch Aufladung des Körpers bis zu 20.000 Volt entstehen. Klingt gefährlich, doch gesundheitliche Schäden tragen Betroffene nicht davon.

Die Muskeln im Körper ziehen sich lediglich zusammen und die Stelle, über die die Entladung erfolgt, kribbelt ein wenig.

Da der Impuls nur den Bruchteil einer Sekunde anhält, kommt es zu keinen ernsthaften Folgen im Bereich der Herz- und Lungenmuskulatur. Diese würden erst bei einem Stromkontakt von über drei Sekunden auftreten.

Der Schreck ist dennoch meist groß und das wirklich gefährliche am ESD. Er birgt jede Menge Unfallgefahren, gerade wenn Sie mit riskanten Gegenständen auf der Arbeit hantieren oder Maschinen bedienen, die nur unzureichend gesichert sind.

Im Haushalt sind typische Unfälle beispielsweise Stürze von der Leiter oder das Fallenlassen von Gegenständen.

Stromschläge bei Herzschrittmachern

Für körperlich gesunde Menschen sind die kleinen Alltags-Stromschläge nicht übermäßig gefährlich, aber wie sieht das bei Patienten mit einem Herzschrittmacher aus?

Zwar gelten Schrittmacher als störanfällig, Warnungen gelten aber vor allem für gewisse elektronische Geräte wie Handys, Rasierer oder Bohrmaschinen. Diese sollten am besten mindestens 20 Zentimeter vom Herzen entfernt gehalten werden.

Die lebenswichtigen Schrittmacher sind so konzipiert, dass sie einen leichten Stromschlag oder andere Störungen gut wegstecken können.

Wie die einzelnen Geräte bei einem Stromschlag reagieren, hängt von den verwendeten Modellen ab. Demand-Herzschrittmacher (Codezeichen "I") werden bei Patienten mit einer Rest-Eigenfunktion des Herzens eingesetzt.

Sie geben nur dann Stimulationsimpulse ab, wenn der eigene Herzschlag länger als ein vorgegebenes Intervall ausbleibt. Ein Störsignal bewirkt, dass die Abgabe der Stimulationsimpulse unterdrückt wird.

Nach Ende der Störsituation kehrt der Herzschrittmacher automatisch in den ursprünglichen Betriebszustand zurück. Erst wenn die Eigenaktivität längere Zeit ausfällt und zusätzlich die Störbeeinflussung akut vorhanden ist, kann es gefährlich werden. Es kommt zu Blutdruckabfall und zu Schwindelgefühl.

Festfrequente Herzschrittmacher (Codezeichen "0") messen die Herzaktivität nicht. Sie stimulieren mit einer fest vorgegebenen Herzrate und sind daher störunempfindlich.

Bei getriggerten Herzschrittmachern besteht jedoch ein gewisses Risiko. Sie messen über eine Elektrode die vorhandene Aktivität des Herzmuskels, zum Beispiel am Vorhof, und benutzen dieses Signal als Trigger, also als Auslöser, zur entsprechend zeitverzögerten Abgabe eines Stimulationsimpulses.

Störsignale können eine ständige Aufforderung zur Stimulation sein. Die Stimulationsrate wird jedoch nur so lange erhöht, bis die im Herzschrittmacher vorgegebene Grenze erreicht ist. Trotzdem können sich Symptome wie starkes Herzklopfen bemerkbar machen.

Schutz vor leichten Stromschlägen: Was tun?

Auch wenn die Stromschläge nicht gefährlich sind, möchten die meisten Menschen sie lieber vermeiden. Dafür sollten Sie auf synthetische Materialien bei Ihrer Kleidung verzichten, denn die laden sich besonders leicht auf.

Naturfasern wie Baumwolle sind eher zu empfehlen. Schuhe sollten keine Gummi-, sondern eine Ledersohle haben. Beim Aussteigen aus dem Auto hilft es, eine Hand auf das Blech des Fahrzeugs zu legen, bis die Füße den Boden berühren.

Oder Sie fassen mit dem Autoschlüssel in der Hand die Karosserie an. Der Funken schlägt dann am Schlüssel und nicht am Finger über. Luftbefeuchter und Zimmerpflanzen helfen dabei, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen und können so vor Stromschlägen schützen.  © 1&1 Mail & Media / CF

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